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Magenschleimhautentzündung

Eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) kann akut oder chronisch verlaufen

Wenn der Schutzfilm, der die Magenwand innen auskleidet, gereizt und beschädigt ist, kann es zu einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) kommen. Bei gesunden Menschen sorgt der zähflüssige Schleim dafür, dass sich der Magen nicht selbst verdaut. Im Falle einer Gastritis kann die Magensäure jedoch bis zur Magenwand durchdringen.
Man unterscheidet zwei Formen:

1. Die akute Gastritis tritt plötzlich mit Beschwerden auf und kann bei entsprechender Behandlung schnell wieder abheilen.

2. Die chronische Gastritis (Typ A, B und C) verläuft oft jahrelang ohne große Beschwerden. Bleibt sie unbehandelt, erhöht sich das Risiko für ein Magengeschwür oder Magenkrebs.


Akute Gastritis

Mögliche Ursachen:

  • Zu viel Alkohol, Kaffee, scharfe Gewürze oder Nikotin
  • Zu viel körperlicher oder seelischer Stress
  • Medikamente (zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Kortison, Zytostatika)
  • Strahlentherapie
  • Verschlucken von Säuren oder Laugen

Beschwerden / Symptome:

Typisch sind plötzliche Magenschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen können – meist nach den Mahlzeiten. Durch Druck auf den Oberbauch können sie sich verstärken. Zu den weiteren Symptomen gehören Völlegefühle, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Aufstoßen und Appetitlosigkeit.

Bei der erosiven Form der akuten Gastritis ist die Magenschleimhaut so stark angegriffen, dass sie bluten kann. Die Folge können ein schwarzer Stuhl (Teerstuhl) bzw. Bluterbrechen oder Erbrochenes sein, das an Kaffeesatz erinnert – ein potenzieller Notfall!

Achtung: Alle genannten Symptome können auch andere Ursachen haben. Was genau dahinter steckt, kann nur der Arzt feststellen.

Diagnose:


Wenn Patienten mit einer akuten Gastritis ihre Beschwerden genau beschreiben, ahnen viele Hausärzte und Internisten meist schon, um welche Krankheit es sich handelt. Da sich die akute Magenschleimhautentzündung mit einfachen Mitteln behandeln lässt, ist es in der Regel nicht notwendig, die Diagnose mit Hilfe einer Magenspiegelung (Gastroskopie) und der Entnahme einer Gewebeprobe zu erhärten.

Behandlung bei akuter Gastritis

Damit eine akute Magenschleimhautentzündung schnell wieder abklingen kann, empfiehlt es sich, zwei bis drei Tage lang alle möglichen Auslöser (siehe Ursachen) wegzulassen. Vorsicht: Verordnete Medikamente nicht einfach eigenmächtig absetzen, sondern mit dem Arzt besprechen, ob sie (vorübergehend) entbehrlich sind oder gegen Alternativen ausgetauscht werden können! Hilfreich ist es meist, ein bis zwei Tage lang nichts zu essen oder nur leichte verdauliche Kost wie Haferschleim, Zwieback und geriebenen Apfel. Beruhigend wirkt häufig lauwarmer Tee, zum Beispiel Kamillentee. Eine akute Gastritis verheilt üblicherweise ohne weitere Folgen.

Die erosive Form der akuten Gastritis, die mit Blutungen einhergeht, wird wie ein Magengeschwür (Ulkuskrankheit) behandelt.

Chronische Gastritis

Viele Menschen – vor allem wenn sie älter als 50 Jahre sind – haben eine chronische Magenschleimhautentzündung, die sie aber oft nicht bemerken, weil die Krankheit jahrelang nahezu beschwerdefrei verlaufen kann. Mögliche Symptome sind dumpfe Oberbauchschmerzen nach dem Essen, Aufstoßen, Blähungen, Völlegefühle, Übelkeit und Brechreiz. Hinter solchen Beschwerden können aber auch andere Ursachen stecken.

Bei der chronischen Gastritis unterscheiden Mediziner – je nach Ursache – die drei verschiedenen Typen A, B und C. Hinzu kommen Sonderformen wie die Crohn-Gastritis (bei Morbus Crohn) und die Riesenfalten-Gastritis (Morbus Mènètrier).


Typ A (Autoimmungastritis)

Bei der Typ-A-Gastritis handelt sich um eine Autoimmunkrankheit, also eine Fehlreaktion des körpereigenen Immunsystems.

Häufigkeit: Typ A ist die seltenste Form, sie tritt in rund 5% aller Fälle einer chronischen Gastritis auf. Häufig kommt sie zusammen mit einer Rheumatoiden Arthritis (Rheuma) vor.

