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Krebs: Chemotherapie zu Hause

Nehmen Patienten daheim ein Medikament gegen Krebs ein, müssen sie auf die richtige Anwendung achten. Speziell ausgebildete Apotheker helfen dabei


Manche Patienten können ihre Krebsmedikamente auch zu Hause einnehmen

Die erste Frage, die Klaus Meier möglichen Kandidaten für eine orale Chemotherapie stellt, lautet: „Können Sie Pillen schlucken?“ Wie der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) erklärt, sind Krebsmedikamente oft deutlich größer als andere Tabletten und können Probleme beim Schlucken bereiten.

Die Zahl der Krebspatienten steigt, die ihre Medikamente nicht als Infusion bekommen, sondern wie „normale“ Tabletten zu Hause einnehmen. Dies ist der Entwicklung neuartiger Arzneistoffe zu verdanken. „Rund vierzig Krebsmittel lassen sich inzwischen als Tablette verabreichen“, weiß Meier.


Die Patienten gewinnen dadurch an Lebensqualität: „Sie müssen nicht mehr so oft in die Klinik oder onkologische Praxis“, sagt Kerstin Bornemann, Apothekerin für onkologische Pharmazie und Palliativpharmazie aus Göttingen. „Die Therapie erfordert jedoch ein hohes Maß an Eigenverantwortung.“

Chemotherapie: Richtige Einnahme enorm wichtig

Der Erfolg der Behandlung steht und fällt mit der richtigen Anwendung: „Die Einnahmevorschriften sind teilweise sehr kompliziert“, sagt Bornemann. „Auch Wechselwirkungen mit Medikamenten und Nahrungsmitteln können den Therapieerfolg beeinträchtigen.“

Dazu kommen teils schwere Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Haut- und Schleimhautreaktionen oder ständige Müdigkeit. „Auf keinen Fall darf der Patient die Therapie dann eigenmächtig abbrechen“, betont Klaus Meier. In Deutschland haben sich einige Hundert Apotheken auf die Herstellung von Infusionslösungen und die Betreuung von Krebspatienten spezialisiert.

Orale Zytostatika bekommt der Patient in seiner Apotheke vor Ort. Da der Beratungsbedarf groß ist, bietet die DGOP künftig bundesweit Fortbildungen für Apotheker an und stellt ihnen eine Datenbank mit den wichtigsten Neben- und Wechselwirkungen zur Verfügung. „Kernstück der Beratung ist ein individueller Plan, auf dem der Patient jede Einnahme abhakt und die Stärke eventueller Nebenwirkungen dokumentiert“, erklärt Meier.

Diesen Plan nimmt er regelmäßig mit in die Apotheke, die bei Problemen Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen hält. „Patienten, die ihre Therapie zu Hause machen, halten oft mehr aus, als nötig wäre“, weiß Bornemann. „Gegen Übelkeit gibt es wirksame Medikamente.“

Übelkeit frühzeitig behandeln

Auch wenn leichtere Übelkeit auftritt, sollte diese frühzeitig behandelt werden: „Längere Appetitlosigkeit kann zu Gewichtsverlust und Flüssigkeitsmangel führen“, warnt die Apothekerin. „Und wenn ein Patient mit der Tabletteneinnahme Übelkeit verbindet, wird ihm irgendwann schlecht, wenn er nur daran denkt.“

Diese „erlernte Übelkeit“ könne eine orale Zytostatikatherapie verhindern. Wie Kerstin Borneman betont, bekommen die Patienten mit den Tabletten einen Beipackzettel, der die Furcht vor Nebenwirkungen zusätzlich schürt. „Durch Beratung und Begleitung in der Apotheke kann die Angst genommen werden.“




Bildnachweis: iStock/bpalmer

Barbara Kandler-Schmitt / Apotheken Umschau; erstellt am 06.05.2013
Bildnachweis: iStock/bpalmer

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