Meist fällt der erste Schnee überraschend. Beim Gang durch die Stadt kitzelt er auf der Nase, Flocken tanzen unter Straßenlaternen, ein morgendlicher Blick aus dem Fenster zeigt weiß überhauchte Bäume und Wege. Die kleinen Eiskristalle locken nach draußen. Schon ist die halbe Stadt auf dem Weg in Speicher oder Keller, kramt Ski, Schlittschuhe und Schlitten hervor. Auf Hochglanz werden die Kanten und Kufen poliert. Doch jetzt bitte nicht überstürzt ins Freie rennen. Auch die Haut muss erst noch sorgfältig auf die rauen Bedingungen des Winters vorbereitet werden.
Die kalte Jahreszeit ist zwar wunderschön, aber für die Haut eine Belastung. „Bei Kälte wird sie weniger durchblutet, alle Stoffwechselprozesse laufen langsamer, es werden weniger Talg und feuchtigkeitsbindende Substanzen produziert“, erklärt Dr. Jana Präßler, Dermatologin von der Hautklinik der Universität Jena. Dadurch sinkt der Feuchtigkeitsgehalt der Haut. Die niedrige Luftfeuchtigkeit in Räumen und im Freien verstärkt diese Wirkung noch. „Die Haut beginnt zu schuppen und zu spannen, zeigt Rötungen und verliert die Geschmeidigkeit. Es können sogar Austrocknungsekzeme entstehen“, berichtet die Expertin. Die richtige Pflege unserer schützenden Hülle wird jetzt noch wichtiger als zu anderen Jahreszeiten.
Das beginnt schon unter der Dusche oder in der Wanne. Auch wenn nach dem Skifahren Eein langes Bad verführerisch scheint – zu heiß sollte es nicht sein und nicht zu lange dauern, denn heißes Wasser trocknet die Haut aus. Auch auf die richtigen Pflegeprodukte kommt es jetzt an. „Günstig sind hautneutrale Syndets. Diese seifenfreien Produkte eignen sich besser als gewöhnliche Seifen, die Feuchtigkeit und Fett aus der Haut entfernen. Duschöle oder Ölbäder sind ebenfalls eine gute Wahl“, sagt Dr. Silke Hofmann, Dermatologin von der Universität Freiburg. Gleich nach dem Abtrocknen, wenn noch ein leichter Feuchtigkeitsfilm auf der Haut liegt, spendet eine Bodylotion mit einem höheren Fettgehalt der Haut dringend benötigte Nährstoffe. „Harnstoff, auch als Urea bezeichnet, bindet zusätzliche Feuchtigkeit“, berichtet die Expertin.
Die zarte Haut im Gesicht, an Hals und Nacken muss im Winter besonders viel aushalten. Während der Körper geschützt in Jacke oder Mantel steckt, strahlt die Sonne ungehindert auf das Gesicht, Schneeflocken schmelzen darauf, und der Wind kühlt es aus. Temperaturwechsel von 30 Grad sind im Winter keine Seltenheit, wenn man von drinnen nach draußen geht. Was tun? Vielleicht ein Peeling, um die raue, schuppige Haut ein bisschen zu glätten?
Sanfte Pflege bei Minusgraden
Die Experten raten davon einhellig ab. „Ein Peeling trägt die oberen Hautschichten ab“, sagt Präßler. Damit ist die Haut dem Wetter noch ungeschützter ausgesetzt. Im Winter also lieber selten peelen. Auch reinigende Masken und alkoholische Gesichtswasser bleiben besser im Regal, denn sie entziehen der Haut Feuchtigkeit.
Günstig wirken dagegen pflegende Masken – und natürlich Creme. Aber welche schützt jetzt besonders gut? Die eine für alle gibt es auch im Winter nicht. Je nach Hauttyp und -zustand braucht jeder Mensch eine etwas andere Pflege. Grundsätzlich gilt auch hier: „Je trockener die Haut ist, desto mehr Fett muss ihr zugeführt werden“, sagt Hofmann.
Natürlich darf die geliebte Feuchtigkeitscreme auch im Winter verwendet werden, aber bitte nicht als alleiniger Schutz beim stundenlangen Spazierengehen in eisiger Kälte. Dann drohen Erfrierungen der Haut. Tragen Sie Feuchtigkeitspflege besser abends auf. Während des Tages reicht für Mischhaut eine leichtere Fettcreme, eventuell mit UV-Schutz; Menschen mit trockener Haut brauchen mehr.
Doppelter Schutz für draußen
„Eine Kombination aus Sonnencreme und Fettcreme ist möglich, allerdings sollte man jeder Creme etwas Zeit zum Einwirken geben. Andernfalls können sich die Präparate in ihrer Wirkung gegenseitig hemmen“, sagt Hofmann. Das gilt auch für Menschen mit empfindlicher Haut, die endlich eine Creme gefunden haben, die sie vertragen: einfach auftragen, wirken lassen und später eine Fettcreme anwenden. Produkte mit Mandel-, Jojoba- oder Olivenöl, Sheabutter, Vitamin E und Dexpanthenol helfen besonders gut.
Bevor Sie jetzt aus dem Haus gehen, nehmen Sie sich noch ein paar Sekunden Zeit für die Lippen. Diese besitzen keine eigenen Talgdrüsen. Deshalb fühlen sie sich oft spröde und schuppig an, schnell kommt es zu schmerzhaften kleinen Rissen. Ein guter Pflegestift mit Glyzerin und Vitamin E schützt die empfindliche Haut und lässt sie wieder hübsch glänzen. Grundsätzlich gilt im Winter: Bei manchen Menschen reagiert die Haut gereizt und wird trockener. Dann kann es sein, dass sie eine reichhaltigere Tages- und Nachtpflege braucht. Am besten fragen Sie in der Apotheke, beim Hausarzt oder bei der Kosmetikerin nach.
Und nun schnell raus zum Rodeln, Skifahren oder zur Schneeballschlacht! Gut geschützt macht Sport im Winter richtig Spaß.
Annett Zündorf / Apotheken Umschau;
17.12.2010
Bildnachweis: iStock/4FR
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