Vulvakarzinom

Zusammenfassung:
Krebs der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane wird auch Vulvakarzinom genannt. Krebs in diesem Teil des Körpers ist selten und tritt meist erst bei älteren Frauen auf.
Ständiges Jucken im Genitalbereich und Flecken, die sich auf der Schleimhaut bilden, sind die ersten Anzeichen der Erkrankung. Durch Vorsorgeuntersuchungen können Veränderungen schon in einem frühen Stadium entdeckt werden.
Die Behandlung erfolgt in der Regel durch chirurgische Maßnahmen. Die Heilungschancen sind gut. Kann nicht operiert werden, kann eine Strahlentherapie als Alternative zur Operation durchgeführt werden.

 



Krebs der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane, überwiegend an den großen, äußeren Schamlippen, wird auch Vulvakarzinom genannt. Er tritt nur sehr selten auf. Ein Tumor kann aber auch an den die kleinen inneren Schamlippen und an der Klitoris entstehen. Er ist nur für rund ein bis zwei Prozent aller bösartigen Erkrankung bei Frauen im Genitalbereich verantwortlich
Im deutschen Sprachraum erkranken zwischen einer und drei von 100.000 Frauen pro Jahr an dieser Krankheit. Die Erkrankung tritt am häufigsten zwischen dem 65. und 75. Lebensjahr auf, vor dem 40. Lebensjahr ist er selten.
Diese Krebsart tritt seit Jahren unverändert oft auf. Allerdings rechnet man mit einer Zunahme, da viele Frauen immer älter werden.

Ursachen

Krebszellen entstehen auch beim gesunden Menschen dauernd. Üblicherweise sterben sie von selbst ab oder werden vom Abwehrsystem unschädlich gemacht. Dabei spielt der so genannte programmierte Zelltod (Apoptose) - ein Schutzmechanismus, der entartete Zellen zum "Selbstmord" auffordert - eine zentrale Rolle. Warum es manche Krebszellen schaffen, trotzdem am Leben zu bleiben und sich auch ungestört zu vermehren, ist nicht ganz geklärt. Sicher ist, dass es nie eine einzige Ursache allein ist, die zu einer Krebserkrankung führt, sondern dass mehrere Faktoren sehr komplex zusammenwirken müssen, um Krebs auszulösen.

Beim Entstehen des Vulvakarzinoms spielt eine Reihe von Faktoren eine Rolle.
Ständiger Juckreiz und dadurch gehäuftes Kratzen im Genitalbereich
Frauen, die häufig Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern haben, sind gefährdet. Der Grund dafür dürften öfter auftretende Infektionen sein.
Rauchen begünstigt die Entstehung der Krankheit ebenfalls, da sich krebserregende Stoffe in der Schleimhaut der Scheide ansammeln können.
Häufige Verwendung von Vaginallotionen und von Intimsprays fördert das Auftreten des Krebses.
Auch mangelnde Hygiene im Intimbereich wirkt sich negativ aus.

Begünstigende Krankheiten
Veränderungen der Schleimhaut der Vulva, die intraepitheliale Neoplasie (VIN), können erste Anzeichen einer Erkrankung sein. Sie treten vor allem zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf werden als Krebsvorstufe angesehen.
Möglicherweise spielen ständige Entzündungen im Genitalbereich eine Rolle bei der Entstehung der Krankheit.
Eine Infektion mit einem so genannten Papillomavirus dürfte das Risiko erhöhen. Ein Zusammenhang ist jedoch noch nicht sicher nachgewiesen, obwohl bei etwa einem Drittel aller Patientinnen die Erbsubstanz (Gene) des Virus in den Tumorzellen gefunden werden.
Herpesinfektionen erhöhen das Risiko einer Erkrankung.
Nach einer Transplantation ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass diese Krankheit ausbricht. Der Grund dafür sind die Medikamente, die die Abwehr des Immunsystem gegen das neue Organ unterdrücken.

Vorbeugung
Vorbeugung ist in eingeschränktem Maß möglich.
Wichtig ist eine gute Hygiene beider Geschlechtspartner. Dadurch lassen sich zahlreiche Infektionen vermeiden. Eine Beschneidung der Vorhaut wirkt sich günstig aus, da sich weniger Keime festsetzen können.

Früherkennung
Die Früherkennung eines Vulvakarzinoms ist leicht, wenn Frauen sich regelmäßig durch Tasten und mit dem Spiegel untersuchen. Bei ständigem Juckreiz und Brennen im Genitalbereich ist es wichtig, bald zum Arzt zugehen.

