10 Tipps zur Vorbereitung aufs Krankenhaus

Vom Auswählen der Klinik bis zur Entlassung: Wie Sie sich für einen Klinikaufenthalt rüsten und welche Fragen Sie vorab stellen sollten

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 08.03.2016

Auskünfte vom Arzt: Ein fester Ansprechpartner im Krankenhaus ist wichtig

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Im Jahr 2014 wurden in deutschen Krankenhäusern über 19 Millionen Patienten stationär behandelt. Die durchschnittliche Verweildauer lag bei 7,4 Tagen. Wie der Aufenthalt im Krankenhaus verläuft, hängt auch vom Patienten selbst ab. Jeder kann sich gut vorbereiten, damit in der Klinik alles gut abläuft.

Unter anderem ist die Kommunikation ein wichtiger Faktor: "Ein guter Kontakt mit dem medizinischen Personal trägt nachweislich zur Gesundung bei", sagt Professor Hartmut Siebert aus Schwäbisch Hall. Er ist Chirurg und stellvertretender Vorsitzender beim Aktionsbündnis Patientensicherheit, das sich für eine sichere Gesundheitsversorgung einsetzt. Folgende Tipps sind ihm wichtig.


  • 1. Das richtige Krankenhaus auswählen

    Um eine geeignete Klinik zu finden, hilft es meist, mit seinem behandelnden Arzt zu sprechen. Führt das nicht zum Ziel, fragen viele ihre Bekannten und Verwandten nach deren Erfahrungen. Eine weitere Möglichkeit ist die Recherche in Internetportalen.

    Zum Beispiel gibt es die Krankenhaussuche der Weissen Liste. Nach Eingabe der gewünschten Behandlung und der Postleitzahl zeigt die Webseite geeignete Krankenhäuser an. Außerdem teilt sie mit, wie viele Patienten im vorherigen Jahr behandelt wurden, wie die Klinik für die Behandlung ausgestattet ist und welche Kriterien sie bei der Patientensicherheit und Hygiene erfüllt. Die Daten stammen aus den Qualitätsberichten, die jedes Krankenhaus veröffentlichen muss. Außerdem gibt die Seite an, wie viele Patienten die Klinik weiterempfehlen. Viele Nutzer haben selbst Erfahrungsberichte verfasst.


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  • 2. Vorab Gespräch mit dem Arzt suchen

    Hartmut Siebert vom Aktionsbündnis Patientensicherheit empfiehlt, vor der endgültigen Auswahl die Klinik zu besuchen und mit den Ärzten vor Ort zu sprechen. "Der persönliche Kontakt sagt oft am meisten darüber aus, ob man sich später dort gut aufgehoben fühlt." Solche Beobachtungen können bereits im Vorfeld viel über den Standard einer Klinik verraten: zum Beispiel ob das Personal hektisch agiert oder Ruhe bewahrt und freundlich bleibt. Wie lange der Arzt den Patienten warten lässt, ob er sich gegebenenfalls für die Wartezeit entschuldigt. Und nicht zuletzt wie sauber es in den Empfangsräumen aussieht.

    Beim Gespräch sollte der Patient dann darauf achten, ob er sich nur als Kunde oder als Mensch angenommen fühlt, sagt Siebert: "Starrt der Arzt ständig in seinen Monitor oder nimmt er sein Gegenüber wahr und beantwortet Fragen bereitwillig und verständlich?" Vor allem sollten Patienten darauf achten, ob der Arzt auch Behandlungsalternativen und Risiken sowie mögliche Komplikationen erwähnt oder sie verschweigt.


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  • 3. Wichtige Fragen aufschreiben

    Entscheidende Fragen am besten vor dem Gespräch aufschreiben. Zum Beispiel:

    • Muss ich mich operieren lassen oder gibt es andere Möglichkeiten?
    • Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsformen?
    • Können meine Vorerkrankungen ein zusätzliches Risiko bedeuten?
    • Sind vorhandene Allergien oder Unverträglichkeiten für den Eingriff bedeutend?
    • Wie viele dieser Operationen hat eine Klinik im vergangenen Jahr durchgeführt, und welche Komplikationen traten auf?

    "Komplikationen bedeuten aber nicht automatisch, dass es ein Fehler des Arztes war", erklärt Siebert. Denn darunter fallen auch alle möglichen unerwarteten und unvermeidbaren Ereignisse. Die Zahl der Operationen pro Jahr kann ein Hinweis darauf sein, wie routiniert die Behandlung in der Klinik abläuft.

