Anmelden | Registrieren
Drucken

Knie: So operieren Ärzte einen Meniskus

Ist der Meniskus beschädigt, gilt bei Ärzten vor allem die Devise: möglichst viel Gewebe retten


Orthopäde Heinz-Jürgen Eichhorn betrachtet auf dem Bildschirm das Gelenkinnere seiner Patientin

Drei Monate schon leichte Beschwerden, dann zwei Tage im Garten gearbeitet und abends ein dickes Knie: Da wusste Martha E. sofort, was los war. Das musste der Meniskus sein. Er hatte sie schon zehn Jahre zuvor im anderen Bein geplagt. „Damals habe ich zu lange gewartet und bekam starke Schmerzen, weil sich ein gerissenes Stück verklemmt hatte“, berichtet Martha E. „Das sollte mir diesmal nicht wieder passieren.“

Deshalb liegt sie nun in Vollnarkose auf dem Operationstisch von Dr. Heinz-Jürgen Eichhorn – eine von 16 Patienten, die der Kniespezialist heute behandelt. An der Wand hängen Kernspinaufnahmen ihres Knies, über dem Tisch schwebt ein Bildschirm, auf dem Eichhorn das Knie-Innere in starker Vergrößerung betrachtet. Durch einen etwa vier Millimeter langen Schnitt führt er einen Schlauch mit einer Kamera ein und macht zunächst eine „Rundfahrt“, wie er sagt.



Jede Kniedrehung kann Mikrorisse im Meniskus hinterlassen. Oft mündet dann eine harmlose Bewegung in einem großen Riss

Der Knorpel an der Rückseite der Kniescheibe zeigt leichte Schäden, auf dem Außenmeniskus finden sich Kalkablagerungen, und der Innenmeniskus weist einen „Korbhenkel“ auf, einen Längsriss; ein Teil ist in die Gelenkfläche zwischen den beiden Knochen eingeschlagen. „Sonst sieht das Knie noch recht gut aus“, sagt Eichhorn, aber das eingerissene Stück muss raus, zumal es schon recht zerfleddert aussieht und bei älteren Menschen schlecht wieder anwächst.

Wann immer möglich, versuchen die Mediziner jedoch, das Gewebe zu retten. „Dazu braucht man einen glatten Riss, der weniger als zwei Millimeter vom Rand entfernt ist und bei dem der abgerissene Teil noch in Ordnung ist“, erklärt Professor Dieter Kohn von der orthopädischen Universitätsklinik des Saarlands. Bedingungen, die vor allem bei älteren Menschen selten zusammentreffen.

Über einen zweiten Schnitt führt Heinz-Jürgen Eichhorn einen weiteren Schlauch in das Knie von Martha E. ein. Mit Elektromesser und Saugfräse entfernt er den eingerissenen Meniskusteil, glättet den Rand und saugt Gewebefetzen ab. „Am Rand lasse ich auf jeden Fall etwas stehen, damit der Meniskus zumindest noch eine Restfunktion erfüllen kann“, erläutert der Orthopäde, der in drei bayerischen Kliniken Fußballprofis ebenso behandelt wie Kassenpatienten.

Gelegentlich ergänzt Eichhorn den fehlenden Teil durch künstliche Ersatzmaterialien, etwa wenn der Knorpelpuffer bei jungen Menschen nicht vernäht werden kann. „Die Patienten sind dann zunächst meist schmerzfrei, aber ob das eine Arthrose hinauszögert, wissen wir nicht“, räumt er ein.

Muss der Meniskus komplett entfernt werden, bleibt eine Transplantation als Alternative. Dieter Kohn führt sie gelegentlich bei jungen Menschen durch, die den Außenmeniskus verloren haben. „Das lässt die Schmerzen für fünf bis zehn Jahre verschwinden, aber mehr als ein Zeitgewinn ist es nicht“, bedauert er. Ein vollwertiger Ersatz für das Original – das wird wohl noch lange ein Traum bleiben.



Dr. Reinhard Door / Apotheken Umschau; 18.07.2011
Bildnachweis: W&B/Jörg Neisel, W&B/Wolf Heider-Sawall

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Bänderriss im Knie

Knie verdreht? Heftige Knieschmerzen? Oft sind dann Bänder im Knie gerissen, zum Beispiel Kreuzband, Innenband oder Außenband. Kreuzbandrisse gehören zu den häufigen Sportverletzungen. Mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie der Bänderrisse »

Wie oft grillen Sie in den Sommermonaten?

Sudoku

Die beliebte japanische Knobelei in unendlichen Variationen hier online spielen »

Memo-Spiele

Unsere Kartenaufdeck-Spiele, das ähnlich wie das klassische Memory® funktioniert »

Medikamentencheck

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Arzneien überprüfen »

Vorsorge-Rechner

Welche Vorsorgeuntersuchung können Sie wann in Anspruch nehmen? Unser Rechner sagt es Ihnen »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung