Kurzsichtigkeit

Kurzsichtige haben Probleme damit, weit entfernte Gegenstände zu erkennen. Eine Kurzsichtigkeit (Myopie) lässt sich mit einer Brille, Kontaktlinsen oder aber mittels einer Operation (zum Beispiel mit Laser) beheben

aktualisiert am 25.03.2015

Kurzsichtig? Eine Brille hilft

Jupiter Images GmbH/Goodshot

nach obenÜberblick

Bei einer Kurzsichtigkeit (Myopie) fällt das Sehen in die Ferne schwer. Kurzsichtige sehen weiter entfernte Gegenstände undeutlich und verschwommen, während sie nahe Objekte problemlos erkennen können.

Der Grund dafür liegt darin, dass bei Kurzsichtigen die scharfe Abbildung weit entfernter Gegenstände vor der Netzhaut des Auges erfolgt. Auf der Netzhaut selbst hingegen entsteht ein verschwommenes Bild, das dann entsprechend an das Gehirn übermittelt wird. Dies kann verschiedene Ursachen haben: Oft ist der Augapfel zu lang, manchmal ist aber auch die Brechkraft des Systems Hornhaut-Glaskörper-Linse zu hoch (siehe Abschnitt Ursachen).


Die Brechkraft des Auges wird in der Maßeinheit Dioptrie (dpt) gemessen. Der Normalwert für ein gesundes Auge bei großer Entfernung beträgt etwa 60 bis 65 dpt. Bei Fehlsichtigkeiten weicht die Zahl von diesem Wert ab. Wie stark die Abweichung im Einzelfall ist, wird mit einem Plus bei Weitsichtigkeit, und einem Minus bei Kurzsichtigkeit (zum Beispiel -1,5 dpt) angegeben.

Eine Brille oder Kontaktlinsen sind die gängigsten Methoden, um eine Kurzsichtigkeit zu beheben. Alternativ kann die Kurzsichtigkeit auch mit einer Operation (zum Beispiel mit Laser) ausgeglichen werden.

Wer kurzsichtig ist, hat gegenüber Weitsichtigen einen Vorteil. Da sich das Auge mit zunehmendem Alter verändert, leiden viele Menschen im Verlauf der Zeit an der so genannten Alterssichtigkeit (Presbyopie). Diese entsteht aufgrund der nachlassenden Elastizität der Linse. Diese Veränderung wird bei Kurzsichtigen manchmal zum Teil ausgeglichen. Das bedeutet: Kurzsichtige müssen im Alter eher seltener als Weitsichtige eine Lesebrille tragen.


Was bei Kurzsichtigkeit im Auge passiert und wie die Brille korrigierend wirkt

W&B/Möhle Ulrike

nach obenUrsachen


Grundsätzlich gibt es zwei Ursachen für Kurzsichtigkeit: Entweder der Augapfel ist zu lang (Achsenmyopie) oder aber die Länge des Augapfels ist normal und die Brechkraft von Linse, Kammerwasser und Hornhaut im Verhältnis zu stark (Brechungsmyopie). Das Ergebnis ist in beiden Fällen dasselbe: Während bei Normalsichtigen der Brennpunkt, also der Ort an dem aus parallel einfallenden Strahlen ein scharfes Bild entsteht, in der Netzhaut liegt, befindet er sich bei Kurzsichtigen davor. In der Netzhautebene liegt eine unscharfe Abbildung vor, die im Gehirn dann auch so wahrgenommen wird. Häufiger ist die Achsenmyopie. Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für diese Form der Kurzsichtigkeit.

Einfache Myopie (Myopia simplex) oder benigne Myopie: Diese erblich bedingte Form der Kurzsichtigkeit beginnt in der Regel zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr. Auch wenn der Schulbesuch und die in dieser Zeit ausgeführten Tätigkeiten erwiesenermaßen keinen Einfluss auf die Kurzsichtigkeit haben, wird diese Form auch als "Schulmyopie" bezeichnet. Bei den meisten Betroffenen nimmt die Kurzsichtigkeit ab dem Alter von 25 Jahren nicht mehr weiter zu. Manchmal kann sie jedoch bis zum 30. Lebensjahr fortschreiten. Viele Betroffene erreichen dann einen Wert von -6 bis -8 Dioptrien.

Maligne Myopie (Myopia magna oder Myopia progressiva): Bei dieser Form von Kurzsichtigkeit kommt es unabhängig von äußeren Einflüssen zu einer Dehnung des Augapfels. Dadurch können die Netzhaut und die Aderhaut in Mitleidenschaft gezogen werden: Sie werden dünner und das Gewebe beginnt zu schwinden. Typisch für die Krankheit ist der sogenannte "Fuchs-Fleck", der durch Einblutungen und die nachfolgende Entwicklung einer pigmentierten Narbe im Bereich des gelben Flecks (Makula) entsteht. Bei einer malignen Myopie nimmt nicht nur die Sehschwäche stark zu, sondern es besteht auch ein erhöhtes Risiko, dass sich die Netzhaut ablöst (Ablatio retinae).