Selbstuntersuchung
Das wichtigste vorsorgende Mittel ist der Handspiegel, mit dem die Frau ihre eigene Genitalregion betrachtet, insbesondere wenn Beschwerden vorhanden sind.
Bei der Selbstuntersuchung sollte darauf geachtet werden, dass auch die inneren Schamlippen, der Damm und die Region um den Kitzler genau auf Veränderungen untersucht und abgetastet werden. Diese können an Hand von Flecken oder Knoten erkannt werden. Bei sicht- oder tastbaren Veränderungen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Vorsorgeuntersuchungen
Spezielle Vorsorgeuntersuchungen für Krebs an den äußeren weiblichen Geschlechtsorganen gibt es nicht. Er kann und wird aber mit den gleichen Untersuchungsmethoden gefunden, die auch bei der Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge angewendet werden. Vor allem ab dem 35. Lebensjahr sollten Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen werden.
Durch Vorsorgeuntersuchungen kann Krebs in einem frühen Stadium entdeckt werden. Dadurch erhöhen sich die Heilungschancen beträchtlich. Vorsorgeuntersuchungen können jedoch keinen Krebs verhindern.
Es ist wichtig, regelmäßig zum Frauenarzt zu gehen. Er untersucht die äußeren Geschlechtsorgane auf Veränderungen.
Selbst wenn bei dieser Untersuchung Veränderungen entdeckt wurden, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es sich dabei um Krebs handelt. Auch andere Erkrankungen bewirken solche Veränderungen.

Beschwerden

Vulvakrebs verursacht je nach Stadium der Erkrankung unterschiedliche Beschwerden.

Anfangs treten folgende Beschwerden auf:
Verdauungsstörungen
Nicht wegwischbare Flecken auf der Schleimhaut (Leukoplakie),
Rundliche, feucht glänzende, dunkelrote, etwas erhabene Bereiche, die bis zu Münzengröße erreichen können (Erythroplakie)
ein unangenehmer Geruch
Ausfluss
Blutungen

Später auftretende Beschwerden sind:
das Gefühl, einen Fremdkörper im Genitalbereich zu haben
Probleme beim Wasserlassen
Anschwellen der Beine
unerklärliche Gewichtsabnahme
Abnahme der Leistungsfähigkeit

Wenn diese Beschwerden auftreten, muss es sich nicht um Krebs handeln. Sie treten auch bei einigen anderen Krankheiten wie Entzündungen oder gutartigen Geschwülsten auf.
Bis das endgültige Ergebnis einer vollständigen Diagnose vorliegt, ergibt sich eine für die Patientin schwierige Situation. Von vielen Patientinnen wird diese Zeit als die schwierigste empfunden. Gespräche mit Angehörigen, Freunden oder dem behandelnden Arzt können helfen, die Situation leichter zu bewältigen. Unter Umständen ist es sinnvoll, professionelle psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Ob Krebs vorliegt kann meist innerhalb weniger Tage abgeklärt werden.

Diagnose

Die genaue Diagnose zur Feststellung der Lage und Ausbreitung des Tumor sowie des Stadiums ist entscheidend für die Wahl der richtigen Behandlung.
Untersuchungen sollten von einem darauf spezialisierten Arzt durchgeführt werden.
Folgende Untersuchungen geben Aufschluss über das Stadium der Erkrankung. Allerdings werden nicht alle diese Untersuchungen durchgeführt, manche sind nur notwendig, wenn bestimmte Fragen, die für die Behandlung wichtig sind, beantwortet werden müssen.
Bei einer ersten Untersuchung fragt der Arzt nach dem bisherigen Beschwerden und auch nach der Krankengeschichte. Die wichtigste Untersuchung ist die Untersuchung der äußeren Geschlechtsorgane, ergänzend wird Unterbauch abgetastet und die Scheide ausgetastet. Außerdem prüft der Arzt die Lymphknoten in der Leistengegend auf eine Vergrößerung.
Zusätzlich wird die Scheide und der Gebärmutterhals mit einer Lupe untersucht (Kolposkopie). Ist eine Veränderung sichtbar, wird ein Abstrich gemacht. Die entnommenen Zellen werden unter dem Mikroskop untersucht.
Um sicher festzustellen ob die Veränderung bösartig ist, erfolgt eine Gewebeentnahme (Biopsie). Die entnommenen Proben werden dann im Labor von einem Pathologen untersucht. Dadurch kann festgestellt werden, ob die entnommenen Zellen gutartig oder bösartig sind.
Durch eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs können eventuelle Metastasen in der Lunge entdeckt werden. Sie wird bei fortgeschrittenen Stadien gemacht, um das genaue Stadium der Erkrankung zu bestimmen.
Eine Nierenabflussuntersuchung wird mittels Ultraschall gemacht, um festzustellen wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat. Das ist wichtig, um das genaue Stadium der Erkrankung zu ermitteln. Sie dient damit der Vorbereitung einer Operation. Die Untersuchung selbst zeigt, ob der Tumor soweit gewachsen ist, dass der Harnleiter zusammengedrückt wird, oder ob er schon vom Tumor befallen wurde.
Eine Endoskopie der Blase (Zystoskopie) wird gemacht, um festzustellen, ob der Tumor in die Blase eingedrungen ist. Sie dient damit der Vorbereitung einer Operation.
Eine Endoskopie des Mastdarms (Rektoskopie) wird gemacht, um festzustellen, ob der Tumor in den Mastdarm eingedrungen. Sie dient damit der Vorbereitung einer Operation.
Eine Computertomografie (CT) des Beckens wird bei Patientinnen gemacht um die Ausbreitung des Tumors und die Lymphknoten zu untersuchen.
Zur Untersuchung der Lymphknoten wird selten eine Lymphografie gemacht.
Eine Blutuntersuchung (labormedizinische Untersuchung ), dient vor allem zur Untersuchung des Gesundheitszustandes vor einer Operation.
Eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs wird gemacht um festzustellen, ob sich Metastasen in der Leber befinden. Sie wird in fortgeschrittenen Stadien gemacht.

