Krankheitsbild mit lokaler Verstopfung der Blutgefäße durch Blutgerinnsel. Meist entstehen Thrombosen in den Venen, v. a. der unteren Extremitäten, und in den Herzhöhlen. Seltener sind Thrombosen der Schlagadern (AVK). Bei der Venenthrombose wird die Thrombose des tiefen Venensystems (Phlebothrombose) von der der oberflächlichen Venen (Venenentzündung) unterschieden.
Ursache: Grundsätzlich spielen drei Faktoren bei der Entstehung der Thrombose eine wesentliche Rolle (Virchow-Trias): Gefäßwandveränderungen (z. B. durch Entzündungen, Operationen), Veränderungen der Blutströmung (Stagnationsthrombose, z. B. bei Bettlägerigkeit, Ruhigstellung nach Knochenbrüchen, Lähmungen) und der Blutzusammensetzung (erhöhte Blutgerinnbarkeit, z. B. bei Tumoren, Schwangerschaft, Wochenbett, Einnahme der Antibabypille, Zunahme der Blutzellen). Auch ein Abknicken der Venen etwa durch langes Sitzen mit angewinkelten Knien und ein Rückstau des Blutes bei Herzschwäche oder schlussunfähigen Klappen der tiefen Beinvenen bei Krampfaderleiden begünstigen das Entstehen von Thrombosen. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, Übergewicht und eine angeborene gesteigerte Blutgerinnbarkeit.
Befund: Zumeist sind die großen Bein- oder Beckenvenen betroffen, selten die Venen des Arm- oder Schulterbereichs. Der Betroffene verspürt Schmerzen und ein Schwere- und Spannungsgefühl in der betroffenen Extremität. Die Haut ist geschwollen, bläulich rot verfärbt, warm und glänzend. Häufig besteht ein allgemeines Krankheitsgefühl; mäßig hohes Fieber ist möglich. Schmerzen beim Auftreten, Beklopfen der Wade, Überstrecken der Fußsohle (Homans-Zeichen) oder bei Druck auf die Fußsohle (Payr-Zeichen) deuten auf eine Thrombose hin, sind aber nicht immer vorhanden. Bei der schwersten, lebensbedrohlichen Verlaufsform der venösen Thrombose, die häufig mit einem Schock einhergeht, bedingt die rasante Schwellung des Beines eine zusätzliche arterielle Durchblutungsstörung durch Kompression der Beinschlagader (Phlegmasia coerula dolens). Venöse Thrombosen der Eingeweide führen zu mehr oder weniger ausgeprägten Beschwerden in dem betroffenen Organ. Die wichtigsten Eingeweidethrombosen sind die Sinusvenenthrombose, Nierenvenenthrombose, Thrombose der Eingeweidevenen (Mesenterialgefäßverschluss) und die Pfortaderthrombose. Die Diagnose wird durch spezielle Ultraschalluntersuchungen und die Darstellung der Venen mittels Kontrastmittel (Phlebografie) gesichert.
Die gefährlichste Komplikation der Thrombose ist die Lungenembolie, die je nach Ausdehnung innerhalb von Minuten zum Tod führen kann. Sie äußert sich in Brustschmerzen, Luftnot, Husten und Unruhe und muss sofort behandelt werden. Als Spätfolgen können durch die Blutstauung bedingte Veränderungen der Venen auftreten, die zu Beinbeschwerden führen (chronisch-venöse Insuffizienz, Krampfaderleiden).
Behandlung: Die oberflächliche Thrombose wird mit Alkohol- und Heparinumschlägen behandelt. Bei tiefen Thrombosen wird ein Kompressionsverband angelegt. Zudem wird eine medikamentöse Blutverdünnung eingeleitet und evtl. darüber hinaus mittels Fibrinolytika die Auflösung der Blutgerinnsel versucht. Nur selten sind operative Maßnahmen zur Entfernung des Thrombus erforderlich. Langfristig sind individuell angepasste Kompressionsstrümpfe zu tragen und die Blutverdünnung mit Tabletten über 6–12 Monate fortzuführen. Da nach einer Thrombose eine erhöhte Gefahr für ein Wiederauftreten der Erkrankung besteht, sollten außerdem die Risikofaktoren ausgeschaltet werden.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 25.05.2011
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