Knieschmerzen
Kleiner Symptome-Check Knieschmerz

Wo was am Knie wehtun kann: Ein kurzer Rundgang mit Hinweisen zu Kniebeschwerden bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen

aktualisiert am 04.07.2016

So kompliziert, wie das Knie aufgebaut ist, so zahlreich sind auch die Beschwerden

PhotoDisc/ RYF

Liegen die Schmerzen mehr außen oder innen, vorne oder hinten am Knie? Verstärken sie sich bei Bewegungen, und wenn ja, bei welchen? Gibt es Begleitsymptome? Machen Sie sich ein erstes Bild. Hier ein paar Anhaltspunkte für Sie, hilfreich für den Termin beim Arzt.

Check-up Knieprobleme

  • Häufig schmerzt das Knie an der Innenseite, etwa bei einem Innenmeniskus-Schaden. Der Meniskus – es gibt zwei, in der Mehrzahl heißen sie Menisken – gleicht die am Knie sehr unebenen Gelenkflächen aus.

    Bei einem O-Bein kann sich auf der Innenseite eine Arthrose entwickeln, die sich im Laufe der Zeit schmerzhaft bemerkbar macht.

    Eine andere mögliche Ursache ist die Entzündung eines Schleimbeutels (Bursitis, hier der sogenannten Bursa anserina).

    Auch Sehnenschäden des Semimembranosus-Muskels, eines Kniebeugers, können an der Innenseite des Knies für Schmerzen verantwortlich sein, typischerweise beim Beugen, Gehen oder Laufen.

    Ähnlich verhält es sich bei einer Erkrankung namens Morbus Ahlbäck (Morbus bedeutet Krankheit). Dabei kommt es zu einem Defekt im Knochen aufgrund einer Durchblutungsstörung. Knieschmerzen treten plötzlich bei Belastung, aber auch in Ruhe auf (siehe unten). Druck mit dem Finger auf die Innenseite des Knies kann unangenehm sein.

Das kleinere "C" ist der Außenmeniskus, hier mit Einriss am Innenrand

W&B/Szczesny
  • An der Außenseite können Schmerzen ebenfalls durch Verschleiß (Arthrose) entstehen, allerdings hauptsächlich im Zuge eines X-Beins.

    Ein lädierter Außenmeniskus macht sich gleichfalls hier bemerkbar. Typische Ursachen für Schmerzen außen am Knie sind auch gereizte oder verschlissene Sehnen. Der medizinische Fachbegriff lautet Tendinose. In diese Kategorie gehört unter anderem das sogenannte Läuferknie bei Laufsportlern. Es äußert sich durch zunehmende Schmerzen beim Laufen, mit der Zeit auch beim Gehen, in Ruhe lassen sie nach.
  • In anderen Fällen wird der Schmerz hauptsächlich vorne am Knie verspürt, zum Beispiel beim Springerknie. Darunter versteht man eine Schädigung der Kniescheibensehne, auch Patellaspitzensyndrom genannt.

    Bei Jugendlichen ist das sehr ähnliche Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom eine mögliche Ursache.

    Auch Schäden oder Formvarianten der Kniescheibe, Schleimbeutelentzündungen im Frontbereich des Knies oder eine von selbst wieder heilbare Krankheit wie der Morbus Osgood-Schlatter, der im Kindes- und Jugendalter vorkommt, gehen mit Schmerzen vorne am Knie einher.
  • Hinten, in der Kniekehle, kann eine Baker-Zyste mehr oder weniger ausgeprägte Beschwerden oder ein Druckgefühl beim Beugen des Knies zur Folge haben – meistens wegen der damit verbundenen Schwellung. Ab einer bestimmten Größe ist die Zyste in der Kniekehle tastbar. Reißt sie ein, löst das prompt heftige Schmerzen aus.

    Weitere Schmerzursachen hier: Verletzungen eines Meniskus, wiederum Sehnenverschleiß von Kniebeugermuskeln, Gefäßprobleme wie Einengungen, Verschlüsse (Thrombosen) oder Aussackungen, Erkrankungen des Knochens, der Nerven oder der Haut.
  • Mehr oder weniger überall schmerzt das Knie bei jedweder Entzündung oder bei Rheuma, das Gelenk kann hier zudem deutlich geschwollen sein.
  • Zu den Beschwerden am Knie gehören im weiteren Sinn auch Hautrötung und -erwärmung, einseitig etwa bei einer lokalisierten Entzündung. Schmerzhaftes Einknicken kann bei einer Kniescheibenverrenkung oder einem Kreuzbandriss vorkommen. Streck- oder Beugehemmung bis zur Blockierung beziehungsweise aufgehobenen Belastbarkeit mit begleitender Schwellung (Bluterguss) deutet bei entsprechendem Verletzungshergang auf einen knienahen Bruch hin. Dahinter kann ansonsten auch eine Gelenkmaus stecken. Das ist ein ins Gelenk abgesetztes Knochenstück.

