Knochenbruch

Knochen
Gelenknaher Knochenbruch

Zusammenfassung:
In den letzten zwanzig Jahren hat es in der Behandlung von Knochenbrüchen einen großen Wandel gegeben. Stand vorher die Behandlung mit konservativer Ruhigstellung im Vordergrund, so ist jetzt Fixierung der gebrochenen Knochen mittels chirurgisch eingesetzter Schrauben, Platten oder Nägel meistens die Therapie der Wahl. Damit kann die Zeit der Ruhigstellung mit einem starren Verband - Gips oder Kunststoffgips - verringert und die physikalische Nachbehandlung früher begonnen werden.
Auch Brüche des Oberschenkelhalses bei älteren Menschen können so ohne lange Bettlägerigkeit behandelt werden.
Durch die veränderte Ausrüstung im Schisport hat sich auch die Häufigkeit der Brüche verschoben. Knöchelbrüche sind rückgängig, Unterschenkelbrüche durch die höheren Schischuhe treten häufiger auf. Bei Kindern stehen Unterarmfrakturen im Vordergrund.


Ursachen

Der Großteil der Knochenbrüche entsteht durch äußere Gewalteinwirkungen, bei Autounfällen, im Sport oder bei Stürzen in Freizeit und Beruf. Wenn die Krafteinwirkung größer ist als die Knochenelastizität, bricht der Knochen. Bei Kindern können Knochen brechen, ohne dass die Knochenhaut beschädigt wird. Je nach Stärke, Richtung und Geschwindigkeit der Krafteinwirkung kann der Bruch einfacher oder komplizierter ausfallen. Bei Sportlern können beispielsweise Knochen auch durch fortwährende Überbelastung langsam (an)brechen (Stressfrakturen).
Besonders bei Frauen nach der Menopause kann sich die Knochendichte durch Kalziummangel zu lichten beginnen, die so genannte Osteoporose macht die Knochen dann bruchanfälliger. Auch Tumore können die Knochen schwächen (Knochenkrebs).

Folgeerkrankungen und Komplikationen
Bei der Knochenheilung kann es zur Bildung eines "Falschgelenkes" kommen, die auch Pseudarthrose genannt wird. Das ist eine Bruchstelle, an der die Kalzifizierung nicht in ausreichendem Maße geschieht. Der Knochen ist dann nur durch knorpelähnliches Gewebe verbunden, dem die Steifigkeit fehlt. Auch Infektionen an der Bruchstelle können den Heilungsverlauf verzögern oder verhindern.
Gebrochene Wirbel können folgenschwere Auswirkungen haben. Brüche an der Wirbelsäule können die Nerven des Rückenmarkes irreparabel schädigen und zu Lähmungserscheinungen führen (siehe Rückenmarksverletzungen, Bruch der Halswirbelsäule und Schleudertrauma).

Vorbeugung
Allgemeine Maßnahmen der Unfallverhütung, defensiv ausgeübter Sport oder das Tragen von Protektoren können helfen, das Risiko eines Knochenbruchs zu minimieren.

Beschwerden

Schmerzen an der Bruchstelle sind das deutlichste Zeichen für einen Knochenbruch. Die Bruchstelle ist berührungsempfindlich, eine Schwellung und Blutergüsse können sich bilden. Bei einem offenen Bruch blutet die Wunde, die Knochen-Enden können - völlig aus der Achse verschoben - die Haut durchbohren. Aus dem gebrochenen Knochen kann Blut in das umliegende Gewebe laufen. Äußerlich kann eine abnorme Fehlstellung sichtbar sein.

Diagnose

Eine eindeutige Diagnose bringt oft erst eine Röntgenuntersuchung. Die verletzte Stelle wird normalerweise in zwei Ebenen röntgenisiert. Spezialaufnahmen sind bei komplizierteren Brüchen nötig. Um ein genaues Verletzungsbild zu erstellen, muss nötigenfalls auch eine Computertomografie vorgenommen werden.

