VorgangsweiseDer Zugang zur Schilddrüse erfolgt durch den sogenannten Kragenschnitt nach Kocher, der an der Vorderseite des Halses in einer Hautfalte gesetzt wird. Das weitere Vorgehen richtet sich nach der Tumorart und dem Stadium. Prinzipiell werden die Schilddrüse versorgenden Gefäße abgebunden und durchtrennt und die Drüse vorsichtig herausgeschnitten. Der Chirurg achtet besonders auf die Erhaltung der eng hinter der Schilddrüse liegenden rückläufigen Kehlkopfnerven, der sogenannten "Stimmbandnerven" (medizinisch: Nervus laryngeus recurrens) und der Nebenschilddrüsen. Anschließend werden dünne Kunststoffschläuche zur Ableitung von Wundsekret (medizinisch: Drainagen) eingelegt. Der Wundverschluss erfolgt schichtweise, die Haut wird genäht oder geklammert. Papilläres und follikuläres Karzinom: Sie entstehen aus den Schilddrüsenzellen und sind die häufigsten bösartigen Tumore der Schilddrüse Das Standardverfahren ist die vollständige Entfernung der Schilddrüse (medizinisch: totale Thyreoidektomie). Bei der Operation werden die Lymphknoten mit entfernt. Liegt bei einem papillären Karzinom das StadiumT1, N0, M0 vor, das heißt das Karzinom ist noch im Anfangsstadium entdeckt worden, genügt auch eine Entfernung nur des jeweilig befallenen Schilddrüsenlappens. Das hat den Vorteil, dass die verbliebenen Teile der Schilddrüse weiterhin Hormone produzieren können. Da ein Teil der Schilddrüse weiterhin Hormone erzeugt, müssen meist geringere Hormondosen eingenommen werden. Bei einem follikulären Karzinom ist es nicht möglich so vorzugehen. Ist der Tumor in das die Schilddrüse umgebenden Gewebe hinein gewachsen (Stadium T4), muss auch dieses entfernt werden. Je nach Lage und Ausdehnung des Tumors müssen in seltenen Fällen auch Teile der Luft- oder der Speiseröhre entfernt und ersetzt werden. Allerdings bringt diese Vorgangsweise oft Komplikationen mit sich und ist nur selten von Erfolg gekrönt. Bei einem papillären und follikulären Karzinom wird circa fünf bis sechs Wochen nach der Operation eine Radiojodtherapie durchgeführt. Nach der Operation wird manchmal, abhängig vom Stadium, zur Unterstützung eine Strahlentherapie angeschlossen. Medulläres Karzinom: Dieser bösartige Schilddrüsentumor geht von den speziellen Schilddrüsenzellen, den sogenannten C-Zellen, aus. Da bei medullären Karzinomen oft mehr als ein Tumor vorhanden ist, oder der Tumor auf beiden Seiten der Schilddrüse vorkommt, wird ein größerer Eingriff notwendig. Es muss immer die gesamte Schilddrüse mit allen Lymphknoten am Hals entfernt werden. Eine anschließende Radiojodtherapie ist beim medullären Karzinom nicht sinnvoll. Anaplastisches Karzinom: Dies ist die aggressivste Form des Schilddrüsenkrebses, da er rasch wächst.. Bei einem anaplastischen Karzinom ist die vollständige Entfernung der Schilddrüse und eine teilweise Entfernung der Lymphknoten Therapie der Wahl. Eine anschließende Radiojodtherapie ist beim anaplastischen Karzinom meist nicht sinnvoll. Es wird vor oder nach der Operation eine Strahlentherapie durchgeführt. Die Wahl der Betäubung Für die Operation ist eine Vollnarkose notwendig. Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden danach beträchtlich. Nach der Operation Direkt nach der Operation wird der Patient, wenn er wieder bei Bewusstsein ist, mit dem Oberkörper in halbsitzender Position gelagert. Das Wundsekret kann somit besser abfließen, und die Atmung wird erleichtert. Aufstehen ist noch am Operationstag möglich, ruckartige Bewegungen mit dem Oberkörper und insbesonders Drehbewegungen des Kopfes sind anfangs schmerzhaft. Die Schmerzen auf Grund der Operation sind meist gering. Bei einigen Patienten treten aber auch starke Schmerzen auf. Eine Schmerzbehandlung bringt Linderung und sollte daher auch eingefordert werden. Trinken in kleinen Schlucken ist ebenfalls am Operationstag schon nach einigen Stunden möglich. Ab dem Tag nach der Operation wird mit