Infektionskrankheit, die durch Einzeller der Gattung Plasmodium hervorgerufen wird und durch wiederkehrende, oft periodische Fieberschübe gekennzeichnet ist. Der Erreger wird durch den Stich der Anophelesmücke übertragen.
Verbreitung: Von den über 300 Millionen Malariainfizierten leben 90 % im tropischen Afrika. In Europa steigt die Anzahl der Erkrankungsfälle durch importierte Infektionen. Da die Malaria mit unspezifischen Krankheitserscheinungen einhergeht, wird sie hierzulande oft nicht erkannt und zu spät behandelt, was mitunter zu Todesfällen führt. Das Risiko einer am Flughafen erworbenen sog. Airport-Malaria wird als gering eingestuft, zumal in den Flugzeugen Insektizide eingesetzt werden.
Malariazyklus: Im Verlauf der Entwicklung sind die Malariaerreger an einen Wirtswechsel zwischen Mensch und Anophelesmücke gebunden. Mit dem Stich einer infizierten Mücke werden die Erreger in Form der Sporozoiten auf den Menschen übertragen. Sie gelangen auf dem Blutweg zunächst in die Leber, in deren Zellen sie sich als Leberschizonten entwickeln, vermehren und verbleiben können. Nach frühestens sechs Tagen (Malaria tropica) bzw. nach Wochen bis Monaten (andere Malariaformen) platzen die Leberzellen und die Parasiten gelangen als Merozoiten ins Blut, wo sie in rote Blutkörperchen (Erythrozyten) eindringen. Dieser Zeitraum ist identisch mit der Inkubationszeit, da erst jetzt Krankheitszeichen auftreten. In den Erythrozyten erfolgt eine weitere, nichtsexuelle Vermehrung der Erreger, die jetzt Blutschizonten (erythrozytäre Schizonten) genannt werden. Je nach Art der Malaria dauert es 48–72 Std., bis die Blutzelle platzt und die Plasmodien neue Blutkörperchen aufsuchen. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis er durch Behandlung oder körpereigene Abwehr unterbrochen wird. Parallel dazu entwickeln sich aus den Merozoiten geschlechtlich differenzierte Formen (Gametozyten). Saugen die Weibchen der Anophelesmücke das Blut des Infizierten, so nehmen sie mit dem Blut die männlichen und weiblichen Gametozyten auf. Diese können in der Mücke zu einer Zygote verschmelzen, die beweglich ist, aktiv in Zellen der Magen- und Darmwand der Mücke eindringt und dort innerhalb von 1–5 Wochen massenhaft neue Sporozoiten bildet. Auch diese Zelle platzt, die Sporozoiten gelangen in die Speicheldrüse der Mücke und können so wieder auf einen gesunden Menschen übertragen werden. Der Entwicklungszyklus schließt sich. Als weitere Übertragungswege neben dem Mückenstich kommen Bluttransfusionen und die in Ländern mit niedrigem Hygienestandard übliche mehrfache Benutzung unsterilisierter Spritzennadeln in Betracht.
Befund: Je nach Erregerart kommt es zu unterschiedlich langen Inkubationszeiten und Fieberphasen. Die meist gutartig verlaufende und leicht behandelbare Malaria tertiana beginnt oft erst Wochen bis Monate nach Ansteckung mit Fieberanfällen bis zu 41 °C, die nach einigen Stunden zurückgehen. Diese Phasen treten jeden dritten Tag auf. Als Erreger kommen Plasmodium vivax und Plasmodium ovale in Betracht, die in Afrika, Mittel‐ und Südamerika und großen Teilen Asiens vorkommen. Selten ist heute die durch Plasmodium malariae verursachte Malaria quartana mit Fieberanfällen in 4-tägigem Intervall, die ebenfalls nur selten zu Komplikationen führt. Die schwerste Form der Erkrankung, die Malaria tropica (Falciparum-Malaria), ist auch die häufigste. Der Erreger, Plasmodium falciparum, herrscht in großen Teilen Afrikas und Südamerikas, in Südostasien und im Pazifik vor. Bei dieser Krankheitsform entwickelt sich nach etwa 8- bis 14-tägiger Inkubationszeit meist kontinuierliches, hohes Fieber mit schwerem Krankheitsgefühl und selten Durchfall. Frühzeitig treten Schwellungen der Leber und Milz sowie mitunter lebensgefährliche Organschäden an Gehirn und Nieren auf. Das Schwarzwasserfieber ist eine heute seltene, schwere Komplikation, bei der es zur massiven Auflösung roter Blutkörperchen kommt. Unbehandelt endet sie bei 10–20 % der Kranken tödlich. Da die Malaria tropica keinen so typischen Beginn und Verlauf wie die anderen Malariaformen hat und viele andere, in den Tropen vorkommende Erkrankungen mit zunächst ähnlichen Krankheitserscheinungen einhergehen (wie z. B. die häufige Reisediarrhö), ist sie zu Beginn besonders schwer zu erkennen. Auch bei leichten Temperaturerhöhungen, Kopf- und Gliederschmerzen oder Durchfällen sollten Reisende in den betroffenen Gebieten immer an eine Malaria denken und einen Arzt aufsuchen. Blutausstriche erlauben einen raschen, direkten Parasitennachweis.
Behandlung: Während Malaria tertiana und Malaria quartana häufig sehr gut auf das kostengünstige Standardmedikament Chloroquin ansprechen, kommen bei Malaria tropica zahlreiche, oft nebenwirkungsreiche Antiparasitenmittel miteinander kombiniert zur Anwendung (Mefloquin, Atovaquon/Proguanil‐Kombination, Artemeter/Lumefantrin‐Kombination). Daneben sind intensive Überwachung, Pflege und ausreichende Flüssigkeitszufuhr notwendig. Gelegentlich sind Bluttransfusionen nötig. Zunehmende Resistenzen der Erreger, insbesondere von Plasmodium falciparum, erschweren die Behandlung.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.02.2012
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