Atemnot – Diagnose

Bei Atemnot (Dyspnoe), vor allem wenn sie neu auftritt oder sich verschlechtert, ist der Arzt gefragt. Bei bedrohlicher Atemnot oder Atemstillstand muss der Notarzt gerufen und Erste Hilfe geleistet werden

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 17.02.2016

Röntgen von Herz, Lungen, Zwerchfell: Basisdiagnostik bei Atemnot

Stockbyte/RYF

Atemnot: Sicht- und hörbar

Atemnot ist als bewusste, aber subjektive Empfindung nicht messbar. Es lässt sich aber erkennen, ob die Atmung gesteigert, vermindert oder unregelmäßig ist, ob sich jemand schwertut und hörbar mit großer Not atmet (ziehendes, pfeifendes Atmen, medizinisch: Stridor), vielleicht dabei auch eine besondere Haltung einnimmt, um Luft zu bekommen.

Nicht selten sind Menschen in dieser Situation auffallend unruhig, angstvoll und blass, vielleicht bricht ihnen kalter Schweiß aus allen Poren, oft haben sie auch blaue Lippen. Dies wie auch eine bläulich-graue Hautfarbe, vor allem im Gesicht, außerdem eine bläulich verfärbte Zungenschleimhaut (Fachbegriff für diese Veränderungen: Zyanose) weisen auf einen Sauerstoffmangel hin.


Wie das Atmen klingt, hören Ärzte per Stethoskop genauer

Stockdisc/RYF

Neben solchen äußerlich erkennbaren Veränderungen sind weitere Befunde richtungsweisend, etwa krankhafte Atemgeräusche, die der Arzt beim Abhören der Lungen mit dem Stethoskop feststellt. In der Fachpraxis oder auch beim Rettungseinsatz kann der Arzt zudem die Sauerstoffsättigung zunächst mittels Pulsoxymetrie über die Haut messen.

Was die Krankengeschichte verrät

Weitere Anhaltspunkte geben häufig auch die Krankengeschichte und Schilderung des Patienten, wie seine Beschwerden sich entwickelt haben (Anamnese). So kann etwa eine zurückliegende Beinvenenthrombose eine stattgehabte Lungenembolie nahelegen und eine plötzliche Atemnot erklären. Begünstigend für eine Thrombose kann zum Beispiel eine vorübergehende Ruhelage sein, etwa nach einer Verletzung, oder langes Sitzen auf einer Reise.

Anzeichen sind unter anderem die Schwellung eines Beins, dazu Schmerzen, die auch in der Kniekehle oder Leiste spürbar sein können und sich im Stehen verstärken. Anhand dieser Anzeichen und weiterer Kriterien – sie bilden zusammen den sogenannten Wells-Score – kann der Arzt die Verdachtsdiagnose einer Thrombose oder Lungenembolie stellen und dann weitere Maßnahmen einleiten.

Begleitsymptome wie Brustschmerzen, ein schneller Pulsschlag, Husten, Auswurf (womöglich auch blutig) sind weitere Indizien einer Lungenembolie, können aber auch bei einer Lungenentzündung auftreten. Ähnliches gilt für Fieber und starke körperliche Schwäche bis hin zum Kreislaufkollaps.

Atemnot und kurze Ohnmachten (Synkopen), etwa bei Anstrengungen oder Husten, sind eine Kombination von Beschwerden, die zum Beispiel im Zusammenhang mit Lungenhochdruck vorkommen kann.

Um zügig abzuklären, ob eine chronische Atemnot, die einem Betroffenen neuerdings verstärkt Probleme bereitet, eher den Lungen, dem Herzen oder anderen Ursachen zuzuordnen ist, kann dem Arzt im Vorfeld ein Fragebogen weiterhelfen, der verschiedene, hier genannte Punkte sytematisch abcheckt.

Medizintechnik hilft auf die Spur

Hier gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten. Die Wahl der Methoden folgt der ersten Verdachtsdiagnose aufgrund der Eingangsbefunde. Dabei veranlasst der Arzt zum Beispiel verschiedene Bluttests, etwa eine Bestimmung des Troponin-T, des NT-proBNP, des sogenannten D-Dimer, oder auch eine Blutgasanalyse. Eine Elektrokardiografie (EKG), Röntgenuntersuchungen, eine Ultraschalluntersuchung des Brustraums, gegebenenfalls auch der Beinvenen (Dopplersonografie) sind weitere wichtige Erstmaßnahmen.