    Kommt im Lauf des Gesprächs ein ungutes Gefühl auf, am besten überlegen, wodurch es ausgelöst wird und den Punkt offen ansprechen. "Lässt sich das Gefühl nicht beseitigen, würde ich auch nicht in das Krankenhaus gehen", meint Siebert.


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  • 4. Angehörige einbeziehen

    Wer sich beim Kontakt mit den Ärzten überfordert fühlt, bittet am besten Angehörige um Unterstützung. Sie können bei den Gesprächen dabei sein, an weitere Fragen denken und sich die Antworten merken. Die Angehörigen können auch alleine mit dem Arzt die Situation besprechen. Allerdings ist dafür ein schriftliches Einverständnis nötig, damit der Arzt Auskünfte geben darf.

    Vor größeren Eingriffen sollte sich der Patient überlegen, ob er eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung ausfüllt. Falls er nach der Operation nicht mehr dazu in der Lage ist, gibt die Vorsorgevollmacht an, wer stellvertretend wichtige Entscheidungen fällt. Die Patientenverfügung legt fest, wie der eigene Wille in kritischen Situationen lautet.


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  • 5. Klären, wer der primäre Ansprechpartner ist

    Im Krankenhaus herrscht unter den Ärzten Arbeitsteilung. Zum Beispiel kann es sein, dass zunächst der Chefarzt den Eingriff mit dem Patienten bespricht. Die Operation selbst führt dann ein Oberarzt aus. Die Betreuung danach auf Station übernimmt eventuell ein Assistenzarzt.

    Das kann recht verwirrend sein. Deshalb ist es sinnvoll, frühzeitig zu fragen, welcher Arzt als Hauptansprechpartner fungiert. Wer übrigens eine Chefarztbehandlung beantragt, sollte sich nicht scheuen, nachzufragen, ob der Chefarzt oder sein Stellvertreter überhaupt die meiste Zeit vor Ort sind, so Siebert: "Manche Chefärzte besuchen sehr viele Kongresse oder sind wegen anderen Verpflichtungen abwesend."


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  • 6. Auf Augenhöhe mit dem Personal umgehen

    "Der Aufenthalt im Krankenhaus ist immer ein Geben und Nehmen", sagt Siebert. Jeder Patient möchte als Mensch behandelt und wertgeschätzt werden. Er sollte aber auch nicht vergessen, dass es sich bei den Ärzten und Pflegenden ebenfalls um Menschen handelt. Am besten sich mit allen namentlich bekannt machen, um als Person wahrgenommen zu werden. Und es umgekehrt nicht persönlich nehmen, falls im allgemeinen Stress mal unfreundliche Worte fallen. "Reagieren Sie dann verständnisvoll. Aber sprechen Sie tags darauf den Vorfall in Ruhe an und stellen Sie klar, dass Sie eine derartige Behandlung nicht gewohnt sind", rät Siebert.

    Falls der Patient die medizinischen Anweisungen nicht versteht, sollte er unbedingt nachfragen, damit keine Missverständnisse entstehen.


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  • 7. Auf Medikamente achten

    Zu Beginn des Aufenthalts unbedingt alle bisher eingenommenen Medikamente mitteilen. Das gilt auch für Vitamine, Mineralstoffe und nicht rezeptpflichtige Mittel. Nicht selten sehen im Krankenhaus Arzneien mit demselben Wirkstoff anders aus, weil sie von einer anderen Firma stammen. Wer ohne Erklärung ihm bisher unbekannte Tabletten erhält, sollte beim Pflegepersonal nachhaken, um welche Präparate es sich handelt und was bei der Einnahme zu beachten ist.

    Falls einmal die Vermutung aufkommt, dass beim Austeilen der Arzneien eine Verwechslung vorliegen könnte: Nicht unkritisch die Pillen schlucken, sondern sofort rückfragen. "Man sollte den Pflegenden oder Ärzten sofort Bescheid geben, falls nach der Einnahme eines neuen Medikaments Beschwerden auftreten", rät Siebert.