Kurzsichtigkeit: Fernes erscheint unscharf

Panthermedia/Yuri Arcurs

nach obenSymptome

Bei Kurzsichtigkeit erkennen die Betroffenen Gegenstände in der Ferne schlecht, wogegen sie in der Nähe einwandfrei sehen. Dementsprechend sind Tätigkeiten wie Lesen und Arbeiten am Bildschirm meist nicht beeinträchtigt. Folgende Beschwerden können auf Kurzsichtigkeit hinweisen:

  • Je weiter der Blick in die Ferne gerichtet wird, desto unschärfer erscheint alles
  • Gesichter und Personen werden erst spät erkannt
  • Probleme beim Lesen von Straßennamen und Hausnummern
  • In der Schule, Universität oder am Arbeitsplatz fällt auf, dass das Lesen von projizierten Texten schwer fällt
  • An Bäumen lassen sich keine einzelnen Blätter oder Äste erkennen
  • Beleuchtete Schilder oder andere Lichtquellen werden unscharf wahrgenommen
  • Kopfschmerzen, besonders bei und nach Tätigkeiten, welche eine scharfe Fernsicht nötig machen, wie zum Beispiel Autofahren

Wo ist der Ring offen? Ein Sehtest offenbart Defizite

W&B/Martina Ibelherr

nach obenFrüherkennung und Diagnose

Die Standard-Untersuchung bei Verdacht auf Kurzsichtigkeit ist die Prüfung des Sehvermögens durch einen Augenarzt oder Optiker. Vorsicht: Je nach Tageszeit, Beleuchtung und allgmeinem Wohlbefinden können die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen. Zur Anpassung einer Brille kann es daher hilfreich sein, die Werte mehrmals zu kontrollieren.


Bei einem Sehtest überprüft der Augenarzt oder Optiker wie gut eine Person in die Weite (Fernsehschärfe oder Fernvisus) und in die Nähe (Nahsehschärfe oder Nahvisus) sehen kann. Der Test auf Kurzsichtigkeit erfolgt mittels Sehtafeln in einem Abstand von fünf bis sechs Metern. Zunächst wird bei abgedecktem linken Auge das rechte Auge einmal ohne und einmal mit korrigierendem Glas geprüft. Anschließend wird nach demselben Schema das andere Auge getestet.

Stellt sich heraus, dass tatsächlich eine Kurzsichtigkeit vorliegt, ist es ratsam, sicherheitshalber einen Augenarzt aufzusuchen. Er kann ermitteln, ob andere Krankheiten oder Veränderungen des Auges vorliegen, die eventuell behandelt werden müssen. Weil Kurzsichtigkeit das Risiko für eine Netzhautablösung erhöht, ist es für die Betroffenen sinnvoll, ihre Augen in regelmäßigen Abständen (zum Beispiel alle zwei Jahre) von einem Augenarzt überprüfen zu lassen. Falls Sie kurzsichtig sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber ob und in welchen Abständen er Ihnen solche Kontrollen empfiehlt.

Bei der Bestimmung der Refraktion werden die Brechwerte des Auges gemessen. Bei der Refraktionsbestimmung stehen zwei Verfahren zur Auswahl, die nacheinander zur Ermittlung der notwendigen Werte für die Brille oder die Kontaktlinsen angewendet werden:

  • Bei der objektiven Refraktionsbestimmung wird automatisch mit vorschaltbaren Linsen das Bild so eingestellt, dass es dem Kurzsichtigen scharf erscheint. Die Werte, bei denen sich das scharfe Bild einstellt, sind der Ausgangswert für die nachfolgende subjektive Refraktionsbestimmung.
  • Bei der subjektiven Refraktionsbestimmung wird das Ergebnis der objektiven Refraktionsmessung abgestimmt auf den Einzelfall überprüft. Entscheidend ist jetzt der individuelle Seheindruck und damit der Korrekturwert, der den optimalen Sehkomfort ermöglicht. Der Kurzsichtige bestimmt selbst, mit welcher Linse er am besten sieht. Dieser Wert wird dann für die Korrektur verwendet.

Mit einer Brille lässt sich Kurzsichtigkeit korrigieren

Banana Stock/RYF

nach obenTherapie

Eine Kurzsichtigkeit kann durch das Tragen einer Brille oder durch Kontaktlinsen behoben beziehungsweise kompensiert werden. Eine Brille für Kurzsichtige enthält Zerstreuungslinsen mit einem negativen Brechwert. Sie verschieben den Punkt, an dem ferne Gegenstände scharf abgebildet werden, so dass er direkt in der Netzhautebene liegt.

Eine Augenoperation ist eine weitere Möglichkeit zur Korrektur von Kurzsichtigkeit. Insbesondere Personen, die keine Brille und Kontaktlinse tragen möchten oder können, interessieren sich für diese Therapiemöglichkeit. Obwohl sie keine Standardbehandlung darstellen, kommen immer häufiger Laser zur Korrektur der Kurzsichtigkeit zum Einsatz. Wie bei allen chirurgischen Maßnahmen, gibt es auch bei diesen Verfahren Operationsrisiken. So kann es durch den Eingriff zu Infektionen, Über- oder Unterkorrektur der Sehschwäche (das heißt ein vormals Kurzsichtiger wird nach dem Eingriff weitsichtig oder ein Rest der Kurzsichtigkeit bleibt zurück) sowie zu erhöhter Blendempfindlichkeit kommen.

Der heute überwiegend durchgeführte Lasereingriff zur Korrektur der Kurzsichtigkeit ist die sogenannte LASIK (Laser-Assistierte In Situ Keratomileusis). Wichtige Voraussetzungen dafür sind eine ausreichende Hornhautdicke und die Tatsache, dass sich die Sehstärke in den vergangenen Monaten nicht wesentlich verändert hat. Der Augenarzt muss vor dem Eingriff eine gründliche Untersuchung der Augen durchführen und den Patienten anschließend sorgfältig beraten und aufklären. Bei der LASIK-Operation löst der Operateur zunächst mit einem feinen Schneidwerkzeug oder seit einigen Jahren alternativ auch mit einem Laser eine hauchdünne Lamelle der Hornhaut, den sogenannten Flap, ab und klappt ihn wie einen Deckel um. Dann trägt er die Hornhaut darunter mit einem Laser ab. Anschließend wird der "Hornhautdeckel" wieder zurückgeklappt.

Bei der höhergradigen Kurzsichtigkeit und bei ungenügender Dicke der Hornhaut haben die Augenärzte heute die Möglichkeit, eine künstliche Linse in das Auge einzupflanzen (Intraokulare Contakt-Linse). Diese sogenannte ICL wird in der Augenhinterkammer, also vor die eigene Linse und hinter die Regenbogenhaut, platziert.

Während sich die ICL bei jüngeren Kurzsichtigen anbietet, kommt bei älteren auch eine normale Staroperation zur Korrektur in Betracht. Bei dieser Operation wird wie beim Altersstar die eigene Linse entfernt und die Kurzsichtigkeit mit der implantierten Kunstlinse ausgeglichen.

Bei allen operativen Methoden muss vorher geklärt werden, ob der Eingriff für den Patient überhaupt geeignet ist und welche Risiken damit möglicherweise verbunden sind. Darüber und über die sonst vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten muss der Arzt den Patienten informieren.


Bei Kurzsichtigkeit bitte nur mit Brille auf den Fahrersitz!

Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

nach obenWissenswertes

Die Korrektur der Kurzsichtigkeit ist eine wichtige Sache – gerade im Straßenverkehr. Ob Fußgänger, Fahrrad- oder Autofahrer – befindet sich eine Person mit eingeschränktem Sehvermögen im Verkehr, ist das Risiko möglicherweise tödlicher Unfällen deutlich erhöht. Deshalb müssen Führerscheinneulinge vor dem Erwerb der Fahrerlaubnis einen Sehtest absolvieren. Aber auch für älterer Verkehrsteilnehmer gilt: Lassen Sie sich gelegentlich testen! Zu Ihrer eigenen Sicherheit und für Ihre Mitmenschen!


Prof. Dr. med. Klaus G. Riedel

Unser Experte: Professor Dr. Klaus G. Riedel

W&B/Privat

nach obenBeratender Experte

Professor Dr. Klaus G. Riedel ist Facharzt für Augenheilkunde und war vom 1.10.1993 bis zum 31.12.2014 als Leitender Arzt an der Augenklinik Herzog Carl Theodor in München tätig. Seine Weiterbildung zum Augenarzt und seine Habilitation erfolgten an der Augenklinik der LMU München. Während seiner Facharztausbildung absolvierte er ein zweijähriges Forschungsstipendium an der Augenklinik der Harvard Universität in Boston. Professor Riedel ist Mitglied der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und dem Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Während seiner klinischen Zeit betreute er vor allem Patienten mit Grauem Star, mit Grünem Star und mit Erkrankungen der Netzhaut und der Augenlider. Sein operativer Schwerpunkt war die plastische und wiederherstellende Chirurgie der Augenlider.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY, Jupiter Images GmbH/Goodshot, W&B/Privat, W&B/Möhle Ulrike, Banana Stock/RYF, W&B/Martina Ibelherr, Panthermedia/Yuri Arcurs

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