Wirkstoffe zur Unterdrückung von Krampfanfällen im Gehirn (Vorbeugung) oder zur Verminderung der Stärke eines bestehenden Anfalls (Behandlung). Trotz einer Vielzahl verschiedener Epilepsiemedikamente ist bei bis zu 1/3 der Epileptiker keine ausreichende Anfallskontrolle möglich. Epilepsiemedikamente bedürfen wegen ihrer z. T. starken Nebenwirkungen und dem engen Dosierungsbereich ständiger ärztlicher Kontrolle.
Anwendungsgebiete verschiedener Wirkstoffe: Die Auswahl der Epilepsiemedikamente wird bestimmt von Art und Stärke des Anfalls. Generell wird die Behandlung mit einem einzigen Epilepsiemedikament angestrebt. Sollte diese nicht ausreichen, werden verschiedene Wirkstoffe miteinander kombiniert. Bei Grand-Mal-Anfällen werden v. a. Carbamazepin und Phenytoin, außerdem Valproinsäure und Vigabatrin verwendet, bei Petit-Mal-Anfällen werden Ethosuximid und ebenfalls Valproinsäure eingesetzt. Für atypische Absencen und v. a. in der Kindheit auftretende Krämpfe werden die Barbiturate Phenobarbital und Primidon, Benzodiazepine oder Lamotrigin ärztlich verordnet. Das An- und Absetzen von Epilepsiemedikamenten bzw. ein Wechsel zwischen verschiedenen Epilepsiemedikamenten darf nicht abrupt erfolgen, sondern muss ein- bzw. ausschleichend geschehen.
Nebenwirkungen: Diese sind stark abhängig vom eingenommenen Wirkstoff. Unter der Behandlung werden seltene, aber gefährliche Allergien beobachtet, die zu einem sofortigen Abbruch der Behandlung führen müssen. Zu Beginn dieser Allergien treten Schüttelfrost, Fieber und grippeähnliche Beschwerden auf. Erst Tage danach kann diese Allergie (Agranulozytose) bei einer Blutbildkontrolle festgestellt werden. Häufiger treten Hautallergien auf, die bei manchen Wirkstoffen durch Sonnenlicht ausgelöst bzw. verstärkt werden. Müdigkeit, Verwirrtheit, Kopfschmerzen können bei den meisten Epilepsiemedikamenten vorkommen. Nicht selten sind auch Magen-Darm-Beschwerden oder Doppelbilder. Unter einer Behandlung mit Valproinsäure sind zusätzlich Blutgerinnungsstörungen, Gewichtszunahme und sehr selten auch schwerwiegende Leberschäden möglich. Bei Phenytoin werden Zahnfleischwucherungen und Knochenentkalkung (Osteoporose) beobachtet.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 04.10.2011
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