Kreuzband-OP: Wie sieht die Reha aus?

Der Eingriff am vorderen Kreuzband dauert kaum zwei Stunden, doch es vergehen Monate, bis der Verletzte das Knie wieder richtig belasten kann. Ein Überblick
von Dr. Ralph Müller-Gesser, aktualisiert am 29.08.2016

Nach einer Kreuzband-OP müssen Patienten häufig eine Knieschiene tragen

Masterfile/

Oft schnalzt, kracht oder knallt es im Knie, wenn eines der beiden Kreuzbänder nachgibt. "Die acht bis zehn Millimeter dicken Bindegewebsstränge sind robust", sagt der Münchner Orthopäde Dr. Matthias Hoppert. "Sie reißen erst, wenn erhebliche Kräfte auf das Knie einwirken." Diese treten vor allem bei Stürzen, unkontrollierten Landungen oder übermäßigen Drehbewegungen auf, wie sie beim Fußball, Handball, Skifahren und im Kraftsport häufiger vorkommen. Meist reißt dann das vordere Kreuzband.

Kreuzband wird oft durch körpereigenes Gewebe ersetzt

Aktiven Menschen raten Orthopäden in diesem Fall fast immer zu einer Operation. "Das vordere Kreuzband stabilisiert das Knie", erklärt Knie- und Schulterspezialist Hoppert. "Wenn es fehlt, kann dies eine chronische Gelenkinstabilität nach sich ziehen." Reparieren lässt sich ein kaputtes Kreuzband nur selten. Meist ersetzt es der Operateur durch ein körpereigenes Transplantat des Patienten. Dafür eignet sich entweder ein Teil der Kniescheibensehne oder die Sehne eines Muskels an der Innenseite des Oberschenkels.

Das übliche Behandlungsschema nach der Operation berücksichtigt, dass das Transplantat einige Wochen bis Monate braucht, um fest in den Knochen einzuwachsen. Zudem verändert sich die Struktur der Ersatzsehne, denn sie muss neuen Belastungen standhalten. Hoppert: "Dieser Umbau schwächt das Transplantat zunächst einmal. Erst nach zirka sechs Monaten ist er abgeschlossen." Daher sollten Sportler und Hobbysportler mindestens ein halbes Jahr warten, bis sie sich wieder richtig belasten. Auch auf Tätigkeiten, die die Knie sehr stark strapazieren, sollte in dieser Zeit möglichst verzichtet werden.


Wo befinden sich die Kreuzbänder am Knie? Das sehen Sie in dieser Grafik

W&B/Szczesny/Neisel

Direkt nach der OP mit der Reha loslegen

Kühlen und Schonen sind unmittelbar nach der Operation oberstes Gebot, damit die Schwellung rasch zurückgeht und die Schmerzen verschwinden. Zudem im Fokus: die Streckung. Dazu kommt häufig eine Motorschiene zum Einsatz, die das Gelenk passiv bewegt und – wenn möglich – ganz streckt. Bis zu sechs Wochen empfehlen viele Orthopäden ihren Patienten, eine Knieschiene zu tragen. Diese lässt die komplette Streckung zu, verhindert aber gerade zu Anfang eine Beugung des Knies über 90 Grad.

Oberschenkelmuskeln kräftigen

Im Idealfall begleitet ein Physiotherapeut die gesamte Nachbehandlung. Vor allem in den ersten Wochen gilt es, Umfang, Intensität und Belastung der Übungen und Anwendungen immer wieder dem aktuellen Zustand des Knies anzupassen. Zunächst steht das Kräftigen der Oberschenkelmuskeln im Vordergrund, denn sowohl Kniestrecker als auch -beuger stabilisieren das Gelenk und entlasten den Kreuzbandersatz. Anfangs geht das Training über ein bloßes An- und Entspannen der Muskeln nicht hinaus. Wenig später kommen weitere Übungen wie leichte Kniebeugen hinzu. Daneben eignen sich zur Muskelkräftigung Trainingsgeräte wie die Beinpresse oder ein Fahrradergometer, aber auch Aqua-Joggen. Ab wann welche Übungen und Geräte genau geeignet sind, erläutert der Arzt oder behandelnde Physiotherapeut. Auf keinen Fall sollte man sich dabei zu viel vornehmen – falsche Belastung kann Schäden verursachen!

Treppen richtig steigen

Kraft ist wichtig, keine Frage. Wichtig ist aber auch eine gute Zusammenarbeit der einzelnen Muskeln. Deshalb raten Ärzte zusätzlich oft zu einem Koordinationstraining, das unter anderem aus Übungen auf instabilen Brettern, Kreiseln oder Rollbrettern besteht. Es kann üblicherweise etwa drei Wochen nach dem Eingriff beginnen. Ungefähr nach sechs Wochen können unter anderem Übungen auf dem Minitrampolin hinzukommen.

Eine spezielle Technik ermöglicht schon früh das Treppensteigen: Geht es nach oben, wird das gesunde Bein als erstes benutzt und das operierte nachgezogen, nach unten umgekehrt.

Langsam wieder Sport treiben

Auch der Einstieg in den Sport sollte langsam und entsprechend den Anweisungen des Arztes erfolgen. Fahrradfahren im Freien dürfen die Patienten in der Regel nach ungefähr zwei Monaten. "Allerdings nur auf ebener Strecke", schränkt Hoppert ein. "Mit Steigungen sollte man noch vier Wochen länger warten." Nach zirka drei Monaten sind dann auch oft wieder Bewegungsabläufe wie Kraulschwimmen möglich oder sogar Inline-Skaten – dies allerdings nur für Geübte.

Leichtes Lauftraining und Joggen erlauben Orthopäden gewöhnlich erst nach etwa vier Monaten. Eine Rückkehr in den ursprünglichen Sport – und auch die Teilnahme an Wettkämpfen – sollte frühestens sechs Monate nach der Operation erfolgen. Voraussetzung ist in jedem Fall: Grünes Licht vom Arzt, Schmerzfreiheit, keine Schwellung oder Instabilität sowie volle Muskelkraft und Beweglichkeit. Manchen Sportlern vermittelt das Tragen einer Knieschiene Sicherheit. Das sollten sie jedoch vorher mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Vorsicht vor unkontrollierten Bewegungen: Sie können das Transplantat schädigen. Ein Kreuzband-Ersatz bleibt immer ein Ersatz – nie wird es so stabil sein wie das ursprüngliche Band. "Daher ist es sinnvoll, das Krafttraining dauerhaft beizubehalten", empfiehlt Hoppert. Genau wie Koordinationsübungen.


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