Übertragung von Organen auf ein anderes Individuum zu therapeutischen Zwecken. 2008 wurden in Deutschland 4 675 Organtransplantationen durchgeführt, am häufigsten Nieren (ca. 47 %), Lebern (ca. 36 %) und Herzen (ca. 8 %), wenige Lungen und Bauchspeicheldrüsen.
Organspendegesetz: Das 1997 in Deutschland in Kraft getretene Gesetz untersagt die anonyme Organspende; nur Verwandten ersten und zweiten Grades wie z. B. Ehegatten, aber auch Personen, die dem Empfänger besonders nahe stehen, ist eine Lebendspende erlaubt. In jedem Fall müssen die Umstände der Spende überprüft werden, um auszuschließen, dass sie aus finanziellen Gründen, Abhängigkeit oder unter Druck vorgenommen wird. Zur Transplantation von Organen von Verstorbenen müssen zwei von der Transplantation unabhängige Ärzte den Tod des Spenders feststellen. Existiert kein Organspendeausweises, kein Patiententestament und keine Willensäußerung, dürfen Organe nur entnommen werden, wenn die nächsten Angehörigen zustimmen.
Immunologische Grundlagen: Der Erfolg einer Transplantation hängt im Wesentlichen von der Immunantwort des Empfängers ab (Transplantatabstoßung). Jeder Organismus erkennt Zellen mit anderer Erbinformation als fremd und stößt sie ab. Grund hierfür sind die Gewebeantigene des HLA-Systems. Am problemärmsten sind daher Transplantation von körpereigenem Gewebe (Autotransplantat). Bei eineiigen Zwillingen sind die Erbinformationen und damit die Antigene identisch, sodass keine Abstoßungsreaktion erfolgt. Bei der allogenen Transplantation haben Spender und Empfänger unterschiedliche Erbinformationen, gehören aber beide der gleichen Spezies (Mensch) an. Nach einer allogenen Transplantation müssen die Abwehrreaktionen des Organempfängers medikamentös unterdrückt werden (Immunsuppressiva). Stammt das Transplantat von einem Tier, z. B. eine Herzklappe vom Schwein, so spricht man von einer Heterotransplantation (Xerotransplantat).
Durchführung: Nach der Organentnahme wird das Spenderorgan gekühlt und blutleer transportiert. Das entnommene Organ kann auf diese Weise 24–42 Std. konserviert werden, um später im Empfänger seine Funktion wieder aufzunehmen. Am empfindlichsten auf die fehlende Durchblutung reagieren Leber und Herz. Soll das Spenderorgan an derselben Stelle wie das zu ersetzende Organ eingesetzt werden, muss dieses vorher entfernt werden (z. B. bei Herztransplantation). In diesem Fall spricht man von einer orthotopen Transplantation. Wird das Spenderorgan an einer anderen Körperstelle eingesetzt (z. B. bei Nierentransplantation Einpflanzung der Spenderniere im Becken), spricht man von einer heterotopen Transplantation.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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