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Kopfschmerzen:
Diagnose

Wann, wo und wie treten die Schmerzen auf? Die Krankengeschichte enthält entscheidende Hinweise auf die Art des Kopfschmerzes


Schnittbild: Ein MRT des Gehirns kann in manchen Fällen sinnvoll sein

Um zu ermitteln, um welche Kopfschmerzart es sich handelt, erhebt der Arzt eine genaue Krankengeschichte. Er fragt unter anderem nach Häufigkeit, Art und Dauer der Schmerzen, dem Kopfbereich, in dem sie auftreten sowie nach weiteren Krankheitszeichen, die zusammen mit oder vor dem Kopfweh auftreten, wie zum Beispiel Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen oder tränende Augen. Interessant ist auch, wann die Schmerzen genau vorliegen, wie lange sie andauern und was sie lindert oder verschlimmert.

Im Anschluss an die Erhebung der Krankengeschichte untersucht der Arzt den Patienten. Dabei wird er seine Aufmerksamkeit besonders auf Kopf und Hals richten. Er testet zusätzlich die Funktion der Nerven und untersucht eventuell auch die Augen.


Sind die Symptome typisch für eine bestimmte Art primärer Kopfschmerzen und ist die körperliche Untersuchung normal, so kann der Arzt die Diagnose stellen, ohne dass er weitere Untersuchungsverfahren bemühen muss.

Verstärkt sich hingegen ein bekannter Kopfschmerz, verändern sich die Beschwerden oder kann der Arzt die Symptome nicht eindeutig einer Gruppe von primären Kopfschmerzen zuordnen (insbesondere, wenn sie zum ersten Mal auftreten),  gilt es sicherzustellen, dass keine andere Erkrankung dahinter steckt. Dasselbe trifft zu, wenn zusätzlich zu den Kopfschmerzen bestimmte Symptome – wie zum Beispiel Sehstörungen, Sprechstörungen, Lähmungen, Krampfanfälle oder Taubheitsgefühl – auftreten.

Um der Ursache auf den Grund zu gehen, wird in den meisten Fällen zunächst das Gehirn mit einem bildgebenden Verfahren untersucht. Üblicherweise handelt es sich dabei um eine Magnetresonanztomografie (MRT). Besteht der Verdacht auf eine frische Blutung oder soll eine solche ausgeschlossen werden, kann aber auch eine (CT) sinnvoll sein. Computertomografie

Vermutet der Arzt sekundäre Kopfschmerzen, so kommt zusätzlich eine breite Palette an Diagnosemethoden in Frage, aus denen er diejenigen auswählen muss, die ihm helfen können, seine Verdachtsdiagnose zu bestätigen und/oder schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen.

Geht es darum, ob ein Anfallsleiden (Epilepsie) vorliegt, kann zum Beispiel eine Aufzeichnung der Hirnströme (EEG) klärend sein. Beim Verdacht auf eine Hirnhautentzündung (Meningitis) ist es hingegen notwendig, Nervenwasser (Liquor) für eine Untersuchung im Labor zu gewinnen (siehe Meningitis). Manchmal hilft es auch weiter, bestimmte Blutwerte zu bestimmen – zum Beispiel die Entzündungsparameter, wenn der Arzt glaubt, dass eine Entzündung der Schläfenarterie vorliegen könnte. In anderen Fällen können Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen sinnvoll sein, beispielsweise, wenn der Verdacht auf eine Nasennebenhöhlenentzündung besteht oder ein Einriss der gehirnversorgenden Gefäße im Halsbereich als Ursache der Kopfschmerzen in Frage kommt.

Migräne

Die Diagnose Migräne stützt sich auf das typische Beschwerdebild und den Verlauf der Erkrankung. Als sogenannte Hauptmerkmale für die Diagnose gelten laut der Internationalen Headache Society (IHS):

  • einseitige Kopfschmerzen
  • pulsierender Schmerz
  • mäßige bis starke Schmerzen mit einer erheblichen Einschränkung der Alltagsaktivitäten
  • Verschlimmerung der Schmerzen durch körperliche Aktivität

Als Begleitmerkmale bezeichnet die IHS:

  • Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Lichtempfindlichkeit und Lärmempfindlichkeit

Für die Diagnose Migräne müssen mindestens zwei Hauptmerkmale und ein Begleitmerkmal vorliegen. Die Dauer der unbehandelten Attacken muss jeweils zwischen vier und 72 Stunden betragen haben und der Arzt sollte ausschließen können, dass eine andere Erkrankung den Kopfschmerzen zugrunde liegt. Zusätzlich sollten der aktuellen Kopfschmerzattacke bereits wenigstens fünf weitere im Laufe des Lebens vorausgegangen sein.

