Nachgefragt
Macht Lippenbalsam süchtig?

Der häufige Griff zum Fettstift gehört für viele zur Alltags-Routine. Was Experten dazu sagen

Ein Fettstift hält die Lippen geschmeidig
Die Haut unserer Lippen besitzt praktisch keine Talgdrüsen, die einen schützenden Fettfilm produzieren und sie geschmeidig machen. Deshalb kann sie rasch austrocknen, spröde werden und einreißen – im Winter bei Kälte, im Sommer bei Hitze und direkter Sonnenbestrahlung. Hautärzte und Kosmetik-Experten raten deshalb, strapazierte Lippen von Zeit zu Zeit mit einem regenerierenden Pflegestift oder Balsam aus der Apotheke einzucremen. Neben Pflegestoffen (Süßmandelöl, Vitamin E, Panthenol) enthalten diese Mittel entzündungshemmende und heilende Wirkstoffe (Dexpanthenol, Bisabolol) und häufig auch noch einen Schutz vor gefährlichen UV-Strahlen.

Eine feine Sache also. Nun gibt es aber böse Zungen, die behaupten: Wer sich alle paar Minuten mit dem Stift über die Lippen fährt, ist süchtig. „Nein, das stimmt nicht“, sagt die Schweizer Toxikologin Dr. Margret Schlumpf, deren Firma GREENTox im Auftrag der Universität Zürich arbeitet. „Fettstifte können keine körperliche Abhängigkeit verursachen, weil ihre Inhaltsstoffe kein Suchtpotenzial bergen.“

Aber was steckt dann dahinter, wenn jemand nicht mehr ohne seinen Lippenbalsam aus dem Haus gehen mag? Nach Meinung von Dr. Andreas Kordon, Oberarzt an der Lübecker Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, handelt es sich allenfalls um eine Angewohnheit, eine Marotte. „Nur wer mehr als eine Stunde am Tag dieselben Handlungen wiederholt, leidet wahrscheinlich an einem krankhaften Zwang“, sagt er.


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