Kehlkopfentzündung (Laryngitis)

Der Begriff Laryngitis (Kehlkopfentzündung) bezeichnet eine Entzündung der Kehlkopfschleimhaut, die häufig durch eine Virusinfektion ausgelöst wird. Eine Behandlung der Ursache ist daher in den meisten Fällen nicht möglich, jedoch können die Symptome durch entsprechende Maßnahmen gelindert werden

aktualisiert am 19.03.2015

Schwache Stimme: Eine Kehlkopfentzündung kann zu Heiserkeit führen

W&B/Marcel Weber

Was ist eine Laryngitis?

Als Kehlkopfentzündung (Laryngitis) bezeichnet man eine akute oder länger anhaltende (chronische) Entzündung der Kehlkopfschleimhaut. Typische Symptome sind Heiserkeit und Husten. Schwillt die Kehlkopfschleimhaut stark an, kann es in seltenen Fällen auch zu Atemnot kommen.


Die Kehlkopfregion: Über das Zungenbein (gelblich) sieht man den Kehldeckel hervorragen (rot). Darunter liegen der Schild- und der kleinere Ringknorpel (beide graublau)

W&B/Kühn

Ob Singen, Sprechen oder Schreien, der Kehlkopf ist ganz wesentlich an der Lautbildung beteiligt. Er befindet sich oberhalb der Luftröhre und wird in drei Abschnitte unterteilt: Im oberen Abschnitt liegt der Kehldeckel (Epiglottis), ein Knorpel, der den Kehlkopfeingang während des Schluckakts verschließt und damit das Eindringen von Nahrung in die Luftröhre verhindert. In der Mitte des Kehlkopfes befinden sich die Stimmlippen, der untere Abschnitt des Kehlkopfs geht in die Luftröhre über. Das Gerüst des Kehlkopfes bilden der Schildknorpel und der darunter befindliche Ringknorpel. Bei Männern zeichnet sich der Schildknorpel oft als sogenannter "Adamsapfel" außen am Hals ab.

Eine akute Laryngitis ist meist Folge einer Virusinfektion und  lässt sich in der Regel mit einfachen Mitteln wie Stimmschonung, Dampfinhalationen sowie schleimlösenden und entzündungshemmenden Medikamenten behandeln. Bei der selten auftretenden bakteriellen Begleiterkrankung verordnet der Arzt zusätzlich ein Antibiotikum.


Eine akute Kehlkopfentzündung heilt normalerweise innerhalb von wenigen Tagen folgenlos aus. Da der Kehlkopf den Eingang zur Luftröhre bildet und eine Schwellung die Luftzufuhr beeinträchtigen kann, entwickeln sich jedoch in seltenen Fällen auch lebensbedrohliche Komplikationen wie eine Atemnot. In diesen Fällen erfolgt die Therapie im Krankenhaus. Zur Abschwellung der Schleimhaut muss dann meist das entzündungshemmende Mittel Kortison gegeben werden.


Nicht übertreiben: Wer laut grölt, kann die Stimme überlasten

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Ursachen und Risikofaktoren

Eine akute Kehlkopfentzündung (Laryngitis) entwickelt sich oft im Rahmen von virusbedingten Entzündungen der oberen Atemwege, wie zum Beispiel bei einer Erkältung. Selten können einmal Bakterien eine Rolle spielen. Auch mechanische oder chemische Reize, zum Beispiel eine kurzzeitige, starke Belastung der Stimme durch lautes Reden oder Schreien, trockene Luft sowie schädliche Substanzen wie Zigarettenrauch oder Reizgase können eine akute Laryngitis auslösen.

Wird die Kehlkopfschleimhaut fortlaufend gereizt, zum Beispiel durch Zigarettenrauch, entwickelt sich eine chronische Kehlkopfentzündung. Weitere typische Auslöser für eine chronische Laryngitis sind Schadstoffe in der Atemluft wie Industrieabgase sowie eine andauernde, übermäßige oder falsche Belastung der Stimme durch Singen oder langes oder lautes Reden.


