Erkrankung des Nervus ischiadicus, gekennzeichnet durch von der Lendenwirbelsäule in das Bein der betroffenen Seite ausstrahlende Schmerzen.
Ursache: Am häufigsten kommt es durch Verschleißerscheinungen der Bandscheiben und Wirbelkörper am Übergang von Lendenwirbelsäule und Kreuzbein zu einer Verengung der entsprechenden Zwischenwirbellöcher (Bandscheibenvorfall). Hier befinden sich die Nervenwurzeln des Ischiadikus, die bei einer Einengung in diesem Bereich schmerzhaft gereizt werden. Abrupte Bewegungen, Drehungen oder das Heben einer großen Last lösen dann die Schmerzattacke aus. Auslöser sind außerdem Durchnässung und Erkältung, Sitzen auf kalten Steinen, kühle Zugluft. Schwangerschaften oder Tumoren im kleinen Becken können ebenfalls durch Druck auf Fasern des Ischiasnervs ein Ischiassyndrom verursachen. Seltener spielen Nervenentzündungen, Nervenschädigungen durch Diabetes mellitus, rheumatische Erkrankungen oder Verletzungen der Hüfte eine Rolle.
Befund: Die Schmerzen (Ischialgie) betreffen v. a. die Lendengegend und strahlen in die Außen- und Rückseite des betroffenen Beins aus (Nervenschmerz). Taubheitsgefühle und/oder Lähmungen können begleitend auftreten. Eine automatisch eingenommene Schonhaltung führt zu einer schmerzhaften Verspannung in den Muskelsträngen neben der Wirbelsäule und zur Seitwärtsverbiegung der Wirbelsäule (Skoliose) in diesem Bereich. Das Anheben des gestreckten Beines aus der Rückenlage verschlimmert typischerweise die Schmerzen (Lasègue-Zeichen).
Behandlung: Die Hochlagerung der gebeugten Beine (Stufenbettlagerung) sowie Wärme lindern meist sofort die Beschwerden. Gegen den Reizzustand am Nerv helfen Schmerzmedikamente oder das Spritzen eines örtlichen Betäubungsmittels (Lokalanästhetikum) direkt neben die Nervenwurzel. Wärmeanwendungen und Massagen lösen den begleitenden Muskelhartspann. Auch in die Muskelverhärtungen kann ein Lokalanästhetikum gespritzt werden, um den Teufelskreis aus Schmerz – Verspannung – Schmerz zu unterbrechen. Bleiben die Beschwerden trotz dieser Maßnahmen über Wochen bestehen oder kommt es zu Lähmungen, so muss evtl. die betroffene Bandscheibe operativ entfernt werden. Langfristig ist es wichtig, durch eine Rückenschule möglichst wirbelsäulenschonende Bewegungsabläufe einzuüben und durch gezieltes Muskelaufbautraining die meist unterentwickelte Rücken- und Bauchmuskulatur zu stärken.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.12.2010
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