Ergebnisse der Untersuchungen
Der Tumor wird zu etwa 40 bis 60 Prozent an den Innenseiten der großen und bei etwa jeder fünften Patientin an den kleinen Schamlippen gefunden. An der Klitoris entsteht der Tumor bei etwa jeder zehnten Patientin.
Oft hat sich der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose schon weit ausgedehnt. Bei zehn Prozent aller Tumoren kann nicht einmal mehr der genaue Entstehungsort bestimmt werden. Es können auch an mehreren Stellen Tumoren gefunden werden.
Die Tumorzellen breiten sich meist über die Lymphbahnen in nahe Lymphknoten aus. Oder sie werden vom Blut mit geschwemmt und setzen sich dann in feinen Gefäßen der Leber, Lunge und Knochen fest, wo sie wachsen und Metastasen entstehen. Das passiert aber meist erst in späten Stadien.

Stadien beim Vulvakarzinom
Nachdem die vollständige Diagnose durchgeführt wurde, steht das Stadium der Krebserkrankung fest. Oft kann dieses erst nach einer Operation bestimmt werden, wenn entnommene Lymphknoten durch einen Pathologen untersucht worden sind.
Die Stadien beim Vulvakarzinom werden nach der internationalen FIGO-Klassifikation eingeteilt. Diese richtet sich vor allem danach, wie tief der Tumor in das Organ eingedrungen ist.

Behandlung

Die Wahl der Behandlungsmethoden hängt vom Krebsstadium, von der Lage des Tumors, dem Gesundheitszustand der Patientin und weiteren individuellen Faktoren ab. Nach dem die Diagnose vorliegt, schlägt der Arzt die individuell angepasste Behandlung vor. Die Auswirkungen der jeweiligen Behandlungsmethoden sind unterschiedlich, daher ist es wichtig, eine zweite ärztliche Meinung über die weitere Vorgehensweise einzuholen.
Die Standardtherapie bei diesem Krebs ist die Operation, die individuell auf die Patientin abgestimmt werden muss, um die Beeinträchtigung möglichst gering zu halten.
Zusätzlich können verschiedene Verfahren zur Linderung von Beschwerden angewendet werden.

Heilungschancen
Grundsätzlich gilt: Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Die Heilungschancen bei diesem Krebs sind gut. Sie hängen neben dem Stadium vor allem davon ab, ob die Lymphknoten von Tumorzellen befallen sind. Auch die Größe des Tumors und ob der Tumor an mehreren Stellen gleichzeitig entstanden ist, beeinflusst die Heilungschancen.

Stadium 0: Krebs kann in diesem Stadium fast immer geheilt werden. Die Lebenserwartung der behandelten Patientinnen unterscheidet sich nicht von der von Scheidenkrebs nicht betroffenen Frauen.

Stadium 1: Im Stadium 1 liegen die Heilungschancen bei etwa 90 Prozent.

Stadium 2: Im Stadium 2 können über drei Viertel aller Patientinnen geheilt werden.