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  • 8. Sich vor Stürzen in Acht nehmen

    Stürze können mit schweren Verletzungen einhergehen und die Genesung stark verzögern oder sogar unmöglich machen. Wer in den letzten Monaten gestürzt ist, Probleme beim Aufstehen oder Gehen hat, Hilfsmittel zum Gehen benötigt oder unter Gleichgewichtsstörungen leidet, sagt das am besten gleich am Anfang den Ärzten und Pflegenden. Probleme beim Sehen oder Hören unbedingt angeben und gegebenenfalls Brille und Hörgerät verwenden.

    Gerade ältere Patienten sind unter Umständen nicht mehr so sicher auf den Beinen und sollten besonders vorsichtig sein: Um sich möglichst sicher in der ungewohnten Umgebung zu bewegen, hilft es, sich frühzeitig die Lichtschalter und Rufanlagen einzuprägen und sich den Weg zur Toilette einzuprägen. Genug Vorlaufzeit für den Gang zur Toilette einplanen. Immer langsam aus dem Bett aufsetzen, um Schwindel zu vermeiden. Beim Gehen auf Stolperfallen wie Türschwellen achten und Gehhilfen immer in Reichweite abstellen. Im Zweifelsfall bei nächtlichen Toilettengängen Personal herbeiklingeln. Aber vorher immer das Licht anschalten! Nicht am Nachttisch oder am Infusionsständer abstützen, weil sie kippen oder wegrollen können. Bei Angst, aus dem Bett zu fallen, lassen sich bei Krankenhausbetten auch Seitenteile anbringen. Mehr dazu in der Broschüre Vermeidung von Stürzen im Krankenhaus vom Aktionsbündnis Patientensicherheit.


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  • 9. Hygieneregeln beachten

    Durch die Patienten selbst, aber auch durch Besucher und Personal kommen viele Krankheitserreger mit in die Klinik. Gleichzeitig ist durch die eigene Erkrankung unter Umständen das Immunsystem nicht so leistungsfähig. Deshalb sollte man möglichst wenig Infektionsrisiken eingehen. Der größte Teil der Erreger wird durch Berührungen und Tröpfchen übertragen, wenn zum Beispiel zwei Menschen dieselben Gegenstände anfassen.

    Deshalb ist die Handhygiene besonders wichtig. Das Waschen und Desinfizieren der Hände empfiehlt sich nach jedem Gang zur Toilette, vor und nach dem Essen sowie generell, wenn man möglicherweise verschmutzte Gegenstände berührt hat. "Bitten Sie gegebenenfalls das Pflegepersonal, Sie beim Desinfizieren der Hände zu stützen, wenn Sie Hilfe benötigen", sagt Siebert. Angehörige auf Besuch sollten ebenfalls die Hygieneregeln einhalten und sich nicht aufs Bett setzen.

    Wer einen Verband, Wunddrainagen oder einen Blasenkatheter hat, sollte keinesfalls eigenmächtig daran herumbasteln. Falls damit verbunden Schmerzen auftreten, immer sofort beim Personal melden. Außerdem sollte das Pflegepersonal auch die Katheter ziehen, sobald sie nicht mehr nötig sind. Ausführlichere Informationen gibt es in der Broschüre zur Prävention von Krankenhausinfektionen.


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  • 10. Frühzeitig die Entlassung regeln

    Wenn das Ende des Krankenhausaufenthalts näher kommt, empfiehlt Siebert, sich wieder eine schriftliche Liste zu machen, was alles organisiert werden muss. Zum Beispiel:

    • Gibt es eine Anschlussheilbehandlung (Rehabilitation)?
    • Wie komme ich nach Hause, gegebenenfalls per Taxi oder Krankenwagen?
    • Wie geht es mit den Medikamenten weiter?
    • Wie sieht die Versorgung am Wochenende aus?
    • Wie soll ich mich ernähren?
    • Wie muss ich die Operationswunde weiterhin versorgen?
    • Kann ich länger sitzen und gehen oder sollte ich noch liegen?
    • Bekomme ich einen Arztbrief für den Hausarzt mit?

    Weitere Fragen finden sich auch in der Broschüre "Sicher im Krankenhaus" des Aktionsbündnisses Patientensicherheit.

    Meistens kommt das Pflegepersonal ein, zwei Tage vor der Entlassung vorbei, um diese Fragen zu besprechen. Teilweise gibt es in den Krankenhäusern auch Sozialdienste, die sich um die häusliche Versorgung kümmern.


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