Herpes labialis (Lippenherpes)

Lippenherpes (Herpes labialis) – Symptom einer Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ I – bezeichnet der Volksmund auch als Fieberblasen

aktualisiert am 17.06.2016

Herpes - ein lästiges Leiden, das viele aus eigener Erfahrung kennen

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Was ist ein Lippenherpes (Herpes labialis)?

Viele Menschen kennen die schmerzenden kleinen Bläschen auf der Lippe: Der Volksmund bezeichnet die Symptome einer Infektion mit Viren aus der Herpes-Familie im Bereich von Lippen und Nase beziehungsweise im oder um den Mund auch als Fieberblasen oder Fieberbläschen. Dort zeigt sich die Virusinfektion am häufigsten, aber auch Fingernagel, Auge oder Gesäß können beispielsweise betroffen sein. Verantwortlich für die unangenehm juckenden, schmerzenden und nässenden Bläschen ist zumeist das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV Typ 1). Bis zu 90 Prozent der Erwachsenen tragen Antikörper gegen HSV Typ 1 im Blut, sind mit dem Virus also bereits in Kontakt gekommen.

Die Erstinfektion mit den Viren geschieht meist unbemerkt und häufig bereits vor dem sechsten Lebensjahr. Viele Virusträger werden ihr ganzes Leben lang nicht von den lästigen Bläschen behelligt. Doch für 20 bis 30 Prozent der Infizierten wird Lippenherpes zum wiederkehrenden Ärgernis. Besonders betrifft dies Personen, deren körpereigenes Abwehrsystem vorübergehend oder dauerhaft eingeschränkt ist (zum Beispiel nach Operationen, bei Krebs, Bluterkrankungen, der Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken oder einer HIV-Infektion)


Ausgehend von der oberen Hautschicht, wo das Virus die Bläschen hervorruft, wandert es entlang der Nervenfasern nach innen bis zu den Nervenzellen im Rückenmark, nistet sich dort ein und verharrt unbemerkt in einer Art Ruhe-Modus, manchmal über viele Jahre bis zum ersten Ausbruch auf den dann die weiteren folgen können. Das bedeutet: Niemand kann gegen Fieberblasen für immer immun werden. Aber unser Abwehrsystem kann das Virus in Schach halten. Kleiner Trost: Statistisch betrachtet tritt Lippenherpes mit zunehmendem Alter immer seltener auf.

Das verwandte Herpes-simplex Virus-Typ 2 betrifft besonders die Geschlechtsteile und verursacht das sogenannte Herpes genitalis. Etwa 15 bis 25 Prozent (die Angaben schwanken) der Erwachsenen hatten mit der Typ-2-Variante schon Kontakt. Auch dieser Virus-Typ kann durch Kontakt mit den Genitalien in den Mund- und Lippenbereich verschleppt werden.


Küssen: So kann der Erreger übertragen werden

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Ursachen und Risikofaktoren

Eigentliche Ursache für Lippenherpes ist die Infektion mit den Viren über Speichel oder engen Hautkontakt, und zwar durch
• Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen)

• Schmierinfektion (zum Beispiel gemeinsame Benutzung von Besteck, Gläsern)

• Direkte Haut- und Schleimhaut-Kontakte (Küssen, Berührung der Bläschen, Geschlechtsverkehr)

Die empfindliche Haut der Lippen ist besonders anfällig für Infektionen. Das in den Nervenzellen ruhende Virus (siehe Übersicht) kann unter bestimmten Bedingungen wieder aktiv werden.

Verantwortlich für die spätere Reaktivierung der ruhenden Herpes-Viren sind unter anderem Störungen der körpereigenen Immunabwehr. Einige typische Auslöser für das Auftreten der Bläschen :

• Infektionskrankheiten oder Fieber (daher die Bezeichnung "Fieberblasen")

• starke Sonneneinstrahlung (führt zur Unterdrückung der Immunzellen der Haut)

• Psychische Belastungen (Stress, Trauer, Ängste, Übermüdung)

• Hormonelle Umstellung (bei Frauen während der Menstruation oder in der Schwangerschaft

• Erkrankungen oder Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken

Die reaktivierten Viren wandern entlang der Nervenbahnen, doch diesmal von den Nervenzellen in Richtung Hautoberfläche (siehe Übersicht). Die Bläschenbildung beginnt. Zwischen Infektion und erstem Auftreten können auch viele Jahre vergehen.


Spannen die Lippen, kann das ein Fieberbläschen ankündigen

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Symptome

Schon bevor sich das erste Bläschen auf den Lippen emporwölbt, spüren manche Betroffene an dieser Stelle eine Empfindlichkeit, ein leichtes Brennen, ein Spannungsgefühl oder ein Kribbeln. Das kann einige Stunden anhalten oder einen ganzen Tag. Wenn die Krankheit gestoppt werden soll, dann müssen bereits jetzt antivirale Mittel als Gel oder Creme aufgetragen oder sogar eingenommen werden (siehe Therapie). Doch nicht immer bemerkt man ein beginnendes Lippenherpes – manchmal bildet es sich auch ohne Vorwarnung binnen Stunden oder über Nacht. Beim ersten Auftreten schwellen meist auch die Lymphknoten im betroffenen Bereich schmerzhaft an.

