Pap-Test: Was bedeuten Pap I bis Pap V?

Um Gebärmutterhalskrebs möglichst früh zu erkennen, setzen Mediziner den Pap-Test ein. Was die Ergebnisse bedeuten und wann weitere Untersuchungen ratsam sind
von Bettina Dobe, aktualisiert am 21.11.2016

Termin beim Frauenarzt: Der Pap-Test gehört zu den Routine-Untersuchungen

iStock/IuriiSokolov

Ein Pap-Test ist reine Routine zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Meist wird die Patientin nur benachrichtigt, wenn der Befund nicht "normal" ist. Dabei ist nicht jede Veränderung der Zellen mit Krebs gleichzusetzen – im Gegenteil. Der Pap-Test ermöglicht es, früh Krebsvorstufen im Gebärmutterhals zu entdecken.

Den nach seinem Erfinder – dem Arzt George Nicholas Papanicolaou – benannten Test bezahlen die Krankenkassen einmal im Jahr für Frauen ab 20 Jahren. Zwar kann der Pap-Test nicht jede Vorstufe und jeden Tumor entdecken. Da aber oft erst nach Jahren aus einer Vorstufe ein Karzinom wird, bietet der Test eine wesentlich höhere Sicherheit.


So läuft der Pap-Test ab

Der Arzt macht mit einer kleinen Bürste oder einem Spatel einen Abstrich der Schleimhaut von Muttermund und Gebärmutterhalskanal. "Die Krebs-Vorstufen können in beidem auftreten", sagt Professor Christian Dannecker, Oberarzt an der Frauenklink des Münchner Universitätsklinikums und Leiter der Dysplasie-Sprechstunde. Dysplasie bedeutet Zellveränderung.

Die Untersuchung kann etwas unangenehm sein, ist aber nicht schmerzhaft. Der Arzt gibt den Abstrich auf ein Glasplättchen und fixiert die Zellen zum Beispiel mit Alkohol. Im Labor beurteilt ein Zellexperte, der sogenannte Zytologe, die eingefärbten Zellen. Er erkennt veränderte Zellen. Nach Schweregrad und Art der Veränderung richtet sich dann das weitere Vorgehen.

Was die fünf Stufen des Pap-Tests bedeuten

Die Veränderungen werden in fünf Hauptgruppen eingeteilt, von normal (Pap I) bis schwer (Pap V). "Pap I kommt nur ganz selten vor", erklärt Gynäkologe Dannecker. "Die meisten Frauen über 20 haben leicht entzündliche Veränderungen, die aber nicht von Bedeutung sind." Daher zählt auch Pap II, bei dem leicht entzündlich veränderte Zellen festgestellt wurden, noch als Normalbefund. Durch sexuelle Aktivität oder etwa eine vorangegangene Pilzinfektion ist hier das Gewebe leicht gereizt.

Pap III D

Ein Wert von Pap III D hingegen ist auffällig: Einige Zellen sind verändert. Der Arzt nennt dies eine geringe bis mittelgradige Dysplasie. Gynäkologe Dannecker kann Frauen mit einem Wert von Pap III D beruhigen: "Stellt ein Arzt diesen Wert bei einer jüngeren Frau fest, muss das nichts Schlimmeres heißen." Gerade bei Frauen unter 30 sei es aber gut, die Untersuchung nach drei Monaten zu wiederholen, sagt er. Beim Großteil der Frauen mit Pap III D verschwindet die Gewebeveränderung von allein. Eine Kontrolle ist trotzdem nötig. "Ist der Wert zum zweiten Mal erhöht, muss man eine Kolposkopie machen", erklärt Dannecker. Das ist eine Spiegelung des Gebärmutterhalses, bei der sich der Arzt den Muttermund mit der Lupe ansieht. Liegt Pap III D länger vor, entnimmt der Arzt auch eine Gewebeprobe, anhand derer sich dann eine Diagnose stellen lässt.

Pap IV und V

Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher liegt Krebs vor. Ein Wert von Pap IV A ist meist eine schwere Dysplasie, die eine Krebsvorstufe sein kann. Wohlgemerkt: sein kann. "Bei einem Pap IV A kann in etwa vier Prozent der Fälle schon ein Krebs vorliegen", sagt Dannecker. Der Frauenarzt sollte auf jeden Fall eine Kolposkopie durchführen, in der Regel wird er auch eine Gewebeprobe entnehmen. Bei Stufe Pap IV B handelt es sich recht sicher um eine Vorstufe von Krebs: "Hier ist der Krebs nicht mehr auszuschließen. Aus der Vorstufe ist unter Umständen schon Krebs geworden", erklärt der Experte. "Stufe Pap V ist mit großer Sicherheit schon Krebs." Je höher der Wert, desto dringlicher sind weitere Untersuchungen.

Unklare Befunde: Auf HP-Virus testen lassen

Kontrolle ist auch bei einem Wert von Pap III und den Werten Pap II W und II K sinnvoll: Die Befunde sind unklar. "Das kann eine schwere Entzündung oder Krebs sein – oder ganz harmlos", sagt Dannecker.

Der Frauenarzt rät in diesem Fall dazu, auf das HP-Virus (Humane Papillom-Viren) zu testen. "Dysplasien entstehen fast immer durch eine Infektion mit HPV", sagt Dannecker. HPV führt zwar nicht zwangsweise zu Krebs, ist aber ein wichtiger Risikofaktor. Der Testbefund wird bei weiteren Kontrollen berücksichtigt.

Einige Experten raten auch grundsätzlich allen Frauen über 30 Jahren zum HPV-Test als Ergänzung zum Pap-Test.

Konisation: Entfernung eines Gewebekegels

Manchmal raten Ärzte schon bei Pap III D zur Konisation. Bei dieser kleinen Operation wird Gewebe mit einer Schlinge oder einem Skalpell kegelförmig (Konus) entfernt. Doch ein zu rasches Vorgehen ist nicht sinnvoll, warnt Dannecker. "Selbst bei Pap IV A muss man nicht sofort das Gewebe abtragen", sagt der Arzt. Er rät vor allem bei leichten und mittleren Dysplasien zu einem erneuten Abstrich, zur kolposkopischen Untersuchung und gegebenenfalls Biopsien.

"Bei jüngeren Frauen, die noch Kinder bekommen wollen, steigt durch eine Konisation das Risiko der Frühgeburt", gibt Dannecker zu bedenken. Bei schweren Veränderungen hingegen sollte der Arzt rasch agieren. Dadurch kann sich die Entstehung eines Krebses verhindern lassen. Und der Pap-Test hat seinen Zweck erfüllt.



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