Stadium 3: Ungefähr die Hälfte der Patientinnen mit Krebs in diesem Stadium werden geheilt.

Stadium 4: Im Stadium 4 kann nur jede fünfte Frau mit einer Heilung rechnen.

15 bis 40 Prozent aller Patientinnen müssen aber damit rechnen noch einmal an Krebs zu erkranken. Der zweite Tumor entsteht meist nahe der Stelle, wo der Tumor das erste Mal aufgetreten ist. Bei etwa der Hälfte aller Patientinnen kann der Krebs durch eine Operation oder eine Strahlentherapie erneut besiegt werden. Ist der Tumor an einer andern Stelle entstanden, stehen die Heilungsaussichten dagegen schlecht.

Chirurgische Maßnahmen
Eine Operation ist die Standardbehandlung. Es wird versucht, die äußeren Geschlechtsorgane, die Vulva, möglichst weitgehend zu erhalten.

Stadium 1A:
Bei Krebs in diesem frühen Stadium ist eine kleine Operation ausreichend. Bei dem Eingriff wird der Tumor entfernt, in dem etwa ein Zentimeter rund um den Tumor herum das Gewebe herausgeschnitten wird. Die Operation wird individuell geplant, damit ein möglichst großer Teil der Vulva erhalten bleibt. Weil es nicht notwendig ist, die Lymphknoten zu entfernen, ist die Belastung durch die Operation für die Patientin relativ gering.

Stadium 1B und 2:
Die Therapie der Wahl ist eine Entfernung des vom Tumor befallenen Gebietes. Meist ist eine vollständige Entfernung der äußeren Geschlechtsorgane notwendig. Zusätzlich werden Lymphknoten entfernt. Bei der heute eingesetzten Operationstechnik, der so genannten Triple-Incision, werden sie durch Schnitte in der Leistengegend entnommen. Dadurch kommt es zu wesentlich weniger Komplikationen als bei älteren Techniken.
Bei Krebs im Stadium 2 und wenn mehr als ein Tumor gefunden worden ist, ist die Triple Incision die Standardvorgehensweise.
Ist der Tumor noch im Stadium 1B und sind die Lymphknoten nicht von Tumorzellen befallen, reicht möglicherweise auch eine teilweise Entfernung der äußeren Geschlechtsorgane oder eine Vorgehensweise wie bei Stadium 1A aus.

Stadium 3:
Die Therapie der Wahl ist eine Entfernung des vom Tumor befallenen Gebietes. Meist ist eine vollständige Entfernung der äußeren Geschlechtsorgane und von Teilen der darüber hinaus betroffenen Organe notwendig. Möglicherweise muss ein großer Bereich entfernt werden. Da Komplikationen dann viel häufiger sind, ist es empfehlenswert, vor dem Eingriff eine zweite ärztliche Meinung darüber einzuholen, ob die Operation nicht doch in Triple Incision Technik möglich ist.
Wenn der Tumor auch andere Organe wie Harnröhre, Vagina oder After befallen hat, müssen sie ebenfalls entfernt werden.
Die Scheide kann nach dem Eingriff wieder hergestellt werden. Dabei können verschiedene Techniken zum Einsatz kommen. Sie werden individuell an die Patientin angepasst. Als Ersatz kommt vor allem körpereigenes Gewebe wie etwa ein Teil des Dickdarms oder des Mastdarms in Frage. Es kann aber auch Haut - meist vom Oberschenkel - entnommen und so geformt werden, dass sie als Scheidenersatz dienen kann. Wenn die Rekonstruktion möglich ist, wird sie auf Wunsch der Patientin durchgeführt.
Sind Tumorzellen in den Lymphknoten der Leisten gefunden worden, wird versucht, sie durch eine Strahlenbehandlung zu zerstören.

Stadium 4A:
In diesem Stadium ist der Tumor schon sehr groß und hat meist schon die Scheide, die Harnblase oder den Mastdarm befallen. Eine sehr große Operation mit der vollständigen Entfernung der Scheide, der Harnblase oder des Mastdarms ist möglich. Das Operationsrisiko ist aber vor allem für ältere Patientinnen groß. Daher ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung wichtig. Als Alternative steht eine Kombination von Strahlentherapie und Chemotherapie zur Verfügung.

Die Wahl der Betäubung
Für die Operation ist eine Vollnarkose notwendig.
Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden beträchtlich.

