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Cellulite: Das hilft gegen die Dellen

Es gibt kein Zaubermittel gegen die Cellulite – aber ein paar Tricks, um Orangenhaut zu mildern


Makellose Haut: Davon träumt sicher fast jede Frau

Schon Venus, ihres Zeichens römische Göttin der Schönheit, hatte Cellulite. Zumindest wenn es nach Peter Paul Rubens geht. Der Maler ließ der sonst eher grazil dargestellten Figur der Mythologie üppige Formen angedeihen. Überhaupt könnte man an den Werken des Barockkünstlers alle Grade der Cellulite studieren.

Damals gab es diese Bezeichnung aber noch nicht. Der Sammelbegriff für die Dellen an Po und Oberschenkeln, Oberarmen und Hüfte tauchte erst viel später auf. Angeblich wurde er im 19. Jahrhundert erstmals verwendet. Noch einmal später wurden die Veränderungen an der Hautoberfläche als kosmetisches Problem ausgemacht – in den 1960er-Jahren. Damals machte das sehr schlanke britische Topmodel Twiggy plötzlich dem Ideal der üppigeren Formen à la Marilyn Monroe Konkurrenz und läutete die Ära der Fitnesskurse und Diäten ein. Miniröcke kamen in Mode, Frauen zeigten mehr Bein.


Der Kampf gegen Cellulite begann, ein Wundermittel gegen die Dellen jedoch ist bis heute nicht bekannt. „Man kämpft hier gegen Strukturen an, die eigentlich von der Natur so vorgegeben sind“, erklärt Professorin Martina Kerscher, Dermatologin am Studiengang Kosmetikwissenschaft der Universität Hamburg. Während bei Männern ein gitterartiges Bindegewebe die Fettläppchen festhält, können diese bei Frauen nach außen drücken. Deren Bindegewebe ist lockerer, die Haut dünner. Ob und wie der Prozess von weiblichen Hormonen oder der Anti-Baby-Pille gefördert wird, ist noch nicht nachgewiesen.

Überhaupt ist wenig bewiesen, wenn es um das Thema Orangenhaut geht. Beispiel Anti-Cellulite-Cremes. Laut Verbrauchs- und Medienanalyse 2011 benutzen immerhin 3,2 Prozent aller deutschen Frauen über 14 sie mehrmals pro Woche. „Sehr gut und unabhängig untersucht sind hier nur die Wirkstoffe Koffein und Retinol“, berichtet Dr. Tatjana Pavicic, Ärztin für Ästhetische Dermatologie an der Hautklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Ergebnis: Koffein fördert tatsächlich die Durchblutung, Retinol (Vitamin A) strafft tatsächlich das Bindegewebe. Wegzaubern können die Anti-Cellulite-Produkte die Dellen zwar nicht, aber sie können das Hautbild zumindest ein wenig verbessern.

„Kombinieren Sie das Auftragen mit einer Massage“, rät Brigitte Hillen, Apothekerin in Neuwied, Rheinland-Pfalz – beispielsweise einer Zupfmassage. Alternativen sind Wechselduschen, Abreibungen mit einer Bürste, einem Frotteetuch oder einem Schwamm sowie Peelings vor dem Eincremen. „Alles, was die Durchblutung ankurbelt, unterstützt den Effekt der Kosmetika“, sagt Hillen.

Das wusste auch schon der Pionier der Anti-Dellen-Cremes, ein französischer Apotheker, der 1969 eine Massagebürste mit integrierter Seife gegen Cellulite auf den Markt brachte. Wer Po oder Schenkel mit Cremes straffen will, sollte etwas Geduld mitbringen. „Es dauert einige Wochen, bis sich erste Effekte zeigen. Eine Tube reicht meist nicht aus“, meint Brigitte Hillen. Weil die Produkte zweimal täglich angewendet werden sollen und weil die Dellen oft zurückkehren, wenn nicht mehr gecremt wird.

Das beste Mittel gegen Cellulite ist jedoch Sport. Bewegung lässt Fettdepots schmelzen oder gar nicht erst entstehen, sie kurbelt den Stoffwechsel an und wirkt sich positiv auf das Bindegewebe aus. Besonders gut eignen sich Schwimmen, Aquajogging und Aquagymnastik, denn das Wasser besitzt zusätzlich einen Massage-Effekt. Ideal ist auch eine Kombination aus sanftem Ausdauertraining wie etwa Schwimmen, Walken oder Radfahren mit gezielten Muskelübungen. Denn wer Muskeln aufbaut, verbraucht mehr Kalorien und formt gleichzeitig die Körperkonturen.