Husten und kratzender Hals: Das können Anzeichen einer Kehlkopfentzündung sein

Photo Alto/RYF

Symptome

  • Akute Kehlkopfentzündung

Eine akute Kehlkopfentzündung (Laryngitis) verursacht Heiserkeit und Husten. Manche Betroffene berichten auch von einem kratzenden oder wunden Gefühl im Hals. Schwillt die Kehlkopfschleimhaut stark an, tritt Atemnot auf. Dies ist jedoch sehr selten der Fall. Sollte es zu einer Luftnot kommen, bitte unbedingt den Notarzt alarmieren!


Neben der einfachen, akuten Kehlkopfentzündung treten verschiedene Sonderformen auf. Besonders gefährlich sind die bakterielle Entzündung des Kehldeckels (Epiglottitis) und die bei Kindern vorkommende subglottische Kehlkopfentzündung (Pseudokrupp).

Die Epiglottitis entwickelt sich sehr schnell mit hohem Fieber. Manchmal tritt auch Atemnot aut. Die Betroffenen reden „kloßig“ und klagen über starke Schmerzen beim Schlucken. Weil selbst das Schlucken des Speichels ihnen Mühe bereitet, läuft ihnen manchmal Spucke aus dem Mund. Schreitet die Entzündung weiter fort, kann der Kehlkopfeingang vollständig zuschwellen. Da eine Epiglottitis üblicherweise bakteriell bedingt ist muss sie mit Antibiotika behandelt werden. Bei entsprechenden Symptomen sollte daher immer ärztliche Hilfe gesucht werden.

Pseudokrupp (akute subglottische Laryngitis) tritt vorwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern auf. Die Entzündung äußert sich durch bellenden, krampfartigen Husten, der meist nachts auftritt, sowie Atemnot. Auch bei einem Pseudokruppanfall sollte unbedingt ein Arzt gerufen werden, da Erstickungsgefahr besteht.

  • Chronische Kehlkopfentzündung

Eine chronische Kehlkopfentzündung verursacht Heiserkeit, Reizhusten, Räusperzwang und eine verminderte Belastbarkeit der Stimme. Oft ist die Tonlage der Stimme herabgesetzt. Außerdem sind die Stimmlippen stellenweise verändert. Infolge von falscher oder zu starker Belastung der Stimmlippen können sich sogenannte Sängerknötchen entwickeln, die als knotige Verdickungen in der Mitte der Stimmlippen sichtbar werden. Nach Verletzungen, zum Beispiel bei einer künstlichen Beatmung (Intubation), können sich einzelne stielförmige und stark durchblutete Verdickungen (Stimmlippenpolypen) an den Stimmlippenrändern bilden.

Bei der chronischen Kehlkopfentzündung können Sonderformen wie chronische Schwellungszustände der Stimmlippen (Laryngitis chronica hyperplastica, Reinke-Ödem) oder die durch sauren Rückfluss aus dem Magen in die Speiseröhre und den Rachen (Reflux) bedingte Kehlkopfentzündung (Laryngitis posterior) auftreten:

Der Begriff Reinke-Ödem bezeichnet eine Flüssigkeitsansammlung in den Stimmlippen. Das Reinke-Ödem tritt insbesondere bei Rauchern und bei Menschen mit dauerhafter Stimmüberlastung auf. Die Betroffenen sind heiser und müssen sich oft räuspern. Außerdem ist ihre Stimme wenig belastbar und ihre Stimme ist rauer und tiefer als gewöhnlich. Die Behandlung besteht in einer operativen Beseitigung.

Die Reflux-bedingte Kehlkopfentzündung (Laryngitis posterior) entsteht durch einen Rückfluss des sauren Mageninhalts in die Speiseröhre und den Rachen. Die Magensäure greift die Schleimhaut des Kehlkopfes an und führt zu einer dauerhaften Reizung, die sich mit Heiserkeit und einem Fremdkörpergefühl im Hals äußert.