Risiken und Komplikationen
Wenn es der Kreislauf zulässt, kann die Patientin schon am Tag der Operation wieder aufstehen.
Nach der Operation kann es zu einem Aufbrechen der Wunden kommen. Wurde die Operation in Triple-Incision-Technik durchgeführt, kommt das nur bei etwa drei Prozent aller Patientinnen vor. Bei der herkömmlichen Vulvaentfernung ist das bei über einem Viertel der Fall.
Viele Patientinnen haben nach der Operation Probleme beim Wasserlassen. Diese reichen von Inkontinenz und einer gestörten Sensibilität der Blase bis zu Schmerzen beim Urinieren. Je umfangreicher die Operation war, desto wahrscheinlicher sind solche Probleme.
Infektionen und Entzündungen des operierten Gebiets sind häufig.
Bei etwa jeder zehnten Frau kommt es zu Wasseransammlungen in einem oder beiden Beinen (Beinödeme) - dadurch schwellen sie stark an.
Zudem kann es zu Verwachsungen der Scheide kommen, die Folge sind oft sexuelle Probleme.
In für diese Operationen spezialisierten Kliniken ist die Komplikationsrate niedrig und die Sterblichkeitsrate gering. Daher ist es wichtig, eine geeignete Klinik aufzusuchen.

Nach der Operation
Wenn es der Kreislauf zulässt, kann die Patientin schon am Tag der Operation wieder aufstehen.
Da durch die Operation eine große innere Wunde entstanden ist, muss das Wundsekret mit einem Drainageschlauch abgeführt werden. Dieser wird nach einigen Tag entfernt. Etwa einen Tag lang ist ein Blasenkatheter notwendig, weil die Blase durch die Operation meist irritiert ist und viele Patientinnen dadurch Probleme beim Wasserlassen haben.
An den ersten beiden Tagen nach der Operation darf meist nichts gegessen, aber Tee getrunken werden. Dann folgt Suppe, später passierte Nahrung, dann Schonkost. Je nach Befinden der Patientin kann sie meist ab dem vierten bis sechsten Tag wieder normal essen.
Der Krankenhausaufenthalt dauert je nach Größe der Operation, dem Alter, aber auch abhängig von der körperlichen Verfassung bis zu drei Wochen.
Während dieser Zeit ist es wichtig mit ersten Rehabilitationsmaßnahmen wie einer Beckenbodengymnastik zu beginnen.

Strahlentherapie nach der Operation
Das Ziel einer Strahlentherapie nach der Operation ist, verbliebene Krebszellen zu zerstören und damit das erneute Auftreten des Krebses zu verhindern.
Sie wird oft durchgeführt, wenn bei der Operation der Tumor zwar vollständig entfernt werden konnte, aber in mehr als zwei Lymphknoten Tumorzellen gefunden wurden. Außerdem wird sie gemacht, wenn Lymphknoten in der Leistengegend befallen waren.
Konnte der Tumor nicht vollständig entfernt werden, wird eine Strahlentherapie immer durchgeführt, um die verbliebenen Krebszellen zu zerstören. Sinnvoll scheint es, die Strahlentherapie mit einer Chemotherapie simultan zu kombinieren.
Nach der Bestrahlung der Lymphknoten besteht jedoch für jede fünfte Frau die Gefahr von Wasseransammlungen in den Beinen (Beinödeme).

Strahlentherapie als Alternative zur Operation
Die Strahlentherapie wird in den letzten Jahren häufiger als früher gemacht. Der Grund für die Zurückhaltung beim Einsatz war, dass die gesunden Teile der Vulva stark unter der Behandlung leiden.
Bei Patientinnen, die nicht operiert werden können oder die nicht operiert werden wollen, bietet sie aber die Chance auf Heilung. Die Aufteilung der gesamten Bestrahlungsdosis auf möglichst niedrige Dosen pro Bestrahlungstermin ist wichtig, um die Nebenwirkungen gering zu halten.
Eine Kombination mit einer Chemotherapie wird angestrebt um eine bessere Wirkung zu erzielen.

Risiken und Komplikationen
Bei vielen Patientinnen fängt die Haut zu nässen an und es bilden sich Schuppen. Meist heilen diese Stellen innerhalb von zwei Wochen. Trotzdem kann es sein, dass die Therapie für eine gewisse Zeit unterbrochen werden muss, damit sich der Körper wieder erholen kann.
Selten kommt es zur Bildung von Verbindungen (Fisteln), wie etwa zwischen Scheide und Harnröhre oder Scheide und Mastdarm. Sie können durch chirurgische Eingriffe beseitigt werden.
Auch Inkontinenz ist kann selten eine die Folge der Behandlung sein, weil die Blase oder die Harnleiter auch auf Dauer geschädigt werden können.
Außerdem können in sehr seltenen Fällen Teile des Oberschenkelkopfs absterben. Dadurch können Bewegungseinschränkungen entstehen, in besonders schlimmen Fällen kann aber auch eine Prothese notwendig werden.