Nahrungsaufbau begonnen. Manchmal bestehen am Anfang noch Schluckbeschwerden. Die Drainagen können nach ein bis zwei, die Nähte oder Hautklammern nach vier bis sechs Tagen entfernt werden. Noch im Krankenhaus kontrolliert der HNO-Facharzt die Funktion der Stimmbänder. Auch eine Blutabnahme zur Bestimmung des Kalziumwertes wird durchgeführt, womit die Funktion der Nebenschilddrüsen überprüft werden kann. Nach der Entfernung der Schilddrüse müssen ein Leben lang Schilddrüsenhormone eingenommen werden. Um den Hormonspiegel individuell genau einzustellen sind daher Nachuntersuchungen besonders wichtig. Papilläre und follikuläre Tumore können zusätzlich durch die richtig eingestellte Hormontherapie bekämpft werden. Diese hilft mit, dass der Schilddrüsenkrebs seltener wiederkehrt. Medulläre und anaplastische Tumoren können durch diese Therapie nicht beeinflusst werden. Etwa sechs Wochen nach einer Schilddrüsenoperation sollten das Heben und Tragen von schweren Lasten (über fünf Kilogramm) und Sportarten mit ruckartigen Kopfbewegungen unterlassen werden. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist individuell sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt beträgt sie nach Operation und Radiojodtherapie zwei bis drei Monate.
ErfolgsrateRisiken und Komplikationen Die Schilddrüsenkrebsoperation ist ein meist erfolgreicher Eingriff, bei dem es nur selten zu Komplikationen kommt. Bei ein bis zwei Prozent aller operierten Patienten kann es vorkommen, dass der Stimmbandnerv auf einer Seite verletzt wird (medizinisch: Recurrensparese). Als Folge davon wird die Stimme rau, heiser und leise. Eine Sprachtherapie bringt den meisten Patienten Hilfe. Extrem selten ist eine Verletzung der Stimmbandnerven auf beiden Seiten. Bei der äußerst seltenen beidseitigen Läsion kann durch die dadurch entstandene Behinderung der Atmung eine Intensivtherapie und eventuell ein Luftröhrenschnitt notwendig werden. Die versehentliche Entfernung aller vier Nebenschilddrüsenkörperchen kommt bei der Entfernung der Schilddrüsen ebenfalls selten vor (ein bis drei Prozent). Sie äußert sich in Kribbeln und Muskelkrämpfen. Eine lebenslange, medikamentöse Behandlung hilft. Bei etwa einem Prozent der Patienten können starke Nachblutungen auftreten, die auch das Atmen schwer machen. Dann ist eine neuerliche Operation erforderlich um die Blutung zu stoppen. Wurde ein Teil des Muskels mit der Haut vernäht, bildet sich eine Narbe, die sich beim Essen und bei der Mimik mitbewegt. Diese unangenehme Begleiterscheinung kann durch einen kleinen Eingriff leicht wieder behoben werden. Eine Unterfunktion der Schilddrüse (medizinisch: Hypothyreose), die immer nach einer vollständigen Entfernung auftritt, wird mit lebenslanger, medikamentöser, individuell dosierter Schilddrüsenhormonersatztherapie behandelt. Heilungschancen Grundsätzlich gilt: Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die Aussichten völlig vom Krebs geheilt zu werden, sind bei Schilddrüsenkrebs gut. Die Heilungsrate der einzelnen Krebsarten ist allerdings sehr unterschiedlich. Wenn Metastasen auftreten passiert das zu 90 Prozent in den ersten fünf Jahren nach Diagnosestellung. Papilläres Karzinom: Die Zehn-Jahre-Überlebenswahrscheinlichkeit beträgt zwischen 85 und 95 Prozent. Follikuläres Karzinom: Beim follikulären Karzinom ist die Variation deutlich höher. Die Heilungschance liegt je nach Stadium und Alter zwischen 60 und 90 Prozent. Medulläres Karzinom: Ungünstiger sind die Heilungsaussichten beim medullären Karzinom. Sie liegen derzeit zwischen 40 und 60 Prozent. Anaplastisches Karzinom: Da das anaplastischen Karzinom sehr schnell voranschreitet, sind die Heilungschancen nur sehr gering. Bei Durchführung einer Kombination von Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie konnte manchmal erreicht werden, dass bis zu 20 Prozent der behandelten Patienten auch nach fünf Jahren noch lebten. |