Sekunden bis Minuten anhaltende, plötzlich auftretende, starke Schmerzen hinter dem Brustbein oder in der linken Brustseite, die mit Vernichtungsgefühl, Beklemmung und Todesangst einhergehen. Eine Ausstrahlung der Schmerzen in den linken Arm, in Hals, Unterkiefer und Oberbauch ist möglich.
Ursache: Angina-pectoris-Anfälle sind Hauptsymptom der koronaren Herzkrankheit (KHK). Sie können durch körperliche Anstrengung, Stress, Aufregung, Kälte und/oder schwere Mahlzeiten ausgelöst werden. Bei einer selteneren Variante, der Prinzmetal-Angina, sind Verkrampfungen der Gefäßmuskulatur in den Herzkranzgefäßen die Ursache und weniger die arteriosklerotische Verengung dieser Gefäße. Sie betrifft zumeist jüngere Menschen, oft starke Raucher.
Befund: Häufig ist der Schmerzcharakter der Anfälle immer gleich, und die Schmerzen lassen sich durch die Anwendung von Nitroglyzerin beseitigen. Wenn die Anfälle ausschließlich bei Anstrengung auftreten, werden sie auch als Belastungsangina bezeichnet. Nehmen Häufigkeit und Dauer der Anfälle sowie die Schmerzintensität zu, treten die Schmerzen häufiger auch ohne körperliche Belastung auf (Ruheangina) und führen Medikamente nur noch verzögert zu einer Besserung der Beschwerden, spricht man von einem akuten Koronarsyndrom (Crescendoangina, früher auch als instabile Angina pectoris bezeichnet). Da ein akuter Angina-pectoris-Anfall nicht immer eindeutig von einem Herzinfarkt zu unterscheiden ist, muss ein solcher durch EKG und Blutuntersuchung (Bestimmung der Herzmuskelenzyme) ausgeschlossen werden. Weitere diagnostische Maßnahmen sind Belastungs-EKG, Langzeit-EKG und Herzultraschall. Zur Einschätzung des Schweregrades der Erkrankung kann eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt werden. Ein akutes Koronarsyndrom bedeutet höchste Herzinfarktgefahr! Es muss unbedingt der Arzt verständigt werden.
Behandlung: Ziel der Therapie eines akuten Angina-pectoris-Anfalls ist es, die Sauerstoffversorgung des Herzens zu verbessern und zu verhindern, dass Herzmuskelgewebe abstirbt (Herzinfarkt). Zunächst ist starke körperliche Anstrengung zu meiden. Eine medikamentöse Erweiterung der verengten Herzkranzgefäße erreicht man durch Nitroglyzerin (als Spray oder Zerbeißkapseln). Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und das Entfernen beengender Kleidung schaffen Erleichterung. Bei anhaltenden, starken Schmerzen mit Erstickungsangst werden die Verabreichung von Sauerstoff, ein stark wirksames Schmerzmittel, am besten Morphin, ein Betablocker und ein ACE-Hemmer zur Blutdrucksenkung notwendig. Um weiteren Anfällen vorzubeugen, wird eine medikamentöse Dauerbehandlung mit Nitropräparaten, Thrombozytenaggregationshemmern wie Acetylsalicylsäure und/oder Clopidogrel, Betablockern und ACE-Hemmern empfohlen. Je nach Erfolg der medikamentösen Behandlung und Schweregrad der koronaren Herzkrankheit kommen auch Eingriffe wie eine Angioplastie (PTCA) mit Einlegen eines Koronarstents oder eine Bypassoperation (Bypass) infrage.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 07.12.2010
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