Ursache: Aus noch nicht geklärten Gründen bildet der Körper Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Belegzellen der Magenschleimhaut, die die Magensäure produzieren. Daraufhin entzündet sich die Magenschleimhaut, und die Belegzellen sterben ab. Weil zu wenig Magensäure produziert wird, schüttet der Körper vermehrt das Hormon Gastrin aus, das die Bildung der Magensäure wieder anregen soll. Zu viel Gastrin im Körper kann jedoch in Einzelfällen dazu führen, dass sich bestimmte Tumoren (Karzinoide) oder Magenkrebs bilden.

Durch das Absterben der Belegzellen kommt es dazu, dass sie ein wichtiges Transporteiweiß nicht mehr produzieren können: den sogenannten Intrinsic Factor. Da dieses Protein normalerweise dafür sorgt, dass der Darm das Vitamin B 12 (Cobalamin) aufnehmen kann, entsteht bei der Typ-A-Gastritis ein Vitaminmangel.

Diagnose: Mit Hilfe des sogenannten Schilling-Tests lässt sich ein Mangel des Intrinsic Factors nachweisen. Möglicherweise liegt auch eine Blutarmut vor. Bei einer Magenspiegelung lässt sich erkennen, wie stark die Magenschleimhaut geschädigt ist.

Behandlung: Da der Fehler im körpereigenen Abwehrsystem nicht korrigiert werden kann, beschränkt sich die Behandlung auf die Folgen. Die Patienten sollten alles vermeiden, was den Magen zusätzlich angreifen könnte. Sie erhalten meist Spritzen mit Vitamin B 12 und sollten regelmäßig eine Magenspiegelung machen lassen.

Typ B (bakterielle Gastritis, Antrumgastritis)

Bei der Typ-B-Gastritis ist vor allem der Ausgang des Magens (Antrum) betroffen. Da die verursachenden Bakterien auch Magengeschwüre und Zwölffingerdarmgeschwüre mitverursachen, kann eine Typ-B-Gastritis auch zur Ulkuskrankheit führen.

Häufigkeit: Typ B ist die häufigste Form, sie tritt in rund 80 Prozent der Fälle von chronischer Gastritis auf.

Ursache: Die Typ-B-Gastritis entsteht fast immer durch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori, das sich oft schon im Kindesalter ansiedelt, aber jahrelang unbemerkt aktiv ist: Das Bakterium besitzt ein aktives Eiweiß, das Enzym Urease. Damit kann es die Magensäure neutralisieren und sich davor schützen, zersetzt zu werden. An den betroffenen Körperstellen entzündet sich die Schleimhaut. Sie bildet sich zurück und kann zu einem bosärtigen Gewebe (Magenkrebs) entarten.

Diagnose: Heliobacter-Bakterien lassen sich mit Hilfe einer Stuhlprobe oder eines Atemtests nachweisen. Auch ein Test mit kleinen Gewebeproben, die bei einer Magenspiegelung entnommen werden, ist möglich.

Behandlung: Bei einer Typ-B-Gastritis verordnet der Arzt in der Regel über eine gewisse Zeit Antibiotika und ein Präparat, das dafür sorgt, dass weniger Magensäure gebildet wird.

Typ C (chemisch-toxische Gastritis)

Bei der Typ-C-Gastritis ist oft der Magenfundus neben dem Mageneingang betroffen, wo sich die beim Essen und Trinken verschluckte Luft sammelt.

Häufigkeit: Typ C tritt in rund 10 Prozent der Gastritis-Fälle auf.

Ursachen: Die Typ-C-Gastritis entsteht durch den dauerhaften Einfluss von chemischen Substanzen, die die Magenschleimhaut reizen können:

  • Schmerzmedikamente (wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Diclofenac)
  • Rheumamedikamente
  • Rückfluss von Gallensäure aus dem Zwölffingerdarm, der nach einer Magen-OP auftreten kann (Gallereflux)
  • Alkoholmissbrauch, andere magenschädigende Flüssigkeiten (Säuren, Laugen)

Behandlung: Die schädigenden Substanzen sollten nach Möglichkeit abgesetzt werden. Achtung: Medikamente nicht eigenmächtig weglassen, sondern zuvor Rücksprache mit dem Arzt halten! In manchen Fällen empfiehlt der Arzt den Patienten zusätzlich ein Magenschutzmittel, das die Bildung der Magensäure hemmt.

Können die Ursachen beseitigt werden, heilt eine Typ-C-Gastritis meist ohne Schäden aus. Trotzdem sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen zu empfehlen, um mögliche Folgekrankheiten wie ein Magengeschwür rechtzeitig zu erkennen.


Wichtig: Wer immer wieder oder anhaltend unter Beschwerden wie Magenschmerzen, Übelkeit oder Verdauungsbeschwerden leidet, der sollte sich frühzeitig vom Arzt untersuchen lassen!


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Karin Hertzer / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 23.05.2013,

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