    Zu einem Überstreckschmerz und Schnappen kommt es zum Beispiel bei einem Meniskusriss.

    Fühl- und hörbare, knirschende oder reibende Phänomene, etwa beim Strecken des Knies gegen Widerstand, treten bei Verschleiß an der Kniescheibenrückseite auf. Schmerzen beim Strecken des Knies sind auch bei Reizungen des Knieschiebenbandes möglich.

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  • Bewegungsabhängige Schmerzen im Knie kennzeichnen, wie man sieht, viele Knieprobleme. Doch es gibt noch andere Konstellationen. Was ist, wenn das Knie ohne Bewegung, in Ruhelage, wehtut? "Anlaufschmerzen", Schmerzen nach Ruhe, nächtliche Schmerzen und Steifigkeit des Knies lassen zum Beispiel an eine Arthrose denken.

    Bei Belastung, nachts und in Ruhe einsetzende Knieschmerzen können aber auch im Verlauf der Ahlbäck-Erkrankung (siehe oben) und bei entzündlichem Rheuma festgestellt werden, außerdem bei "Wachstumsschmerzen" im Kindesalter. Ruheschmerzen und Morgensteifigkeit, die bis zu einer Stunde anhalten kann, sind zusammen mit anderen Beschwerden (siehe unten) für Rheuma recht typisch. Weitaus seltener verbirgt sich hinter Ruheschmerzen am Bein eine Knochengeschwulst.
  • Im Zuge einer Nervenwurzelreizung am Rücken (genauer: am Rückenmarkskanal), etwa durch einen Bandscheibenvorfall, können morgens oder in Ruhelage Schmerzen am Knie auftreten, übrigens mit und ohne Rückenschmerzen!
  • Knieschmerzen beim Treppengehen können auf eine Entzündung des Schleimbeutels unterhalb des inneren Gelenkspalts, der "Bursa anserina", ein Läuferknie, ein Springerknie oder einen Knorpelschaden der Kniescheibe hindeuten.

    Auch bei Kniearthrose ist das Treppengehen, vor allem abwärts, beschwerlich.
  • Neben dem Knie können bei manchen Erkrankungen auch noch andere Gelenke schmerzen. Zudem sind bei Gelenkschmerzen Begleitsymptome wie Schwellung des Gelenks, Rötung der umgebenden Haut, ein Hautausschlag, Fieber, Lymphknotenschwellungen und deutliches Krankheitsgefühl möglich. Solche Kombinationen weisen im Allgemeinen auf eine akute oder chronische Erkrankung hin, bei der es um mehr als "nur" ein Gelenk geht.

    Je nach Beschwerdebild kann zum Beispiel eine Infektion, ein Gichtanfall oder ein Krankheitsbild aus dem rheumatischen Formenkreis dahinter stecken, etwa ein systemischer Lupus erythematodes. Die Bezeichnung systemisch besagt, dass mehrere Organe betroffen sind.
  • Auch bei Kindern und Jugendlichen treten Knieschmerzen relativ häufig auf. Sie beruhen, wie schon erwähnt, nicht selten auf harmlosen "Wachstumsschmerzen" oder Störungen wie Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom oder Osgood-Schlatter-Krankheit.

    Auf einem anderen Blatt stehen Erkrankungen wie das Bluterknie, das schon erwähnte Rheuma und seltene Komplikationen bei Infektionskrankheiten wie Purpura Schoenlein-Henoch (etwa nach einem Atemwegsinfekt) und rheumatisches Fieber (nach einer Mandelentzündung wie Streptokokken-Angina).

    Gelegentlich entwickelt sich eine Geschwulsterkrankung. Tumoren des Bewegungssystems kommen allerdings nicht häufig vor, gutartige überwiegen.

    Sodann gibt es einige seltene erbliche Fieberkrankheiten, die mit periodisch wiederkehrenden Fieberschüben und Gelenkschmerzen verbunden sind. Darüber informiert der Beitrag "Fieber".

Fazit: Art und Ort eines Knieschmerzes geben dem Arzt bereits wichtige Anhaltspunkte für die Diagnose. Beobachten Sie selbst, was Ihnen auffällt. Wie er weiter vorgehen könnte, steht im Diagnose-Kapitel dieses Beitrags. Über die hier genannten Krankheitsbilder und mehr unter "Knieschmerzen – Ursachen" und "Knieschmerzen: Überblick".



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