Atemnot – Diagnose

Bei Atemnot (Dyspnoe), vor allem wenn sie neu auftritt oder sich verschlechtert, ist der Arzt gefragt. Bei bedrohlicher Atemnot oder Atemstillstand muss der Notarzt gerufen und Erste Hilfe geleistet werden

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 15.07.2015

Röntgen von Herz, Lungen, Zwerchfell: Basisdiagnostik bei Atemnot

Stockbyte/RYF

Atemnot: Sicht- und hörbar

Atemnot ist als bewusste, aber subjektive Empfindung nicht messbar. Es lässt sich aber erkennen, ob die Atmung gesteigert, vermindert oder unregelmäßig ist, ob sich jemand schwertut und hörbar mit großer Not atmet (ziehendes, pfeifendes Atmen, medizinisch: Stridor), vielleicht dabei auch eine besondere Haltung einnimmt, um Luft zu bekommen.

Nicht selten sind Menschen in dieser Situation auffallend unruhig, angstvoll und blass, vielleicht bricht ihnen kalter Schweiß aus allen Poren, oft haben sie auch blaue Lippen. Dies wie auch eine bläulich-graue Hautfarbe, vor allem im Gesicht, außerdem eine bläulich verfärbte Zungenschleimhaut (Fachbegriff für diese Veränderungen: Zyanose) weisen auf einen Sauerstoffmangel hin.


Wie das Atmen klingt, hören Ärzte per Stethoskop genauer

Stockdisc/RYF

Neben solchen äußerlich erkennbaren Veränderungen sind weitere Befunde richtungsweisend, etwa krankhafte Atemgeräusche, die der Arzt beim Abhören der Lungen mit dem Stethoskop feststellt. In der Klinik oder Fachpraxis kann der Arzt zudem die Sauerstoffsättigung im Blut oder indirekt mittels Pulsoxymetrie über die Haut messen.

Was die Krankengeschichte verrät

Weitere Anhaltspunkte geben häufig auch die Krankengeschichte und Schilderung des Patienten, wie seine Beschwerden sich entwickelt haben (Anamnese). So kann etwa eine zurückliegende Beinvenenthrombose eine stattgehabte Lungenembolie nahelegen und eine plötzliche Atemnot erklären. Begünstigend für eine Thrombose kann zum Beispiel eine vorübergehende Ruhelage sein, etwa nach einer Verletzung, oder langes Sitzen auf einer Reise.

Anzeichen sind unter anderem die Schwellung eines Beins, dazu Schmerzen, die auch in der Kniekehle oder Leiste spürbar sein können und sich im Stehen verstärken. Anhand dieser Anzeichen und weiterer Kriterien – sie bilden zusammen den sogenannten Wells-Score – kann der Arzt die Verdachtsdiagnose einer Thrombose oder Lungenembolie stellen und dann weitere Maßnahmen treffen.

Begleitsymptome wie Brustschmerzen, ein schneller Pulsschlag, Husten, Auswurf (womöglich auch blutig) sind weitere Indizien einer Lungenembolie, können aber auch bei einer Lungenentzündung auftreten. Ähnliches gilt für Fieber und starke körperliche Schwäche bis hin zum Kreislaufkollaps.

Atemnot und kurze Ohnmachten (Synkopen), etwa bei Anstrengungen oder Husten, sind eine Besonderheit, die zum Beispiel im Zusammenhang mit Lungenhochdruck vorkommen können.

Technische Untersuchungen: Lungen und Atemwege

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Wahl der Methoden folgt der Verdachtsdiagnose. Demnach setzt der Arzt Bluttests, Röntgenuntersuchungen, eine Ultraschalluntersuchung des Brustraums, gegenenenfalls auch der Beinvenen (Dopplersonografie), eine Lungenfunktionsprüfung (bestimmte Atemtests, Spirometrie), Allergietests, nuklearmedizinische Verfahren zur Erfassung der Lungendurchblutung und -belüftung, endoskopische Untersuchungen des Nasen-Rachen-Raums, des Kehlkopfes, der tiefen Luftwege (Bronchoskopie) oder auch der Brusthöhle (Thorakoskopie) ein.

Im Rahmen der Endoskopie des Kehlkopfes lässt sich die Stimmbandfunktion überprüfen (Stroboskopie). Während der Bronchoskopie kann Bronchialflüssigkeit zur genaueren Analyse gewonnen werden.

Herz und Gefäße im Fokus?

Liegt das Herz im Blickpunkt des Arztes, wird es zunächst durch die bekannteste aller Herzuntersuchungen, nämlich ein Elektrokardiogramm (EKG), überprüft. Dieses befindet sich inzwischen in bester Gesellschaft: So wird das Herz optisch und funktionell heute vielfach auch mit dem ebenso gut (v)erträglichen Ultraschall (Echokardiografie) abgebildet. Bei mutmaßlicher Lungenembolie zum Beispiel sind beide Maßnahmen unverzichtbar.

Gegebenenfalls schließt sich eine Untersuchung der Herzkranzgefäße oder speziell der rechten Herzhälfte mittels Herzkatheter an. Dieser sogenannte Rechtsherzkatheter gehört etwa bei Verdacht auf einen Lungenhochdruck zu den Standarduntersuchungen. Ergänzend kann eine Röntgendarstellung der Lungengefäße oder ein spezielles Computertomogramm (Spiral-CT) der Lungen, auch in Verbindung mit einer Angiografie (CT-Angiografie), notwendig sein. Zur Dopplersonografie der Beinvenen siehe vorhergehender Abschnitt.

Spezielle Untersuchungsverfahren

Mitunter ist auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Brustraums oder ein entsprechendes CT kombiniert mit einer Positronenemissionstomografie (PET-CT) angezeigt, vielleicht auch die Entnahme von Gewebeproben zur mikroskopischen Untersuchung. Ein auf die Halsgegend zentriertes CT oder MRT informiert zudem über krankhafte Veränderungen in diesem Bereich.

Manchmal rücken auch Untersuchungen der Schilddrüse oder aber neurologische und psychologische Diagnoseverfahren in den Vordergrund.




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