Hormone der Nebennierenrinde (Steroidhormone). Zu den Kortikoiden gehören die Mineralokortikoide, die auf den Wasser- und Salzhaushalt wirken (z. B. Aldosteron), die Glukokortikoide, die überwiegend auf den Kohlenhydratstoffwechsel wirken (z. B. Kortison, Kortisol), und die Sexualhormone (z. B. die Östrogene).
Mineralokortikoide
Sie regeln zusammen mit anderen körpereigenen Botenstoffen (z. B. Renin) den Mineralstoffhaushalt. Das wichtigste körpereigene Mineralokortikoid ist Aldosteron. Es wirkt auf die Niere ein, fördert die Aufnahme von Natrium und bewirkt eine Mehrausscheidung von Kalium.
Glukokortikoide
Sie wirken v. a. auf den Kohlenhydrat- und Eiweißstoffwechsel. Glukokortikoide fördern in der Leber die Neubildung von Glukose sowie die Speicherung der Glukose in Form von Glykogen. Sie erhöhen den Blutzuckerspiegel und beschleunigen den Eiweißabbau (z. B. in Muskulatur und Haut). Glukokortikoide nehmen bei Stress eine zentrale Rolle ein und sind an der Hemmung entzündlicher Reaktionen beteiligt. Sie haben auch eine geringe mineralokortikoide Wirkung und fördern den Verbleib von Natrium im Körper. Sie können dadurch Wasseransammlungen (Ödeme) hervorrufen. Kalium und Kalzium werden vermehrt ausgeschieden, die Kalziumresorption aus dem Darm wird gehemmt. Glukokortikoide hemmen das menschliche Immunsystem und die Neubildung von Gewebe. Der wirksamste körpereigene Vertreter ist Hydrokortison (Kortisol). Die Hormonkonzentration unterliegt tageszeitlichen Schwankungen.
Wirkstoffe: Durch die synthetische Abwandlung von Kortison und Hydrokortison wurden stärker wirksame Arzneistoffe entwickelt. Häufig verwendet werden Prednison und seine Abkömmlinge Prednisolon und Methylprednisolon. Sie wirken nur noch gering auf den Mineralstoffhaushalt. Fluorierte Kortikoide, wie z. B. Betamethason, Fluocortolon, Fluocinolon, Triamcinolon und Dexamethason, haben keine mineralokortikoide Wirkung mehr.
Anwendungsgebiete: Eine Substitutionstherapie wird durchgeführt, wenn der Körper nicht mehr in der Lage ist, selbst ausreichend Kortikoide herzustellen. Glukokortikoide werden häufig wegen ihrer antiallergischen, antientzündlichen und das Immunsystem hemmenden Wirkung eingesetzt. Wegen ihrer zahlreichen Nebenwirkungen werden sie in der geringstmöglichen Dosierung, die noch eine Besserung bewirkt, gegeben. Bei Beendigung einer länger andauernden Glukokortikoidbehandlung wird die Therapie ausschleichend beendet, da die Nebennierenrinde während der Behandlung die Eigenproduktion reduziert hat.
Glukokortikoide werden zur systemischen Therapie in Form von Tabletten oder Spritzen verabreicht. Sie sind Notfallmedikamente bei schweren allergischen Reaktionen (z. B. allergischem Schock) und werden als Stoßtherapie bei akuten Entzündungsschüben, z. B. bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Crohn-Krankheit und Colitis ulcerosa, eingesetzt. Aufgrund der antientzündlichen und Immunsystem-dämpfenden Wirkung kommen sie bei rheumatischen Erkrankungen, Bronchialasthma und Transplantationen zur Anwendung.
Bei einer Reihe von Erkrankungen können sie lokal eingesetzt werden, was Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen reduziert. Zum Auftragen auf die Haut werden Glukokortikoide v. a. bei Ekzemen, allergischen Hauterkrankungen und Schuppenflechte verwendet. Bei Infektionen der Haut können sie verschlimmernd wirken. Bei Atemwegserkrankungen wie z. B. Bronchialasthma werden Glukokortikoide inhaliert. Zur Behandlung allergisch-entzündlicher Erkrankungen der Nase stehen sie auch als Nasenspray zur Verfügung. Am Auge werden sie zur kurzfristigen Behandlung z. B. bei allergischer Bindehautentzündung und zur Unterdrückung von Narbenwucherungen unter ständiger ärztlicher Kontrolle eingesetzt (Augenmedikamente). Bei Gelenkerkrankungen können Glukokortikoide in das erkrankte Gelenk gespritzt werden.
Nebenwirkungen: Wird im Rahmen der Substitutionstherapie nur die ausgefallene körpereigene Produktion an Kortikoiden ersetzt, treten bei angepasster Dosierung keine unerwünschten Wirkungen auf. Auch bei kurzzeitiger hoch dosierter Therapie in Notfällen sind keine Schäden zu erwarten.
Werden Glukokortikoide zur Behandlung von Symptomen verwendet, hängen Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen von der Art der Anwendung, von Dosierung und Dauer der Therapie ab. Auch bei lokaler Therapie können, sofern große Körperflächen behandelt werden oder die Dosierung sehr hoch liegt, den ganzen Körper betreffende Nebenwirkungen auftreten, da Glukokortikoide durch die Haut aufgenommen werden. Bei langfristiger Anwendung auf der Haut entstehen Hautschäden, die durch dünne Haut, erhöhte Verletzbarkeit, vermehrte Behaarung und die Ausbildung von Striae (Bindegewebsrissen ähnlich den Schwangerschaftsstreifen) gekennzeichnet sind. Zusätzlich kann eine Akne (Steroidakne) auftreten.
Typische Nebenwirkungen einer langfristigen Einnahme von Glukokortikoiden sind Blutdruckanstieg, erhöhtes Infektionsrisiko, Wundheilungsstörungen, Akne, Wachstumshemmung bei Kindern, grauer oder grüner Star, Diabetes mellitus, Osteoporose, verminderte körpereigene Kortisolproduktion, erhöhtes Thromboserisiko und psychische Störungen. Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre (Steroidulkus) unter Kortikoideinnahme verursachen charakteristischerweise zunächst über längere Zeit keine oder kaum Beschwerden. Nicht selten kommt es als erste Krankheitserscheinung zu einer Blutung aus dem Magen. Wird die Kortisondosis reduziert oder die Therapie beendet, kann die bisher unterdrückte Erkrankung wieder auftreten bzw. sich verschlechtern.
Glukokortikoide dürfen nicht eingesetzt werden, wenn Magen-Darm-Geschwüre, Knochenentkalkung, Infektionskrankheiten, schwere psychische Erkrankungen (Psychosen) oder ein grüner Star bestehen. Auch in der Schwangerschaft sind sie nicht angezeigt. In lebensbedrohlichen Notfallsituationen (z. B. allergischer Schock) gibt es jedoch keine Gegenanzeigen.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.12.2010
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