Blick in den Hals: Der HNO-Arzt schafft sich dabei mit einem besonderen Spiegel Licht

Getty Images/PhotoDisc

Diagnose

Wichtig: Jede Heiserkeit, die länger als etwa drei Wochen dauert, sollte – auch wenn sie sonst keine Beschwerden verursacht – unbedingt zum Arzt führen! Hinter einer Heiserkeit können neben einer Kehlkopfentzündung auch noch zahlreiche andere Ursachen stecken, die es gegebenenfalls abzuklären gilt. Dazu gehören insbesondere bösartige Erkrankungen, die zum Beispiel bei langjährigen Rauchern auftreten können. Wer zu lange abwartet, riskiert unter Umständen seine Stimme!

Der Arzt diagnostiziert eine akute Kehlkopfentzündung (Laryngitis) anhand der typischen Schleimhautveränderungen wie Rötung, Schwellung und Schleimauflagerung. Dazu betrachtet er nach einem ausführlichen Gespräch über die Art und Dauer der Symptome den Rachen und dann auch den Kehlkopf. Da dieser tief im Hals liegt, nutzt der Arzt einen an einem Stiel befestigten Spiegel, den er in den Rachen einführt oder alternativ ein starres beziehungsweise flexibles Endoskop. Das starre Untersuchungsgerät ist mit einer Lichtquelle und einer Linsenserie, das flexible mit einer Vielzahl einzelner Glasfasern ausgestattet und ermöglicht es, die Kehlkopfscheimhaut direkt zu betrachten.

Bei der starren Endoskopie führt der Arzt eine starre Röhre (ein Lupenendoskop) in den Rachen des Erkrankten ein. Das Endoskop besteht aus mehreren Linsen, wobei am Ende ein Prisma befestigt ist, das ein Bild des Kehlkopfs projiziert. An der anderen Seite befindet sich eine Lupe, die dem Arzt ein vergrößertes Bild des Kehlkopfs zeigt. Bei Patienten mit starkem Würgereiz kann es notwendig sein, das Endoskop durch die Nase über den Nasen- und Mundrachen einzuführen. Dazu wird ein flexibler Schlauch der aus vielen Tausend lichtleitenden Glasfaserbündel besteht verwendet. Gegebenenfalls kann auch eine Stroboskopie sinnvoll sein, also eine endoskopische Untersuchung des Kehlkopfes, bei der das Schwingungsverhalten der Stimmlippen beobachtet wird. Hierdurch können auch feine Störungen beurteilt werden.

Reicht diese sogenannte indirekte Kehlkopfspiegelung nicht aus, um Veränderungen am Kehlkopf zu beurteilen, ist eine direkte Kehlkopfspiegelung nötig, die im Krankenhaus unter Narkose durchgeführt wird. Dabei schiebt der Arzt ein Endoskop bis an den Kehlkopf heran und untersucht ihn mithilfe eines Mikroskops. Gleichzeitig kann er Gewebeproben entnehmen, die anschließend im Labor untersucht werden.


Pst! Bei einer akuten Kehlkopfentzündung unbedingt die Stimme schonen

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Therapie

  • Akute Kehlkopfentzündung


Verursacht die Kehlkopfentzündung akute Atemnot, ist eventuell eine Behandlung im Krankenhaus nötig. Hier können die Ärzte den Erkrankten mit wirkungsvollen Medikamenten wie Kortison behandeln. Zusätzlich ist meist die Gabe von Sauerstoff zur Atemluft sinnvoll. Verursacht die Schleimhautschwellung des Kehlkopfes erhebliche Atemnot muss eine Intubation erfolgen. Dazu wird ein Schlauch in die Luftröhre eingeführt, über den die Luft dann in die Lunge gelangt. Ist der Kehlkopf wieder abgeschwollen, wird der Schlauch entfernt. Solche Notfälle kommen bei einer Laryngitis zum Glück jedoch nur sehr selten vor und sind bei rechtzeitiger Behandlung üblicherweise rasch wieder ausgestanden. In sehr seltenen Fällen, bei denen eine Intubation aufgrund des Schwellungszustandes nicht mehr möglich ist, muss der Arzt notfallmäßig einen Luftröhrenschnitt anlegen.

