Ohrringe: Hübsch, aber nicht immer verträglich

Wer sich Ohrlöcher stechen lässt, kann auf ungeahnte Probleme stoßen. Wie Sie Entzündungen und Allergien vermeiden
von Barbara Erbe, aktualisiert am 18.10.2016

Ohrringe sehen schön aus, können aber Beschwerden bereiten

Thinkstock/Hemera

Ob klassisch-dezent oder auffällig funkelnd: Ohrringe gehören für viele Menschen zum modischen Outfit dazu. Allerdings können Ohrlöcher und der Schmuck, der an ihnen hängt, teilweise Entzündungen und Allergien auslösen. Wer Ohrringe tragen möchte, dem raten Mediziner vor allem, auf makellose Hygiene beim Stechen zu achten – und auf hochwertiges Material, das nicht mit der Haut reagiert.

"Es ist eine Wunde, die man sich freiwillig zufügt", fasst der Wittener Hautarzt und Biologe Dr. Ulrich Klein seinen Standpunkt zusammen. Von den Folgen, die so eine Wunde nach sich ziehen kann, hat er in seiner Praxis schon einiges gesehen. Regelmäßig kommen Patientinnen und Patienten zu ihm, deren Ohrlöcher sich entzündet haben. Die Ursachen sind vielfältig: "Mal sind nach dem Stechen Keime an die Wunde gekommen, mal war ein Ohrring auf Dauer zu schwer oder aus schlecht verträglichem Material, mal ist er beim Umziehen am Pulli hängen geblieben und hat das Ohrläppchen eingerissen." Wie sich diese Beschwerden behandeln lassen, entscheidet der Arzt dann zusammen mit dem Patienten. Bei einer Entzündung kann er beispielsweise eine antibiotische Salbe verordnen. In anderen Fällen kann ein Wechsel der Ohrringe helfen.

Allergiegefahr durch Nickel

"Es kommt aber auch vor, dass sich durch eine Wunde oder Entzündung eine Kontaktallergie herausbildet", sagt Klein. So können sich etwa nach dem Stechen von Ohrlöchern Nickelteilchen aus dem Ohrstecker lösen, mit speziellen Immunzellen in Kontakt kommen und eine Nickelallergie auslösen. Das in vielen Ohrringen enthaltene Metall gilt als hochallergen.

Zwar ist gesetzlich geregelt, dass die Erststecker, also die Ohrringe, die nach dem Ohrlochstechen bis zum Abheilen in der Wunde bleiben, nicht mehr als 0,05 Prozent Nickel enthalten dürfen. "Aber selbst der häufig verwendete Chirurgenstahl enthält mehr, und etliche andere Stecker noch viel mehr." Hat sich eine Nickelallergie erst einmal entwickelt, wird es für Betroffene schwer, die Auslöser zu meiden. Denn Nickel kommt in vielen Alltagsgegenständen vor, beispielsweise in Metallreißverschlüssen, Münzen, Werkzeugen, Scheren sowie in Gold- und Silberschmuck.

Ohrlöcher für Kinder: Wenn, dann eher später als früher

Bei Kindern sollten Ohrlöcher aus diesem Grund so spät wie möglich gestochen werden, betont die Bad Homburger Kinderärztin Dr. Barbara Mühlfeld, "am besten nicht vor der Pubertät." Denn je früher eine mögliche Allergie einsetze, desto gravierender kann sie verlaufen. "Nicht zuletzt kann das bei Kindern, die sehr empfindlich reagieren, sogar zu Neurodermitis führen." Zudem kann gerade bei kleinen Kindern ein Stecker versehentlich auch mal in die Atemwege gelangen.

Schließlich verursacht das Stechen häufig Schmerzen und Entzündungen, "besonders wenn die Kleinen mit den Fingern an den ungewohnten Ohrring fassen." Da das Ohrläppchen bei Kindern noch wächst, kann es überdies passieren, dass das Ohrloch in späteren Jahren nicht mehr an der richtigen Stelle in der Mitte des Ohrläppchens, sondern im oberen Bereich liegt. Kinder- und Jugendärzte sehen daher das Ohrstechen bei den Kleinen kritisch und empfehlen ein Mindestalter von 14 Jahren.

Die richtige Stelle: Weit weg vom Knorpel

Auf einen weiteren Aspekt, den viele zunächst nicht bedenken, weist der Heilpraktiker Claus Peter Neumann aus München hin: "Wer die Naturheilkunde schätzt, sollte sich vor dem Stechen erkundigen, an welcher Stelle ein Ohrloch angesichts wichtiger Akupunkturpunkte oder möglicherweise auch Störfelder verträglich ist, und an welcher nicht."

Auf keinen Fall sollte oberhalb des Ohrläppchens gestochen werden, da sind sich die Experten einig. "Das Knorpelgewebe ist sehr schlecht durchblutet, der Stoffwechsel vollzieht sich an dieser Stelle extrem langsam", erläutert Dermatologe Klein. "Kommt es am Knorpelgewebe zu einer Entzündung, kann es Monate dauern, bis sie wieder heilt, und wulstige Narben können die Folge sein."

Steril stechen lassen, nickelfreies Metall wählen

Wer Ohrringe tragen möchte, sollte zunächst darauf achten, dass das Stechen komplett unter sterilen Bedingungen stattfindet, betont Medizinerin Barbara Mühlfeld. Ob beim Juwelier oder – was auch möglich ist – in einer Arztpraxis gestochen wird, hält sie für zweitrangig. "Wichtig ist der Vorgang selbst." Eine Ohrlochpistole, wie sie viele Juweliere verwenden, könne beispielsweise nicht sterilisiert werden und schieße recht stumpfe Ohrringe durch das Ohrläppchen, sodass das Gewebe hinterher schlechter abheile.

Eine Einmalnadel dagegen ist nicht nur steril, sondern auch spitzer und schonender in der Anwendung. "Hier hilft nur: sich erkundigen", rät Mühlfeld. Das gilt auch für das Material, aus dem die Erststecker sind. Die eingesetzten Erststecker sollten selbstverständlich steril verpackt sein. Was das Material betrifft, so empfiehlt die Expertin Titan, "denn das ist komplett nickelfrei." Eine Titanunverträglichkeit ist möglich, aber eher selten.

Meist dauert es vier bis sechs Wochen, bis die Ohrlöcher richtig verheilt sind. Erst danach, wenn die Wunde komplett geschlossen ist, dürfen die Erststecker gegen anderen Ohrschmuck getauscht werden. Dieser ist am besten nickelfrei, nicht zu schwer fürs Ohr und hat einen Draht oder Stecker, der so breit ist, dass er beim Tragen nicht ins Ohrläppchen schneidet.

Tipp: Halten Sie sich auch an die Ihnen empfohlenen Pflegetipps. Kommt es am Ohrloch zu einer schmerzhaften oder juckenden Rötung und Schwellung, gehen Sie sicherheitshalber zum Arzt.

 


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