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Wenn Ekel Herpes auslöst

Ekelgefühle beeinflussen auch unsere Körperabwehr. Durch das so geschwächte Immunsystem kann sogar Lippenherpes ausbrechen


Pfui Teufel! Der für Ekel typische Gesichtsausdruck wird in allen Kulturen erkannt

"Eine Spinne, igitt!“ Wer verzieht beim Gedanken an die kleinen pelzigen Krabbeltiere nicht angewidert das Gesicht? Ekelgefühle gehen oft mit Übelkeit und erhöhtem Schweißausstoß einher. Doch die Emotion kann auch das Immunsystem beeinflussen – und ist so ein möglicher Auslöser lästiger Herpesbläschen an den Lippen.

Bei Herpes handelt es sich um eine von Viren verursachte Infektionskrankheit. Wer einmal mit den Erregern Kontakt hatte, trägt sie meist für den Rest seines Lebens mit sich herum. Bei der Mehrheit der Bevölkerung kommt es allerdings nie zum Ausbruch. Bei rund 20 bis 30 Prozent zeigt sich das Virus dagegen immer wieder in Form von kleinen Bläschen an Lippen (Herpes labialis) oder im Intimbereich (Herpes genitalis). Ursache für akute Ausbrüche ist meist eine Schwächung der Immunabwehr, beispielsweise bei Krankheiten oder unter psychischen Belastungen wie Stress.


Dass auch Ekel zu Herpes führen kann, wiesen Wissenschaftler an der Universität Trier nach. Sie suchten dabei für ihre Studie gezielt nach Personen, bei denen es häufig zu Herpesausbrüchen kam. Die 91 Teilnehmer gliederten sie in zwei Gruppen. „Der ersten zeigten wir schmutziges Geschirr, das die Versuchspersonen als ekelerregend empfanden“, erklärt die Biopsychologin Dr. Angelika Buske-Kirschbaum von der Universität Dresden. Sie hat die Untersuchung geleitet. Die zweite Gruppe bekam dagegen neutrale Gegenstände zu sehen.

Geschwächtes Immunsystem

Bei 40 Prozent der Personen, die sich vor dem Geschirr geekelt hatten, bildeten sich an den Lippen anschließend Herpesbläschen. Zudem wiesen sie im Blut eine erhöhte Konzentration des Botenstoffes TNF-alpha auf – ein Hinweis auf eine gesteigerte virale Aktivität. Die Kontrollgruppe blieb von akuten Ausbrüchen dagegen verschont. „Vermutlich hat eine Schwächung der Immunabwehr zur Aktivierung des Virus geführt“, sagt Buske-Kirschbaum. Wie diese genau zustande kam, ist allerdings unklar. Möglicherweise führten die Ekelgefühle zu einer Ausschüttung von Stresshormonen wie Kortisol, Adrenalin und Noradrenalin. Dass Kortisol zu einer Schwächung der Immunabwehr führen kann, haben Wissenschaftler bereits wiederholt nachgewiesen.


Ob Ekel neben Herpes weitere Krankheiten auslösen kann, ist bislang nicht erforscht. Bekannt sind dagegen weitere psychische Prozesse, die das Immunsystem beeinträchtigen. Stressreaktionen begünstigen beispielsweise die Bildung von Herpes und Warzen. Auch beim Pfeifferschen Drüsenfieber soll die Psyche einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. Psychosomatische Medizin nennt sich das Fachgebiet, das sich mit den Wechselwirkungen zwischen psychischen Zuständen und Krankheiten beschäftigt.

Ekel hat eine Schutzfunktion

Selbst wenn Ekelgefühle beim Einzelnen keinen Herpes verursachen: Eine unangenehme Empfindung sind sie allemal. „Dabei ist Ekel ein gesundes, normales Gefühl, das eine Schutzfunktion hat“, hält der Dermatologe Professor Uwe Gieler vom Universitätsklinikum Gießen fest. In der Regel ekeln wir uns vor Dingen, die eine Gefahr für die Gesundheit darstellen – etwa einer Vogelspinne oder einem verdorbenem Stück Fleisch. Daneben gibt es individuelle und kulturell ausgeprägte Spielarten von Ekel. Beim durchschnittlichen Mitteleuropäer löst beispielsweise allein die Vorstellung, ein Insekt zu verzehren, Übelkeitsgefühle aus. In vielen anderen Ländern gehören die Tierchen dagegen gebraten oder frittiert fest zum Speiseplan.



Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de; 31.08.2011, aktualisiert am 31.08.2011
Bildnachweis: Mauritius/Alexander Kupka

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