physiotherapeutisches Verfahren, bei dem ein Wasserstrahl eine Reizung durch Kälte, Wärme oder Druck ausübt. Über die Haut wirkt der Guss auf den Kreislauf, das Nervensystem und den Stoffwechsel und trägt zur allgemeinen Kräftigung bei. Der Guss ist ein wichtiger Bestandteil der Kneipp-Kur. Beim einfachen Guss (Kneippguss) wird mit fließendem Wasser ein gleichmäßiger Wassermantel auf der Haut erzeugt. Außen beginnend wird der Wasserstrahl zum Herzen hin geführt. Nach ca. einer Min. treten Hautrötung und ein Wärmegefühl auf. Die Güsse erfolgen meist mit kaltem Wasser (10–12 °C) oder als ein- bis zweimaliger Wechselguss, der stets mit warmem Wasser (38 °C) beginnt und mit kaltem Wasser endet. Heißgüsse werden mit gerade noch verträglichen Temperaturen durchgeführt. Beim Blitzguss wird der Wasserstrahl mit Druck angewendet, sodass zum Temperaturreiz, ähnlich wie bei einer Wassermassage, noch ein mechanischer Reiz hinzukommt.
Die Güsse werden außerdem nach ihrem Anwendungsgebiet unterschieden. Beispielsweise wird beim Nackenguss v. a. zur Kopfschmerzbehandlung der Nacken sanft mit kaltem Wasser überspült und beim Rückenguss beginnt die Wasserbestrahlung (kalt) meist an den Fersen und wird abschnittsweise über Gesäß und Rücken mit Einschluss der Hände fortgeführt. Beim Vollguss wird kaltes oder warmes Wasser mit dem Schlauch unter nur mäßigem Druck auf den ganzen Körper gebracht (beginnend auf der Körperrückseite an den Füßen, hoch zum Rücken, über die Arme und wieder zurück, dann entsprechend auf der Körpervorderseite). Dementsprechend unterscheidet man den Ober-, Unter-, Knie-, Schenkel- oder Armguss.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.12.2010
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