Palliative Maßnahmen bei nicht heilbarem Krebs
Kann der Tumor nicht durch eine Operation entfernt oder durch eine Strahlenbehandlung zerstört werden, kommt es durch das Wachstum und durch die Bildung von Metastasen zu erheblichen Beschwerden. Diese können aber ganz oder zum Großteil beseitigt werden. Die folgenden Therapien können bei Krebs in diesen Stadien durchgeführt werden.

Chirurgische Maßnahmen
Bei einem erneuten Auftreten eines Tumors an der Vulva kann dieser durch eine Operation entfernt werden. Durch eine Operation kann bei mehr als der Hälfte aller Patientinnen eine Heilung erreicht werden.

Strahlentherapie
Kann bei einem erneuten lokalen Auftreten nicht operiert werden, ist eine Strahlentherapie eine Alternative zur Operation. Bei der Behandlung sollte eine äußere Bestrahlung mit einer interstitiellen kombiniert eingesetzt werden. Die Strahlentherapie kann mit einer Chemotherapie kombiniert werden.

Chemotherapie
Die Chemotherapie ist Mittel der Wahl, wenn Metastasen Beschwerden verursachen oder der Tumor weit fortgeschritten ist.
Eine Standardtherapie gibt es nicht. Zur Behandlung werden Zytostatika eingesetzt. Die wirksamsten Medikamente sind Flourouracil und Platinverbindungen wie Cisplatin oder Carboplatin, sowie Anthrazykline wie Bleomycin oder Mitomycin und Taxane wie Paclitaxel.
Die Nebenwirkungen sind manchmal stark und können die Lebensqualität beeinträchtigen.

Nebenwirkungen:
Bestimmte Nebenwirkungen der Chemotherapie, wie Übelkeit und Erbrechen, können durch Antiemetika verringert oder gar beseitigt werden.
Weiters empfiehlt sich eine sorgfältige Ernährungsberatung für die geeignete Ernährung bei Krebs.

Ergänzende Maßnahmen
Komplementärmedizinische Verfahren können helfen, die Lebensqualität zu verbessern oder die Nebenwirkungen der Standardtherapie zu reduzieren.
Die Akupunktur kann Schmerzen lindern und die oft durch die Chemotherapie verursachte Übelkeit und das Erbrechen verringern, Entspannungstechniken können Muskelverspannungen lösen, Angst und Hoffnungslosigkeit reduzieren. Autogenes Training zusammen mit Hypnose verringert die Nebenwirkungen der Chemotherapie. Außerdem kann die Patientin durch diese Verfahren lernen, ihre Schmerzen zu kontrollieren und auch selbst zu lindern.
Die Misteltherapie kann bei einer Chemotherapie als Ergänzung hilfreich sein.
Biofeedback kann Schmerzen, Schlafstörungen, Nervosität und Angst, die durch die Erkrankung entstanden sind, lindern.
Günstig auf die Heilung wirkt sich eine vollwertige Ernährung bei Krebs aus. Jede Art von Fasten dagegen ist bei einer Krebserkrankung gefährlich, da das zu einer Schwächung des Immunsystems führt.
Eine Beratung durch einen Psychoonkologen oder einen speziell ausgebildeten Psychologen kann helfen, das seelische Gleichgewicht wieder zu finden.
Physikalische Medizin kann die Durchblutung fördern, Entspannung bringen und die Regulierung des Lymphsystems nach der Operation deutlich beschleunigen.
Krebsschmerztherapie kann Schmerzen deutlich lindern.

