Unsere Haut hat viel erlebt, die Zeit hat ihre Zeichen hinterlassen wie die Jahresringe bei einem Baum. Wie schön!
Meistens erscheint uns Zeit als etwas sehr Flüchtiges. Monate, Jahre, Jahrzehnte scheinen dahinzurasen, sind viel zu schnell vorbei. Doch sie hinterlassen ihre Spuren – in unserem Alltag, unserer Erinnerung und in unserem Gesicht. Mit Letzteren sind nicht alle einverstanden. An diese Spuren muss man sich im mittleren und höheren Alter gewöhnen – wer Anfang 40 noch mit Entsetzen auf seine Augenfältchen blickte, trägt sie 30 Jahre später vielleicht sogar mit Stolz.
So wie Lauren Hutton: „Unsere Falten sind doch die Orden für das Leben, das wir gelebt haben. Sie zeigen, was wir durchgemacht haben und wer wir sein möchten“, sagte das ehemalige Supermodel, 66 Jahre alt, im vergangenen Jahr im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Im wissenschaftlichen Sinn sind diese Zeit-Zeichen ganz normal: Die Haut verändert sich, sie altert. Sie bekommt nicht nur Falten – wichtige Funktionen wie die Talgproduktion und das Wasserbindungsvermögen lassen nach, stützende Fasern wie Kollagen und Elastin schwinden, tiefere Hautschichten werden dünner. Die Folge: Die Haut wird schlaffer und empfindlicher.
„Kleine Verletzungen brauchen zum Beispiel sehr lange, bis sie verheilen“, sagt Stefanie Germer, Fachberaterin für Dermokosmetik in einer Münchner Apotheke. „Zudem wird die Haut immer trockener.“ Was sie jetzt am nötigsten braucht, ist aber nicht Feuchtigkeit, sondern Fett. Geschmeidig machenden Talg kann sie nämlich nicht mehr ausreichend bilden, sie benötigt Lipide von außen.
Stefanie Germer empfiehlt deshalb eine reichhaltige Tages- und Nachtpflege, guten Sonnenschutz und eine tägliche Reinigung mit Reinigungsmilch und Gesichtswasser. Dabei gilt: „Die Haut darf nie spannen. Wer das Bedürfnis hat nachzucremen, benutzt die falsche Pflege“, sagt Expertin Germer.
Trockenheit gehört zu den größten Problemen der reifen Haut, laut Studien sind 80 Prozent der über 60-Jährigen davon betroffen. Sie ist auch meist die Ursache eines anderen häufigen Problems: Juckreiz. Die Faktoren, die ihn begünstigen, werden umso vielfältiger, je länger der Mensch lebt.
Im Alter sind wir anfälliger für Haut- und andere Erkrankungen wie etwa Diabetes, die Juckreiz auslösen können, und nehmen häufiger Medikamente (zum Beispiel Blutdrucksenker), zu deren möglichen Nebenwirkungen Hauttrockenheit und Juckreiz gehören. Manchmal führen auch andere Ursachen wie Eisenmangel, Infektionen oder Nierenprobleme dazu, dass die Haut kribbelt, brennt und juckt.
Die Suche nach dem Auslöser erweist sich dann oft als langwierig. Betroffene, die länger als sechs Wochen unter Juckreiz leiden, sollten sich auf jeden Fall beim Hausarzt oder bei einem Dermatologen gründlich untersuchen lassen.
Nicht jeder cremt konsequent
„Das größte Problem ist aber die trockene Haut“, sagt Professorin Elke Weisshaar, Dermatologin an der Universitätsklinik Heidelberg. In der Juckreiz-Sprechstunde hat sie die Erfahrung gemacht: „Viele Menschen cremen nicht konsequent genug, vor allem Männer.“
Chronisch trockene Haut kann schnell zu einem Ekzem führen – das noch mehr juckt und, aufgekratzt, blutige Krusten bildet. Damit es nicht so weit kommt, rät Elke Weisshaar zu Cremes und Lotionen mit mindestens fünf Prozent Harnstoff (Urea). „Er wirkt gut gegen Hauttrockenheit und auch juckreizstillend.“ Sie warnt jedoch: „Eingerissene Haut sollte man nicht mit Harnstoff behandeln, das brennt.“
Ein bereits vorhandenes Ekzem muss von einem Arzt behandelt werden. Dieser kann, gemeinsam mit dem Apotheker, auch wichtige Tipps zur richtigen Hautpflege geben. Vermeiden Sie zum Beispiel zu heißes Duschen oder Baden, um die Haut nicht auszutrocknen. Auch Seife sollte tabu sein, sie macht die Haut rau wie Schmirgelpapier.
Besser sind Duschprodukte mit rückfettenden Ölen und eine reichhaltige Körperlotion, mit der Sie sich täglich eincremen. Dann bleibt die Haut lange schön – trotz und gerade wegen der Zeichen der Zeit!
Nadja Katzenberger / Apotheken Umschau;
10.09.2010, aktualisiert am 25.10.2010
Bildnachweis: Getty Images/PhotoAlto
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