Zusammenfassung:
Unter einem Läuferknie versteht man eine schmerzhafte Überbelastung, bei der die Kniescheibe am unteren Ende des Oberschenkels reibt und Knorpelschäden entstehen können. Diese Beschwerden gehören zu den häufigsten Beschwerden bei Läufern. Jeder vierte leidet daran, Frauen (28 Prozent) etwas häufiger als Männer (24 Prozent)
Ursachen | ||||
| Die Kniescheibe gleitet normalerweise beim Laufen leicht auf und ab, ohne dabei den Oberschenkelknochen zu berühren. Werden die Füße übermäßig nach innen gedreht, drehen sich auch die Unterschenkelknochen einwärts. Die Kniescheibe verschiebt sich seitlich nach innen, die angespannten Oberschenkelmuskeln wollen diese aber nach außen ziehen. Durch diese gegenläufigen Kräfte beginnen die Kniescheiben an den Oberschenkelknochen zu reiben. Ein Läuferknie kann auch entstehen, wenn die Kniescheibe zu weit oben im Kniegelenk verankert ist, oder wenn die hinteren Oberschenkelmuskeln zu schwach für die Gelenkstabilisierung sind. Begünstigt wird das Läuferknie durch X-Bein-Stellung. Diese macht Knorpelschäden im Knie und an der Unterseite der Kniescheibe wahrscheinlicher. | ||||
Vorbeugung Muskelaufbautraining, Koordinationstraining und ein Aufwärmen der Muskulatur vor dem Sport helfen, dem Läuferknie vorzubeugen. Sportler, die im Training sehr lange Strecken zurücklegen, sollten auf gute Sportschuhe achten, welche die Energie beim Aufsetzen der Ferse soweit als möglich absorbieren. Die Lauftechnik sollte eventuell mittels Laufbandvideo überprüft werden. Nach dem Training kann Eis auf das Knie aufgelegt werden. Gewichtsreduktion durch richtige Ernährung bei Übergewicht hilft, die Belastung zu vermindern. | ||||
Beschwerden | ||||
| Schmerzen unterhalb der Kniescheibe (vor allem bei Bergläufen) sind typisch für das Läuferknie. Während des Laufens treten meist an der Unterseite der Kniescheibe Schmerzen auf. Anfangs treten die Beschwerden beim Bergablaufen, später generell beim Laufen auf. Mit der Zeit schmerzen die Knie auch beim Treppensteigen oder Sitzen mit abgewinkelten Beinen. Die Kniescheibe schmerzt, wenn sie berührt wird. Manchmal tritt auch das Gefühl des "Nachgebens der Kniegelenke" oder der "Gelenkblockade" auf. Darüber hinaus können knirschende Geräusche im vorderen Kniebereich und ein Anschwellen der Knie auftreten. | ||||
Diagnose | ||||
| Im Anamnesegespräch kann bei genauer Beschreibung der Schmerzen abgeklärt werden, ob neben dem Überbelastungssyndrom auch Kapsel-Bandverletzungen vorliegen. Um weitere Knieverletzungen ausschließen zu können, werden verschiedene Bewegungs- und Funktionstests durchgeführt (siehe auch Meniskusverletzungen, Kniearthrose und Bänderriss im Knie). Die Kniescheibe wird besonders auf Fehlstellungen und Schmerzempfindlichkeit untersucht, wobei darauf geachtet wird, ob sich die Kniescheibe ohne plötzliche ruckartige Bewegungen in ihrer Führung nach oben, unten und seitwärts verschieben lässt. | ||||
Bildgebende Verfahren Bei einer Röntgenuntersuchung werden Röntgenuntersuchung in mindestens zwei Ebenen und tangentiale Kniescheibengleitbahnaufnahmen gemacht. | ||||
Spezielle Diagnosetechniken Sonografie, Magnetresonanztomografie oder Computertomografie kommen dann zur Anwendung, wenn der Verdacht auf Knorpel, Muskel-, Kapsel- oder Bänderverletzungen besteht. Bei hartnäckigen vorderen Kniebeschwerden kann eine Szintigrafie gemacht werden. Damit lassen sich knöcherne Umbauprozesse aufdecken. | ||||