Im zweiten Schritt können sich eine Lungenfunktionsprüfung (bestimmte Atemtests, Spirometrie, in erweiterter Form auch als Spiroergometrie mit Überprüfung des Herzkreislaufsystems), Allergietests und endoskopische Untersuchungen des Nasen-Rachen-Raums anschließen. Im Rahmen der Endoskopie des Kehlkopfes kann der Hals-Nasen-Ohren- (HNO-)Arzt die Stimmbandfunktion überprüfen (Stroboskopie).

Herz im Fokus?

Liegt aufgrund der ersten Befunde das Herz im Blickpunkt des Arztes, so hat der Arzt es bereits durch die bekannteste aller Herzuntersuchungen, nämlich ein Elektrokardiogramm (siehe oben: EKG), überprüft. Dieses befindet sich inzwischen in bester Gesellschaft. So wird das Herz heute vielfach auch mit dem ebenso gut (v)erträglichen Ultraschall (Echokardiografie) abgebildet. Anders als das EKG erlaubt die Ultraschalltechnik neben funktionellen Aussagen optische Einblicke in das Herz. Auch bei mutmaßlicher Lungenembolie sind beide Maßnahmen unverzichtbar.

Spezielle Untersuchungsverfahren

Gegebenenfalls schließt sich eine Untersuchung der Herzkranzgefäße (Linksherzkatheter) oder schwerpunktmäßig der rechten Herzhälfte mittels Herzkatheter an. Dieser sogenannte Rechtsherzkatheter gehört etwa bei Verdacht auf einen Lungenhochdruck zu den Standarduntersuchungen. Meist wird er durch eine Röntgendarstellung der Lungengefäße vervollständigt. Nach wie vor sind nuklearmedizinische Verfahren zur Erfassung der Lungendurchblutung und -belüftung (Szintigrafie der Lungen: Ventilations-Perfusionsszintigrafie oder nur Perfusionsszintigrafie) bei der Abklärung von Lungenhochdruck wichtig. Dies gilt insbesondere nach einer oder mehrmaligen Lungenembolien (schwieriger Fachbegriff: chronisch-thromboembolische pulmonale Hypertonie; mehr dazu im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße").

Manchmal ist eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Brustraums oder eine entsprechende Computertomografie (CT) angezeigt. Bei speziellen Fragestellungen kann das CT mit einer Positronenemissionstomografie kombiniert werden (PET-CT).


Ein auf die Halsgegend zentriertes CT oder MRT informiert über krankhafte Veränderungen in diesem Bereich.

Die Spiegelung der tiefen Luftwege beziehungsweise der Lungen (Bronchoskopie) oder auch der Brusthöhle (Thorakoskopie) sind eingreifendere Maßnahmen. Während der Bronchoskopie lassen sich Bronchialflüssigkeit oder Gewebeproben zur mikroskopischen Analyse gewinnen.

Manchmal rücken auch Untersuchungen der Schilddrüse oder aber neurologische und psychologische Diagnoseverfahren in den Vordergrund.



  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9. 9
  10. 10
  11. 11
  12. 12
  13. 13
Bildnachweis: W&B, Stockbyte/RYF, Stockdisc/RYF
Partnersuche im Internet

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Bitte beachten Sie!

Dieses Informationsangebot ersetzt keinen Arztbesuch. Bei unklaren Beschwerden sollten Sie stets Ihren Arzt konsultieren. Lesen Sie hier mehr dazu »

Symptome-Finder

Wählen Sie:

Zum Thema

Frau inhaliert mit Asthmaspray

Wie Sie Asthmasprays richtig anwenden

Wer ein Medikament inhalieren muss, tut sich oft schwer damit. Tipps, damit Sie die knifflige Inhaliertechnik beherrschen »

Symptome A-Z

Alle Symptome von A bis Z

Suchen Sie hier nach Symptomen und ihren Ursachen alphabetisch von A bis Z. Beachten Sie bitte auch den Hinweis rechts  »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages