Wie gefährlich ist Handystrahlung?

Handys sind unglaublich praktisch und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber die Geräte geben auch Strahlung ab. Kann sie uns krank machen?
von Gerlinde Gukelberger-Felix, 08.05.2017

Experten empfehlen: Handy weg vom Kopf, besser mit Headset telefonieren

istock / Pixelfit

Die Frage, ob Mobilfunkstrahlung langfristig das Krebsrisiko erhöht oder harmlos ist, beschäftigt viele Nutzer und hält auch Experten seit Jahren auf Trab. Wissenschaftlich ist die Frage bislang nicht geklärt. Es gab in der Vergangenheit Studien, die eine Risikoerhöhung zeigten und Studien, die keine feststellten. Die internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO, die IARC, ist 2011 nach einer zusammenfassenden Bewertung der bis dahin vorliegenden Studien zu dem Schluss gekommen, dass Hochfrequenzstrahlung "möglicherweise krebserregend" ist.

Unterschiedliche Bewertungen der Studienlage

"Grund für diese Einstufung waren hauptsächlich Bevölkerungsstudien, die zum Teil auf ein erhöhtes Risiko für die bösartige Hirntumorart Gliom und den gutartigen Hirntumor Akustikusneurinom bei intensiver Mobilfunktelefon- oder Handynutzung hingedeutet hatten", sagt die Biologin Dr. Sarah Drießen vom Forschungszentrum für elektromagnetische Umweltverträglichkeit an der RWTH Aachen.

Die Hinweise auf eine Risikoerhöhung aus den epidemiologischen Studien und auch aus tierexperimentellen Studien wurden laut Sarah Drießen von der IARC aber nur als begrenzt bewertet. Laborexperimente lieferten nur schwache Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen hochfrequenten elektromagnetischen Feldern und dem Entstehen von Krebserkrankungen. "Das Bundesamt für Strahlenschutz stellte fest, dass es aufgrund der Ergebnisse epidemiologischer Studien zur Handy-Nutzung bei Erwachsenen nach derzeitigem Stand kein erhöhtes Krebsrisiko gibt. Die Bewertung weicht somit von der Einstufung der IARC ab", sagt Drießen.

Welche Art von Strahlung geht von Handys aus?
Verwenden wir ein Smartphone - über das Mobilfunknetz oder WLAN - entstehen dabei hochfrequente elektromagnetische Felder (umgangssprachlich auch Mikrowellenstrahlung genannt). Diese Art der Strahlung ist im Gegensatz zu Röntgenstrahlen nicht ionisierend, kann also keine Atome oder Moleküle elektrisch aufladen. Somit sind diese Felder laut dem Bundesamt für Strahlenschutz auch nicht in der Lage, das Erbgut zu verändern und Krebs auszulösen. Bekannt ist dagegen, dass hochfrequente elektromagnetische Felder Gewebe erwärmen können. Deshalb sollten Männer zum Beispiel nicht dauerhaft das Handy in der Hosentasche haben. Die lokale Erwärmung kann unter Umständen den Hoden schaden.


Australische Studie entdeckt keinen Zusammenhang

Auch zwei Studien aus dem Jahr 2016 spiegeln die bestehende Unsicherheit wieder. Eine Analyse aus Australien fand keine erhöhten Krebszahlen in der Bevölkerung, obgleich die Zahl der Handynutzer seit der Einführung von mobilen Telefonen im Jahr 1987 rasant gestiegen ist, insbesondere in den letzten 10 bis 15 Jahren. Die Autoren schrieben im Fachblatt Cancer Epidemiology: "Wir fanden keine Zunahme bei der Häufigkeit von Gehirntumoren, die dem deutlichen Anstieg der Mobilfunk-Nutzung entsprochen hätte."

Die Forscher hatten sich hierfür das australische Krebsregister, genauer die Hirntumor-Diagnosen, angeschaut. Die Daten stammen aus der Zeit zwischen 1982 und 2012 und gehören zu fast 20.000 Männern und mehr als 14.000 Frauen im Alter von 20 und 84 Jahren. Ein Kritikpunkt an der Studie ist, dass die Forscher möglicherweise mit ihrer Analyse zu früh dran sind und der Häufigkeitsanstieg bei den Hirntumoren erst noch kommen könnte.

Eine von der US-Regierung initiierte und im Rahmen des National Toxicology Program (NTP) durchgeführte großangelegte Studie untersuchte die Wirkung von Mobilfunkstrahlung bei Ratten und Mäusen. Die Tiere wurden in verschiedene Gruppen eingeteilt und über einen längeren Zeitraum – bis zum Alter von zwei Jahren – hochfrequenter Strahlung ausgesetzt. Täglich wurden die Tiere 18 Stunden Strahlung verschiedener Stärke ausgesetzt – nach dem Rhythmus 10 Minuten bestrahlen, 10 Minuten Pause. Das entspricht etwa neun Stunden Ganzkörper-Mobilfunkstrahlung.

Tierstudie sieht leicht erhöhtes Risiko bei starker Strahlenbelastung

"Die Studie ist als solide einzustufen in Bezug auf Studiendesign, Planung und Ausführung", so Drießen. Die vorab veröffentlichten Ergebnisse zeigen ein leicht erhöhtes Risiko für ein Gliom im Gehirn und Schwannome (gutartige Nerventumore) im Herzen männlicher Ratten bei einer Strahlenexposition von sechs Watt pro Kilogramm Körpergewicht (W/kg). Das ist der SAR-Wert (Spezifische Absorptionsrate, W/kg), der angibt wie groß der im Körper tatsächlich ankommende Strahleneffekt ist. Daten zu möglichen anderen Tumorarten sowie zu den Effekten bei Mäusen sind bislang noch nicht veröffentlicht. Der für Menschen gültige Ganzkörpergrenzwert liegt bei 0,08 W/kg Körpergewicht, ist also wesentlich niedriger.

"Die im Tierversuch aufgetretenen Erhöhungen für ein Schwannom sind demzufolge bei Werten aufgetreten, die deutlich über dem SAR-Grenzwert für den Menschen liegen", sagt Drießen. Die Biologin Dr. Gunde Ziegelberger vom Bundesamt für Strahlenschutz in München-Neuherberg sagt: "Aus den Ergebnissen sind keine Konsequenzen für den Menschen und seinen Handy-Gebrauch ableitbar." Bei einer Teilkörperbestrahlung, wenn also nur eine Körperregion der Strahlung ausgesetzt ist, sei es zudem möglich, dass die lokal auftretende Wärme abtransportiert werde. "Der größte Schwachpunkt der Studie ist, dass die unbestrahlten männlichen Kontrollratten, die keine Veränderungen an Gehirn und Herz aufwiesen, überraschenderweise vor den bestrahlten Tieren verstarben. Warum, ist völlig ungeklärt", sagt Gunde Ziegelberger. Dadurch, dass in dieser Studie die bestrahlten Tiere älter wurden, konnten sich bei ihnen auch mehr Tumoren bilden.

Handystrahlung minimieren: Tipps

Eindeutig lässt sich die Frage, ob Handystrahlung das Risiko für Krebs erhöht, nach wie vor nicht beantworten. Mögliche Langzeitfolgen lassen sich mit dem heutigen Wissen nicht völlig ausschließen. Bislang wurden aber unterhalb der Grenzwerte keine schädlichen Effekte des Mobilfunks nachgewiesen.

Trotzdem ist es ratsam, sich so gut es geht zu schützen:

  • Handys oder Smartphones verwenden, die einen möglichst geringen SAR-Wert (Spezifische Absorptionsrate) haben. Je geringer dieser ist, desto strahlungsärmer ist ein Handy. Die Werte der verfügbaren Modelle finden Sie auf den Internet-Seiten des Bundesamtes für Strahlenschutz unter www.bfs.de/sar-werte-handy. In der Gebrauchsanleitung sollte der SAR-Wert ebenfalls angegeben sein. Hat ein Handy das Umweltsiegel "Blauer Engel", dann bedeutet dies, dass sein SAR-Wert unter 0,6 W/kg liegt.
  • Ein Headset nutzen, dann ist die Strahlenquelle weiter vom Kopf entfernt. Die Intensität der Felder nimmt mit der Entfernung von der Antenne schnell ab.
  • Telefonieren Sie möglichst nicht bei schlechtem Empfang. Je schlechter die Verbindung zur nächsten Basisstation ist, desto höher muss die Leistung sein, mit der das Handy sendet. Entsprechend hoch ist die Intensität des Hochfrequenzfeldes. Also besser versuchen, nicht in "Fast-Funklöchern" zu telefonieren.
  • Smartphones bieten außer der eigentlichen Telefonverbindung über die Basisstation auch noch die Verbindung über ein WLAN an und sind "Bluetooth"-fähig. Die Leistung der hierfür genutzten elektromagnetischen Wellen ist viel niedriger als beim Telefonieren mit dem Handy über die nächstgelegene Basisstation.

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