Rehabilitation
Ob es für die Patientin Vorteilhaft ist, nach der Behandlung eine Rehabilitationsklinik aufzusuchen, hängt von ihrer Situation ab. Viele Patientinnen sehnen sich danach, wieder in den Kreis der Familie zurückzukehren, andere ziehen den Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik vor. Aber auch ambulante Rehabilitationsmaßnahmen sind möglich.
Ziel von Rehabilitationsmaßnahmen nach der Behandlung ist es, der Patientin wieder die Teilname am Berufs-, Familien- und Sozialleben zu ermöglichen.
Je nach Alter der Patientin und Schwere der Erkrankung bzw. der Krankheitsfolgen liegt der Schwerpunkt auf einer Wiedereingliederung in das Berufsleben oder auf einer Förderung sozialer Kontakte.
Durch Rehabilitationsmaßnahmen kann die Patientin lernen, ihr Leben an die neue Situation anzupassen, mögliche Beschwerden zu lindern und mit Problemen richtig umzugehen.
Eine gute Rehabilitation kann erfolgreich Schmerzen bekämpfen, die Lebensmöglichkeiten durch spezielles Training verbessern und neue Lebenserfahrungen ermöglichen. Auf die Patientin abgestimmte Übungen lassen diese wieder an Körperkraft gewinnen, tragen aber auch dazu bei, das Selbstbewusstsein zu steigern. Dadurch kann Mobilität und Selbständigkeit erreicht werden, wodurch weniger Pflege nötig wird. Bevorzugt wird die aktive Bewegungstherapie, aber auch passive Behandlungen sind möglich.
Durch eine spezielle Beckenbodengymnastik kann man eine Blasenschwäche oder eine Schwäche des Afterschließmuskels in den Griff bekommen. Allerdings dauert es einige Zeit, bis der Schließmuskel wieder richtig arbeitet. Für die Übergangszeit kann die Patientin auf eine Reihe von Hilfsmittel zurückgreifen.

Probleme nach der Behandlung
Oft treten auch nach einer erfolgreichen Behandlung zahlreiche Probleme auf. Sie können oft durch verschiedene Maßnamen gemildert werden, gelegentlich ist es aber unumgänglich, mit dem Problem leben zu lernen.
Schmerzen, die durch Verwachsungen entstehen, können durch eine geeignete Schmerzbehandlung behandelt werden.
Häufig tritt nach der Behandlung Inkontinenz auf. Durch Beckenbodengymnastik können die Schließmuskeln wieder gekräftigt und die unfreiwillige Ausscheidung von Stuhl oder Harn gestoppt werden. Da die Muskeln einige Zeit benötigen, bis sie wieder voll arbeiten, werden in der Zwischenzeit Hilfsmittel benötigt.
Selten entstehen durch die Entfernung der Lymphknoten in der Folge Lymphödeme. Dabei schwellen die Beine stark an. Eine Lymphdrainage hilft in diese Situation.

Leben mit der Krankheit

Auch nach einer erfolgreichen Behandlung des Vulvakrebses bleibt die Patientin in einer schwierigen Situation. Spätestens jetzt ist es wichtig, sich mit der Tatsache auseinander zu setzen, dass das Leben nun einen anderen als den früher gewohnten Gang nehmen wird.
Viele Frauen leiden nach der Behandlung unter seelischen Problemen.
Rund die Hälfte aller Frauen hat Angst vor einem neuerlichen Auftreten des Krebses. Oft entstehen dadurch Schlafstörungen. Es ist wichtig diese Ängste anzunehmen und sie in eine positive Richtung zu lenken. Dabei ist oft professionelle Hilfe notwendig. Bei etwa jeder zehnten Patientin treten im Laufe der Zeit Depressionen auf. Sowohl für die Patientin als auch für nahestehende Personen ist wichtig mit einer solchen Situation zu rechnen, sich ihr zu stellen und Hilfe zu suchen. Gespräche mit Angehörigen, Freunden oder auch einem geschulten Therapeuten können helfen, die Situation leichter zu bewältigen.
Aber auch die geringere Leistungsfähigkeit macht vielen Frauen Probleme und führt oft zu Anspannung und Nervosität. Durch Sport kann ein Teil der Kräfte wieder zurückgewonnen werden.

Sexuelle Probleme
Da bei der Operation ein umfangreicher Eingriff im Genitalbereich erforderlich ist, haben viele Patientinnen danach Probleme mit ihrer Weiblichkeit. Rund ein Drittel leidet unter dieser Situation so stark, dass das sexuelle Interesse fast ganz erlischt. Oft wird das aber sogar unter "Leidensgenossinnen" verschwiegen - "darüber spricht man doch nicht". Gerade in der Beziehung mit dem Partner ist es aber wichtig offen über das Problem zu reden. Viel Geduld und Verständnis sind auf beiden Seiten notwendig. Kränkungen oder unbedachte Äußerungen des Partners verschlimmern das angeschlagene Selbstwertgefühl in dieser Situation eher, als dass sie zu einer Lösung beitragen. Das Gespräch mit dem behandelnden Arzt, oder mit einem Psychoonkologen können dagegen sehr hilfreich sein.
Es ist aber wichtig, nach und nach die sexuelle Beziehung zum Partner wieder aufzunehmen. Mehr als die Hälfte aller Frauen hat erst nach einem halben Jahr zum ersten Mal wieder Geschlechtsverkehr, ein Fünftel erst nach einem Jahr. Die lange Verzögerung begünstigt das Verkleben von Teilen der Scheide und führt zu einer gesteigerten Erwartungshaltung beider Partner. Um mit dem Geschlechtsverkehr früher wieder beginnen zu können, sind möglicherweise Hilfsmittel notwendig. Das kann die Gabe von Östrogenen, die die Scheidenhaut feucht machen, aber auch die Anwendung von Gleitmitteln sein. Oft fühlt "es" sich auch nicht mehr so an wie früher und es dauert eine Zeit, bis die volle Genussfähigkeit wiederhergestellt ist. Für die weitaus meisten Frauen ist jedoch ein erfülltes Sexualleben möglich.