Behandlung | ||||
| Die konservative Therapie steht bei der Behandlung des überbeanspruchten Läuferknies im Vordergrund. Behandelt wird zunächst einmal mit kühlenden Wickeln. Mit dem Laufen sollte so lange ausgesetzt werden, bis die Schmerzen verschwinden, in der Regel sind das zwei bis drei Monate. Alternativ können zur Erhaltung der Kondition in der Zwischenzeit Radfahren, Rudern und Schwimmen ausgeübt werden, sofern dabei keine Schmerzen auftreten. Chirurgische Maßnahmen werden erst dann gesetzt, wenn der Band-Kapsel-Apparat, Knorpelgewebe und/oder Sehnen verletzt bzw. stark beschädigt sind (siehe auch Meniskusverletzungen, Kniearthrose und Bänderriss im Knie) oder wenn sich nach sechs bis neun Monaten intensiver physikalischer Therapie keine Besserung eingestellt hat. | ||||
Medikamentöse Behandlung Die medikamentöse Therapie dient der Schmerzreduktion und Entzündungshemmung. Sie kann systemisch und lokal durchgeführt werden. Eingesetzt werden peripher wirksame Analgetika bzw. Antiphlogistika (NSAR), ferner lokale Injektionen mit Anästhetika am größten Schmerzpunkt. | ||||
Physikalische Therapie | ||||
| ||||
Chirurgische Maßnahmen Vor jeder beabsichtigten Operation sollte eine zweite Expertenmeinung über die Sinnhaftigkeit des Eingriffes einholen. | ||||
Lösung der seitlichen Kniescheibenbändchen Wenn die Beschwerden nach sechs bis neun Monaten intensiver konservativer Therapie nicht verschwinden, können mit einem operativen Eingriff die seitlichen Bändchen, welche die Kniescheibe stabilisieren, gelöst werden. Damit kann sich die Kniescheibe beim Laufen besser einstellen, eine zu starke Schrägstellung wird beseitigt und damit der Druck auf die Gelenkfläche der Kniescheibe vermindert. Die Operation kann mittels Arthroskopie durchgeführt werden. | ||||
Die Wahl der Betäubung Die Operationen können mit lokaler Betäubung oder in Vollnarkose durchgeführt werden. Örtliche Betäubung belastet den Organismus weniger. Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden beträchtlich. | ||||
Risiken und Komplikationen In für diese Operationen spezialisierten Kliniken sind Komplikationen selten. | ||||
Nach der Operation Für die Nachbehandlung kann eine abnehmbare Orthese in Streckstellung für sechs Wochen notwendig sein. Eine Beugung des Knies über 60 Grad sollte in den ersten vier Wochen vermieden werden. Die geschwächten Muskeln sollen zuvor mit passiven isometrischen Übungen, dann durch Krafttraining und Koordinationstraining wieder aufgebaut werden. | ||||
Leben mit der Krankheit | ||||
| Die normale sportliche Aktivität sollten Läufer erst nach einer zwei- bis dreimonatigen schmerzfreien Phase wieder aufnehmen. Bergläufe sollten anfangs vermieden werden. Häufig wird zu früh mit dem Laufen begonnen, das Knie kann sich nicht richtig erholen, die Schmerzen bestehen fort. Für einen langfristigen Therapieerfolg ist es empfehlenswert, die Stretch-Dehnübungen auch nach dem Abklingen der Beschwerden fortzuführen. | ||||
| Fehlstellungen der Füße lassen sich durch korrekte Wahl bzw. Zurichtung der Lauf- und Straßenschuhe weitgehend ausgleichen. | ||||
| Letzte Aktualisierung: 02.05.2007 (Inge Smolek) |
| Autor: Norbert Regitnig-Tillian |
| Experten für diese Seite: Dr. med. Winfried Beck (Orthopädie) OA Dr. med. Georg Rappold (Unfallchiriurgie) Univ. Prof. Dr. med. Herbert Resch (Unfallchirurgie) OA Dr. med. Peter Zenz (Orthopädie) |
Quelle: surfmed; 13.09.2005, aktualisiert am 31.08.2007
Anzeige