Falls es Zweifel an der Diagnose gibt oder gemeinsam mit den Kopfschmerzen ungewöhnliche Symptome wie anhaltenden Lähmungen oder Bewusstseinstrübung auftreten, so wird der Arzt weitere Untersuchungen anordnen, um andere Ursachen für den Kopfschmerz auszuschließen.

Spannungskopfschmerz

Bei Spannungskopfschmerzen geben dem Arzt ebenfalls Krankengeschichte und körperliche Untersuchung die entscheidenden Hinweise für die Diagnose. Typischerweise dauern Spannungskopfschmerzen zwischen 30 Minuten und einer Woche. Laut der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft sollten weder Erbrechen noch Übelkeit auftreten und allenfalls eines der beiden Symptome Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit. Zudem müssen mindestens zwei der folgenden Merkmale zutreffen:

  • Drückende oder beengende Schmerzen, die nicht pulsieren
  • Beide Kopfseiten sind betroffen
  • Leichte bis mittlere Schmerzstärke
  • Körperliche Aktivität verstärkt die Schmerzen nicht

Um die Diagnose Spannungskopfschmerzen stellen zu können, sollten zudem bereits wenigstens zehn solcher Kopfschmerzperioden im Laufe des Lebens aufgetreten sein.

Kann der Arzt weitgehend sicher ausschließen, dass eine andere Erkrankung hinter den Kopfschmerzen steckt, sind keine weiteren Untersuchungen nötig. Lassen sich die Symptome jedoch nicht eindeutig zuordnen oder gibt es Zweifel an der Diagnose, können weitere Untersuchungen notwendig sein.

Zur Unterteilung der Spannungskopfschmerzen in selten und häufig auftretende episodische sowie chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp siehe Kapitel „Symptome (2)“.

Clusterkopfschmerz

Auch hier sind die Krankengeschichte und die körperliche Untersuchung die wichtigsten Anhaltsfaktoren für die Diagnose. Treten die Kopfschmerzen das erste Mal auf, ergibt die Untersuchung durch den Arzt auffällige Befunde oder steht die Diagnose nicht eindeutig fest, sollten sicherheitshalber zum Ausschluss anderer Ursachen ein Computertomogramm (CT) der Schädelbasis und eine Magnetresonanzuntersuchung des Kopfes und Kopf-Hals-Überganges gemacht werden. Eventuell sind darüber hinaus auch noch weitere Untersuchungen (zum Beispiel eine Gewinnung und Untersuchung von Nervenwasser) notwendig.

Paroxysmale Hemikranie und SUNCT-Syndrom

Entscheidend für die Diagnose der paroxysmalen Hemikranie sowie des SUNCT-Syndroms ist ebenfalls das typische Krankheitsbild (siehe Kapitel „Symptome“).

Zusätzlich gilt für die paroxysmale Hemikranie die Besonderheit, dass sie immer und vollständig durch den Wirkstoff Indometacin beseitigt wird. Verabreicht der Arzt das Medikament und verschwinden die Beschwerden innerhalb kurzer Zeit, so ist dies ein untrügliches Zeichen, dass eine paroxysmale Hemikranie vorliegt. Neben der attackenartigen Hemikranie kommt auch eine dauerhaft anhaltende Form dieses Kopfschmerzes vor, genannt Hemicrania continua, die sich ebenfalls sofort auf Indometacin bessert.

Sowohl für die paroxysmale Hemikranie als auch für das SUNCT-Syndrom gilt wie beim Clusterkopfschmerz: Treten die Kopfschmerzen das erste Mal auf, ergibt die Untersuchung durch den Arzt auffällige Befunde oder steht die Diagnose nicht eindeutig fest, sollten sicherheitshalber zum Ausschluss anderer Ursachen ein Computertomogramm (CT) der Schädelbasis und eine Magnetresonanzuntersuchung des Kopfes und Kopf-Hals-Überganges sowie gegebenenfalls noch weiter Untersuchungen gemacht werden.



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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 08.12.2011
Bildnachweis: Foto: W&B/ Klinik für Radiologie, Universität Innsbruck

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