Isolation vermeiden
Da die Behandlung von Vulvakrebs seelisch sehr belastend ist, ziehen sich viele Frauen bewusst oder unbewusst in sich zurück. Es ist wichtig, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und die Kontakte in dieser Zeit auch mit nicht betroffenen Menschen aufrecht zu erhalten.
War die Frau vor der Erkrankung berufstätig, ist es nach Abschluss der Behandlung bisweilen nicht mehr möglich, weiter im früheren Beruf tätig zu bleiben. Vor allem körperlich belastende Tätigkeiten und das Arbeiten in heißen Räumen sind für die meisten Patientinnen nicht mehr zumutbar. Durch Anpassungen des Arbeitsplatzes kann jedoch in vielen körperlich nicht belastenden Berufen die Arbeit wieder aufgenommen werden. Eine einfache Maßnahme kann schon ein kurzer Weg zur Toilette sein.
Sollte es nicht möglich sein, den Beruf wieder auszuüben, ist es dennoch wichtig, dass die Patientin einen Teil ihres früheren Alltags aufrecht erhält, um Selbstwertgefühl und soziale Kontakte zu behalten.

Die Schmerzen besiegen
Kann der Krebs nicht besiegt werden entstehen durch das Tumorwachstum und durch das Wachstum der Metastasen meist Schmerzen. Doch nur selten sind die Schmerzen stärker als jedes Medikament - eine gut ausgewogene Krebsschmerztherapie kann da viel ausrichten, ohne zusätzlichen Schaden anzurichten.
Physikalische Medizin und eine Massagetherapie können die Beschwerden ebenfalls lindern.

Betreuung zu Hause
Ist eine Heilung von der Krankheit nicht möglich, wünschen sich viele Erkrankte eine Betreuung und Pflege in den eigenen vier Wänden.
Ihnen stehen finanzielle Leistungen und fachliche Unterstützung zu (Pflegeversicherung ). Wenn die persönlichen Voraussetzungen für die häusliche Pflege stimmen, ermöglicht die Zusammenarbeit mit einem ambulanten Pflegedienst eine optimale pflegerische Betreuung auch außerhalb der Klinik. Wer für eine gute Organisation der Pflege sorgt und sich das nötige Wissen über die Pflegepraxis aneignet, kann die Belastungen in Grenzen halten. Dazu trägt auch eine individuelle Anpassung der Wohnung bei.

Nachuntersuchungen
Nachuntersuchungen sind bei einem Krebs an den äußeren Geschlechtsorganen sehr wichtig. Sie dienen einerseits der Entdeckung eines neuerlichen auftretenden Tumors, andererseits können die Nebenwirkungen der Behandlungen durch sie erkannt und gemildert werden.
In den ersten drei Jahren nach der Behandlung ist das Risiko, dass der Krebs erneut entsteht, am größten. Daher sind in diesem Zeitraum die Nachuntersuchungen besonders intensiv.
Die körperliche Untersuchungen umfasst eine gynäkologische Tastuntersuchung, bei der der Arzt die Scheide austastet.
Außerdem können die Scheide und der Gebärmutterhals mit einer Lupe untersucht (Kolposkopie) werden. Manchmal wird auch ein Abstrich gemacht.
Die Untersuchungen werden üblicherweise in den ersten drei Jahren in vierteljährlichen Abständen gemacht - danach bis zum fünften Jahr halbjährlich. Ab dem sechsten Jahr werden sie nur noch einmal im Jahr durchgeführt.
 
Letzte Aktualisierung:
13.03.2007 (Patricia Herzberger)
Autor:
Christian Fexa
Experten für diese Seite:
Univ. Prof. Dr. med. Martin Langer (Gynäkologie)
Dr. med. Rainer Pöhnl (Innere Medizin)
Univ. Prof. Dr. med. Michael Wolzt (Pharmakologie)
Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.