Genauere Informationen zur Behandlung der Epiglottitis und des Pseudokrupp finden Sie in den jeweiligen Artikeln.

  • Chronische Kehlkopfentzündung

Da sich eine chronische Kehlkopfentzündung durch eine fortlaufende Reizung der Kehlkopfschleimhaut entwickelt, ermittelt der Arzt zuerst die auslösenden Ursachen. Anschließend bespricht er gemeinsam mit dem Erkrankten, wie diese Reize gemieden werden können. Manchmal hilft ein Stimmtraining (Logopädie), um die Stimmlippen zu entlasten und die Stimme richtig einzusetzen. In anderen Fällen gilt es zum Beispiel das Rauchen aufzugeben. Ist die chronische Laryngitis durch einen Säurerückfluss aus dem Magen bedingt, muss dieser entsprechend zum Beispiel mit Protonenpumpenhemmern (Magenschutz) behandelt werden. Gleiches gilt bei chronischen Infekten der Atemwege (zum Beispiel chronische Nasennebenhöhlenentzündung oder chronische Bronchitis), die sich auch an der Kehlkopfschleimhaut festsetzen können.


Inhalieren kann bei einer Kehlkopfentzündung gut tun

W&B/Marcel Weber

Tipps bei einer akuten Kehlkopfentzündung


Akute Kehlkopfentzündungen entwickeln sich meist im Rahmen einer viralen Infektion und heilen in der Regel nach einigen Tagen Dauer folgenlos aus. Wenn Sie akut an einer Kehlkopfentzündung erkrankt sind, können möglicherweise folgende Tipps helfen:

  • Schonen Sie Ihre Stimme! Sprechen Sie möglichst wenig.
  • Inhalieren Sie regelmäßig, zum Beispiel mit Salzwasser.
  • Falls die Nase verstopft ist, verwenden Sie abschwellende Nasesprays, allerdings nicht länger als einige Tage bis eine Woche. Bei längerfristigem Gebrauch können diese Sprays die Nasenschleimhaut schädigen. Bei Säuglingen und kleinen Kindern sollten Sie mit dem Arzt oder dem Apotheker über die passende Dosierung sprechen, denn Sprays für Erwachsene sind für sie nicht geeignet.
  • Meiden Sie Situationen mit hoher Staubentwicklung und Zigarettenrauch! Rauchen Sie selbst nicht!
  • Sorgen Sie für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit im Raum, zum Beispiel indem Sie feucht besprengte Tücher über der Heizung aufhängen oder dort kleine Wasserschälchen aufstellen. Doch Vorsicht: Diese Luftbefeuchtungsmaßnahmen sollten nicht zu lange andauern – wenn sich Schimmel bildet, kann das vor allem bei Allergikern wieder zu Atemwegsbeschwerden führen.
  • Trinken Sie ausreichend, um ein Austrocknen der Schleimhäute zu verhindern!
  • Unterstützen Sie Ihr Immunsystem, indem Sie viel Obst und Gemüse essen (täglich etwa fünf Handteller große Portionen).

Unser Experte: Professor Dr. Friedrich Bootz

W&B/Rainer Unkel

Beratender Experte

Professor Dr. Dr. h.c. Friedrich Bootz ist Hals-Nasen-Ohrenarzt. Er war von 1987 bis 1989 als Oberarzt und von 1989 bis 1995 als leitender Oberarzt an der Universitäts-HNO-Klinik in Tübingen tätig. 1991 habilitierte er sich. Ab 1995 war er Universitätsprofessor und Klinikdirektor in Leipzig und anschließend ab 2002 bis heute an der Universität Bonn. Im Jahre 2007 war er Präsident und von 2009 bis 2012 Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. 2010 wurde ihm von der Universität Timisoara in Rumänien die Ehrendoktorwürde verliehen, seither hat er dort auch eine Gastprofessur inne.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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