Die Bläschen füllen sich rasch mit klarer Flüssigkeit und platzen nach wenigen Tagen auf. Zurück bleibt eine kleine, empfindliche Wunde, die aber nach kurzer Zeit gelblich verkrustet und nach insgesamt acht bis vierzehn Tagen von selbst abgeheilt ist. Solange die Bläschen nicht mit Schorf bedeckt sind, können sich andere Personen an ihnen durch Berührung infizieren.

Gelegentlich gehen zudem ein allgemeines Krankheitsgefühl sowie Abgeschlagenheit mit der Erkrankung einher. Die Bläschen können sich auch auf den Wangen, dem Naseneingang, den Ohrläppchen und im Augenbereich ausbreiten. Schließlich kann Lippenherpes auch in Form von Mundfäule (Gingivostomatitis herpetica) in Erscheinung treten. Die Anzeichen dafür sind unter anderem gerschwüratig zerfallende Bläschen im Mund, die stark schmerzen und hohes Fieber mit sich bringen. Ist die Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich, muss eine Aufnahme ins Krankenhaus erfolgen.


Gefährlich: Herpes am Auge (hellblau)

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Komplikationen

Generell sind die Krankheits-Symptome einer Herpes-Simplex-Infektion zwar unangenehm, aber normalerweise nicht gefährlich. Doch es gibt Ausnahmen. Gerade bei bestimmten Risikogruppen mit einem geschwächten Immunsystem (zum Beispiel bei HIV-Kranken, Patienten unter Chemotherapie, Neugeborenen) können sich aus einer harmlosen Herpes-Infektion teilweise lebensgefährliche Komplikationen entwickeln. Einige Beispiele:

  • Durch Kratzen kann eine Infektion mit Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken entstehen, was zu eitrigen Wundinfektionen führen kann
  • Bei Neurodermitis-Kranken können sich die Herpes-Bläschen auf der durch das Ekzem vorgeschädigten Haut ausbreiten, so dass große Hautpartien oder sogar der ganze Körper davon betroffen sein können (Ekzema herpeticatum). Ein Befall mit Bakterien tritt oft zusätzlich auf. Die Patienten sind schwer krank. Es besteht die Gefahr einer Herpes-Encephalitits (siehe unten)
  • Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem kann es zu schweren Krankheitsverläufen und zu einer Lungenentzündung kommen.
  • Die Herpes-Entzündung des Gehirns (Herpes-Encephalitis) ist eine lebensgefährliche Komplikation, wenn Sie nicht rasch erkannt und behandelt wird.
  • Beim Befall der Augen kann die Hornhaut betroffen sein (Herpes corneae), was zur Einschränkung der Sehkraft oder bleibenden Geschwüren mit Narben der Hornhaut führen kann.

Herpes ist meist eine Blickdiagnose

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Diagnose

Erfahrende Ärzte erkennen die typischen Fieberblasen meist auf den ersten Blick und anhand der Schilderungen des Patienten. Der Haus- oder Kinderarzt oder ein Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten sind der erste Ansprechpartner, bei Schwangeren und Beschwerden im Genitalbereich der Frauenarzt. Bestehen Unklarheiten, weil die Symptome an untypischen Stellen auftreten, hilft eine Untersuchung des Bläschen-Inhalts oder ein Abstrich von der Haut oder Schleimhaut. Manchmal ist es sinnvoll, den Virustyp zu bestimmen.


Fieberblasen bekämpfen: Dafür gibt es spezielle Cremes

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Therapie

Ist die Erkrankung spürbar oder sind die Bläschen bereits sichtbar, so kann nur der Heilungsverlauf beschleunigt und die Symptome gelindert werden. Tun Betroffene gar nichts, so verschwinden die Bläschen nach etwa zwei Wochen wieder von selbst.
Gele mit Zinksulfat oder desinfizierenden Zusätzen helfen, die Bläschen schneller auszutrocknen und fördern damit die Abheilung. Als Hausmittel schwören viele auch auf Zahnpasta, Heilerde oder Melissenextrakt was allerdings allenfalls austrockenende Wirkung hat.

Medikamente, welche die Virenvermehrung hemmen, verkürzen die Heilungsdauer. Antivirale Gele und Cremes wirken jedoch nur dann wirklich gut, wenn sie bei den ersten Anzeichen eines Herpes konsequent aufgetragen werden. Viren, die nicht aktiv sind und in den Nervenzellen schlummern, lassen sich durch die Salbe nicht beeinflussen. Wird das Virus häufig lokal behandelt, kann es zu Resistenzen kommen. Dann ist eine entsprechende Testung erforderlich.

Bei schweren Verläufen und der Gefahr weiterer Ausbreitung müssen anitvirale Mittel in Form von Saft, Tabletten oder Kurzinfusionen gegegeben werden.


