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Medikamente gegen Hämochromatose?

Gibt es auch Medikamente, die gegen Hämochromatose helfen können? Aus der "Experten-Sprechstunde Verdauungskrankheiten"


Eisenträger: die roten Blutkörperchen

Bei der Hämochromatose kommt es zur übermäßigen Speicherung von Eisen in verschiedenen Organen, vor allem Leber, Bauchspeicheldrüse, Haut, Herz, Gelenken. Daher zielt jede Therapie darauf ab, dem Körper Eisen zu entziehen. Der mit Abstand effektivste Weg dazu ist der Aderlass. Durch den Aderlass werden rote Blutkörperchen entfernt, die Eisen enthalten. Für die Bildung neuer Blutkörperchen im Knochenmark wird Eisen benötigt, wofür die Eisenspeicher angezapft und langfristig abgebaut und damit normalisiert werden. Ein verlässlicher Anzeiger für den Füllungszustand unserer Eisenspeicher sind die beiden Blutwerte Ferritin und Transferrinsättigung. Wenn sie normal sind, kann eine wesentliche Eisenüberladung nicht vorliegen. Umgekehrt kann der Arzt anhand des Ferritinspiegels gut messen, wie lange eine Aderlasstherapie fortgeführt werden muss. Sind die Spiegel im unteren Normbereich, reicht zur Langzeittherapie der Hämochromatose oft ein Aderlass alle drei oder sechs Monate aus. 

 

Es wird ja eigentlich nach Medikamenten gegen Hämochromatose gefragt. Sogenannte Komplexbildner, zum Beispiel Desferoxamin, binden Eisen aus dem Blut und können es so dem Körper entziehen. Diese Therapie ist im Gegensatz zum Aderlass nicht ohne Nebenwirkungen und zudem weit weniger effektiv. Ein einziger Aderlass kann dem Körper in etwa so viel Eisen entziehen wie eine ganzjährige, kontinuierliche Therapie mit Desferoxamin. Der Einsatz dieser Medikamente ist daher auf Einzelfälle beschränkt, in denen eine Aderlasstherapie nicht möglich ist – beispielsweise bei bestehender schwerer Blutarmut. Während ein zusätzliches Problem des Desferoxamin darin besteht, dass es kontinuierlich unter die Haut gespritzt werden muss (zum Beispiel mit einer Pumpe), steht seit kurzem ein Komplexbildner zur Verfügung (Deferasirox), der eingenommen werden kann. Leider ist auch hier die Effektivität bei weitem nicht mit der einer Aderlasstherapie vergleichbar. 

 

 

Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Berg und Dr. med. Michael Biermer
Charité, Universitätsmedizin Berlin
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie


 Unsere Experten beantworten in der „Sprechstunde Verdauungskrankheiten“  weitere interessante Fragen zu Lebererkrankungen.



Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



surfmed/www.apotheken-umschau.de; 07.11.2007, aktualisiert am 26.06.2010
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF

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