Behandlung

Die Erstbehandlung eines Knochenbruches erfolgt in der Regel nach der PECH-Regel: Pause, Eis, (C)Kompressionsverband und Hochlagern. Bei Verdacht auf einen Bruch der Wirbelsäule darf der Verletzte nicht bewegt werden.
Ein Knochenbruch heilt in der Regel, indem die Bruchstellen ganz nahe zu einander gebracht werden und neu nachwachsendes Knochengewebe die Bruchstelle zu überbrücken beginnt. Um diesen Prozess nicht zu gefährden, soll die Bruchstelle möglichst ruhig gestellt werden.
Früher war eine konservative Behandlung mit einem ruhig stellenden Gipsverband die Regel. Heute wird operativen Maßnahmen, welche die gebrochenen Knochenteile mit Schrauben, Platten oder Nägel fixieren, der Vorzug gegeben. Dadurch kann die Ruhigstellungszeit im starren Verband deutlich reduziert werden und früher mit Muskel kräftigenden und Gelenks mobilisierenden Übungen begonnen werden.
So benötigt die konservative Behandlung eines Bruches eines Handwurzelknochens sechs Wochen Oberarmgips und weitere sechs Wochen Unterarmgips. Erst anschließend erfolgt eine krankengymnastische Nachbehandlung von rund drei Monaten. Mit operativer Versorgung des Bruches durch eine Verschraubung kann die Ruhigstellung auf vier bis sechs Wochen Unterarmgips reduziert bzw. früher und aktiver mit Muskel kräftigenden Übungen begonnen werden. Auch bei Fingerbrüchen können durch operative Versorgung Fehlstellungen und damit verbundene Funktionsverluste besser vermieden werden.
Besonders für ältere Menschen bedeutet die operative Versorgung von Knochenbrüchen oft eine wesentliche Erleichterung. Ein Bruch des Oberschenkelhalses etwa zog eine konservative Behandlung im Streckverband von Wochen und Monaten nach sich. Durch eine Verschraubung des Oberschenkelknochens kann nun bereits nach ein paar Tagen mit der Belastung des verletzten Beines begonnen werden.
Prinzipiell gilt, dass die Ruhigstellung so kurz und so funktionell wie möglich durchgeführt werden sollte. Muskelschwund und Bewegungseinschränkungen der Gelenke können damit deutlich reduziert werden.
Vor einer Operation sollte dennoch immer eine zweite Expertenmeinung eingeholt werden.

Medikamentöse Behandlung
Die medikamentöse Behandlung dient zur Schmerzreduktion.
Kortisonfreie Schmerzmittel (NSAR) helfen.

Physikalische Therapie
Auch während der Immobilisationsphase sollen die Muskeln gekräftigt und die ruhiggestellten Gelenke mobil gehalten werden. Die Bewegungstherapie ist - auch im Gips - wichtig für die Thrombosenvorbeugung.
Methoden, die dafür angewandt werden, sind z.B. isometrisches Muskeltraining, passive Bewegungsübungen und Bewegungstherapie auf neurophysiologischer Grundlage nach dem PNF-Modell.
Elektrotherapie kann zur Muskellockerung eingesetzt werden.

Chirurgische Therapie
Die chronischen Schmerzen, die durch in Folge der Osteoporose entstehen, können durch neue Operationstechniken entscheidend gelindert werden. Bei der Vertebroplastie (Osteoplastie) wird ein langsam erhärtender Knochenzement in den Knochen gespritzt.

Hilfen für den Alltag
Für die Behandlung von Knochenbrüchen existiert eine Vielzahl an verschiedenen orthopädischen Hilfsmitteln, die je nach Bruch von einfachen Schienen über Gehhilfen bis hin zu speziellen Finger-, Hand- oder Beinorthesen reichen.

Heilungschancen
Ohne Komplikationen wachsen gesunde Knochen innerhalb von rund sechs Wochen wieder zusammen. Wird schon während der Immobilisationsphase und auch nach Abnahme des starren Verbandes ausreichend mit physikalischen Maßnahmen nachbehandelt, kann die volle Funktionsfähigkeit des Knochens wieder erreicht werden. Voraussetzung dafür ist, dass keine Nerven irreparabel geschädigt worden sind.
 
Letzte Aktualisierung:
04.05.2007 (Inge Smolek)
Autor:
Norbert Regitnig-Tillian
Experten für diese Seite:
Dr. med. Winfried Beck (Orthopädie)
OA Dr. med. Georg Rappold (Unfallchirurgie)
Dr. med. Thomas Sycha (Pharmakologie)
OA Dr. med. Peter Zenz (Orthopädie)

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.

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