Wer dagegen auf Methoden wie Ultraschall, Laser, Rollmassage oder Fett-weg-Spritzen setzen will, sollte wissen: Für die meisten dieser Maßnahmen gibt es keine unabhängigen Wirkbelege. Im Frühjahr 2010 erschien in dem Fachblatt Journal of the American Academy of Dermatology eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit, die sich mit mehr als 50 Verfahren auseinandersetzte. Das ernüchternde Fazit: Es gibt keine Therapie, welche die Dellen garantiert mildert.

Doch die Forschung hat ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft. „Lange Zeit wurde Cellulite von der Wissenschaft nicht beachtet, der Nachholbedarf ist groß“, meint Pavicic. Cellulite sei keine Krankheit, erst nach und nach habe die Forschung deshalb den Leidensdruck der Frauen erkannt. Betroffen sind zwischen 80 und 90 Prozent – also fast alle.

Worauf setzt die Forschung heute ihre Hoffnungen? „Bei den Cremes ist es entscheidend, die Wirkstoffe ausreichend tief in die Haut zu transportieren“, sagt Kerscher. Das geschieht etwa mittels Nanotechnologie – kleinster Teilchen wie zum Beispiel Liposomen, die Wirkstoffe genau dort hinschleusen sollen, wo sie ihre Effekte entfalten. „Außerdem nimmt die Wissenschaft immer mehr Pflanzen unter die Lupe – beispielsweise Tigergras. Es enthält pflanzliche Wachstumsfaktoren, welche die Kollagenproduktion anregen und so das Bindegewebe festigen“, berichtet die Expertin weiter. Pavicic glaubt, dass sich Anwendungen mit bestimmten Eiweiß-Bestandteilen, sogenannten Signalpeptiden, lohnen könnten: „Sie regen Stoffwechselvorgänge an, unter anderem geben sie das Startsignal zur Kollagenbildung.“

Bis der Durchbruch gelingt, bleibt es jedoch bei den gängigen Empfehlungen: sich viel bewegen und ausgewogen ernähren, eventuell mit geeigneten Cremes etwas nachhelfen. Und vor allem: den Kampf gegen die Cellulite möglichst früh aufnehmen. „Vorbeugend lässt sich am meisten erreichen“, weiß Ärztin Pavicic. Ist erst einmal Grad drei oder vier erreicht – sind die Dellen also nicht mehr nur beim Sitzen oder beim Zusammenkneifen der Haut sichtbar –, wird es schwieriger. Vor allem, wenn die Mutter oder Schwester Cellulite hat, lohnt es sich, bereits in der Pubertät etwas zu tun, etwa gezielt Sport zu treiben. Denn schwaches Bindegewebe wird vererbt.

Der wichtigste Rat aber lautet wohl: gelassen bleiben! Straffe Haut am ganzen Körper mag zwar das Schönheitsideal sein, das uns Fernsehshows und Frauenzeitschriften vorgaukeln, aber es ist kein realistisches. Hätte Rubens seine Venus heute für ein Modemagazin gemalt, wären ihre üppigen Formen bestimmt verschwunden. Aber nicht durch irgendeine Spritze oder Creme – sondern durch geschickte Bildretusche.


Tipps gegen Cellulite

  • Kräftigeres Bindegewebe durch Gymnastik

    Formt die Beine: Stellen Sie die Füße breit auf, und gehen Sie in die Knie. Stellen Sie sich auf die Zehenspitzen, dann senken Sie die Fersen wieder. Kurz bevor diese den Boden berühren, ziehen Sie sie wieder nach oben. 15 Wiederholungen.


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  • Stärkere Muskeln durch Gymnastik

    Formt den Po: Gehen Sie in den Vierfüßlerstand. Heben Sie ein Bein im 90-Grad-Winkel nach oben. Senken Sie es wieder – aber legen Sie es nicht ab – und heben es erneut. Ideal sind drei Sätze pro Bein mit jeweils 15 Wiederholungen.


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  • Bessere Durchblutung dank Wechseldusche

    Beginnen Sie mit warmem Wasser, führen Sie den Strahl – wie hier eingezeichnet – von unten nach oben über die Beine. Nun wird es kalt! Der Duschkopf wird wieder über die Vorder- und Rückseite der Beine geführt. Je dreimal wiederholen, mit kaltem Wasser abschließen.


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  • Mehr Wirkung mit Zupfmassage

    Verteilen Sie die straffende Creme oder das Öl auf den betroffenen Stellen – am besten mit kreisförmigen Bewegungen und etwas Druck. Nehmen Sie anschließend jeweils eine kleine Hautpartie zwischen zwei Finger: nach oben ziehen, kurz halten. Vorsicht bei Besenreisern oder Krampfadern!


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Julia Rotherbl / Apotheken Umschau; 20.05.2011
Bildnachweis: W&B/Martina Ibelherr, Getty Images/Creative

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