Brille statt Kontaktlinsen: Bei Herpes die bessere Wahl

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Vorbeugen

Das Risiko, an Lippenherpes zu erkranken, lässt sich durch vorbeugende Maßnahmen zwar verringern, eine Schutzimpfung dagegen gibt es aber ebenso wenig wie die Möglichkeit, die im Körper eingenisteten Viren wieder auszurotten. An einer Impfung wird zwar seit Jahren gearbeitet, aber anders als bei Windpocken ist sie noch nicht verfügbar. Patienten, die Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken oder Krebspatienten während einer Chemotherapie erhalten in der Regel begleitend und vorbeugend Aciclovir oder Valaciclovir-Tabletten.

Wer bedenkt, wie die Viren übertragen und wodurch sie später im Körper reaktiviert werden, hat schon die wichtigsten Vorbeuge-Maßnahmen zur Hand:

•    Zwar überleben Herpes-Viren außerhalb des Körpers nur sehr kurze Zeit, trotzdem raten Experten, vorsichtshalber mit akut Erkrankten nicht dieselben Handtücher, Servietten, Lippenstifte, Gläser oder Besteck zu benutzen.

•    Der Inhalt der Bläschen ist infektiös. Wer sie berührt oder gar aufkratzt, kann das Virus mit den Fingern auch am eigenen Körper verteilen, etwa in die Augen oder in den Genitalbereich. Deswegen: Finger weg und nach dem Eincremen mit Anti-Viren-Salbe gründlich die Hände waschen und desinfizieren. Noch besser: Zum Auftragen von Gelen, Cremes oder Tinkturen ein sauberes Wattestäbchen benutzen.

 • Gerade die eigenen Finger sind ein gefährlicher Viren-Überträger. Deshalb: Während der Erkrankung nicht an den Fingernägeln kauen. Vor allem aber nicht die Augen reiben und auch Kontaktlinsen nicht mit Speichel in die Augen einsetzen. Gelangen Herpes-Viren in die Augen, kann das im schlimmsten Fall zu einer Schädigung der Hornhaut führen. Tipp: Während der Erkrankung am besten eine Brille tragen.


•    Weil das Herpes-Virus auch durch direkten Hautkontakt übertragen werden kann: entsprechende Sportarten wie Ringen, Judo vermeiden.


•    Personen, die gerade ein Fieberbläschen haben, sollten auf Küssen und oralen Sex verzichten, da die Viren auf diesem Weg übertragen werden können – auch auf die Genitalien.

•    Besondere Vorsicht gilt bei akuter Erkrankung gegenüber Säuglingen und Kleinkindern oder alten, gebrechlichen Menschen: Wer ein Fieberbläschen hat, sollte Hautkontakt vermeiden, dazu gehört leider auch der Gute-Nacht-Kuss.

•    Eine schwangere Frau kann in seltenen Fällen das Virus im Mutterleib auf ihr ungeborenes Kind übertragen. Unbedingt gilt daher: Herpesviren sollten in dieser Zeit nicht in ihren Genitalbereich gelangen. Denn das für den Lippenherpes verantwortliche Herpes-simplex-Virus Typ 1 kann wie das Genitalherpes Typ 2 manchmal auch dort ein Herpes-Infektion verursachen. Bei der Geburt könnte sich der Säugling dann damit anstecken, was schwere Komplikationen zur Folge haben kann. Um dies zu vermeiden, raten Ärzte bei akuter Erkrankung unmittelbar vor der Geburt zu einem Kaiserschnitt. Bei Herpes-Trägerinnen mit regelmäßigem Auftreten von Bläschen im Genitalbereich sollte ab der 36. Woche eine vorbeugende Therapie erfolgen. Auch nach der Geburt gilt: Personen, die gerade ein Fieberbläschen haben sollten das Neugeborene nicht mit den Händen berühren oder seinen Schnuller ablecken, da eine Infektion mit dem Virus im schlimmsten Fall zu einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) mit bleibenden Schäden führen kann.

•    Kein Sonnenbaden und wenn schon, dann entsprechend geschützt. Für Lippen und Mundpartie gibt es spezielle Sun-Blocker mit hohem Lichtschutzfaktor.

•    Ein intaktes Immunsystem ist ein guter Schutz gegen wiederkehrende Fieberblasen-Attacken. Dazu tragen ausgewogene Ernährung, moderater Sport, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf zu viel Alkohol und Zigaretten bei. Psychische Belastungen können bei Bedarf mit professioneller Unterstützung oder Betreuung bewältigt werden. Und manchem Stress, von dem man weiß, dass er das eigene Fieberblasenrisiko erhöht, kann man auch einfach aus dem Wege gehen.


Unser Experte: Professor Dr. Harald Gollnick

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Beratender Experte

Professor Dr. med. Harald Gollnick ist Direktor der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Magdeburg. Harald Gollnick studierte Medizin an den Universitäten Münster und Berlin. 1983 promovierte er, 1984 schloss er seinen Facharzt für Dermatologie und Venerologie ab. 1988 habilitierte er sich im Fach Dermatologie und Venerologie. Von 2003 bis 2007 war er Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Zu den Hauptarbeitsgebieten von Professor Gollnick gehören unter anderem Akne, Hautkrebs und Schuppenflechte.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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