schwere Infektionskrankheit des Menschen, verursacht durch die Larven des Hunde- oder Fuchsbandwurmes. Obwohl sowohl der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) als auch der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) in vielen Ländern Mitteleuropas häufig vorkommt, ist die Echinokokkose eine insgesamt seltene Erkrankung, die allerdings chronisch verläuft und schwer zu behandeln ist.
Ursache: Befallene Füchse oder Hunde scheiden als Endwirte (Wurmträger) mit dem Kot Bandwurmeier aus. Neben vielen anderen Säugetieren stellt der Mensch einen Zwischenwirt (Larventräger) für die Erreger dar. Die Ansteckung erfolgt über mit den Eiern kontaminierte Nahrungsmittel, bodennah wachsende, verunreinigte Waldfrüchte oder direkten Kontakt mit Hunden oder Füchsen. Im menschlichen Darm wandeln sich die Eier zu Larven um und dringen über die Blutbahn in Leber, Lunge oder andere Organe vor. Dort lagern sie sich ab, wachsen zu Finnen heran und beginnen sich nach einigen Monaten zu vermehren.
Befund: Die beiden Erreger führen zu unterschiedlichen Krankheitsbildern. Bei der zystischen Echinokokkose wächst die Finne des Hundebandwurms meist in der Leber oder Lunge zu einer einzigen, bis zu kindskopfgroßen Zyste (Hydatide) heran, in der sich der Parasit durch Sprossung in sog. Tochter- und Enkelblasen vermehrt. Dieses Stadium lässt sich mittels Ultraschall und Computertomografie eindeutig diagnostizieren. Die Erkrankten sind über lange Zeit ohne Krankheitssymptome; Beschwerden wie Druckgefühl im Oberbauch, Gallenkolik oder Gelbsucht entwickeln sich erst nach Jahren durch die Verdrängung anderer Organe. Wenn die Blasen platzen und sich der Inhalt in die freie Bauchhöhle und Blutbahn entleert, kommt es zu einem lebensgefährlichen allergischen Schock und einer Entzündung des Bauchfells. Die durch den Fuchsbandwurm hervorgerufene alveoläre Echinokokkose bildet zahlreiche kleine Finnen, die einem Krebsgeschwür gleich in die Umgebung eindringen und das Gewebe nach und nach zerstören. Auch hier werden meist Leber oder Lunge befallen, in selteneren Fällen aber auch andere Organe wie das Gehirn.
Behandlung: Große Zysten des Hundebandwurms werden häufig chirurgisch entfernt. Bei den infiltrierend wachsenden Zysten des Fuchsbandwurms ist dies oft nicht möglich; hier ist eine Langzeitbehandlung mit Spezialpräparaten (Parasitenmittel) hilfreich. Bei beiden Krankheiten kommt es oft zu Rückfällen.
Zur Verhinderung einer Ansteckung mit der Echinokokkose sollten Hunde und Katzen regelmäßig entwurmt werden. Innereien von Schlachttieren (v. a. Leber, Lunge und Milz) sollten nur nach Abkochen oder Tiefgefrieren (–18 °C, mindestens 3 Tage) als Hundefutter verwendet werden.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.12.2010
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