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Karpaltunnelsyndrom – häufig, aber behandelbar

Das Leiden tritt relativ oft auf, doch erfahrene Chirurgen können in den meisten Fällen helfen


Am Karpaltunnelsyndrom erkranken Frauen fast dreimal so häufig wie Männer

Die Beschwerden kamen im Schlaf. „Meine linke Hand fühlte sich pelzig an. Dadurch wachte ich nachts immer wieder auf“, erinnert sich Birgit M. an die ersten Symptome vor zwei Jahren. Zunächst unternahm sie nichts, doch das nächtliche Kribbeln wurde immer schlimmer. Die 44-jährige Sekretärin ließ sich deshalb von ihrem Hausarzt an einen Neurologen überweisen. Dieser diagnostizierte ein Karpaltunnelsyndrom.

Dieses Missempfinden verursacht der sogenannte Medianusnerv. Er läuft vom Arm in die Finger hinein und durchquert dabei einen Engpass im Handgelenk: den Karpaltunnel. In diesem verlaufen neben dem Nerv neun Fingersehnen, deren Sehnenscheiden und Blutgefäße. Drücken diese Strukturen zu stark auf den Medianus, reagiert er gereizt.


„Rund jeder zehnte Mensch in Deutschland entwickelt im Lauf seines Lebens ein Karpaltunnelsyndrom“, sagt Dr. Hans-Heinrich Lauterbach, Chefarzt an der Klinik Hersbruck bei Nürnberg, der sich auf Handoperationen spezialisiert hat. Damit ist es das häufigste Nervenleiden außerhalb von Gehirn und Rückenmark.

„Drei Viertel aller Betroffenen erkranken zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr, doch ich hatte auch schon 20- und 90-jährige Patienten“, berichtet Lauterbach. So trifft es etwa Frauen häufig in der Schwangerschaft. Weil ihr Körper überschüssiges Gewebewasser einlagert, nehmen die Sehnen und Sehnenscheiden im Karpaltunnel mehr Platz ein und drücken auf den Nerv.

Oft – aber keineswegs immer – verschwinden die Beschwerden nach der Niederkunft. Generell bekommen Frauen fast dreimal häufiger als Männer Probleme am Karpaltunnel.

Erste Hilfe: Hand ruhig stellen

Kribbelige und pelzige Finger wie bei Birgit M. sind typische erste Symptome. Später kommen oft Schmerzen hinzu, die manchmal in den Arm ausstrahlen. Der kleine Finger bleibt verschont, weil sich die Nervenenden nur vom Daumen bis zum daumenseitigen Teil des Ringfingers auffächern.

Diese typische Art der Beschwerden liefert dem Arzt schon einen Anhaltspunkt für die mögliche Ursache. Mit verschiedenen Tests überprüft er dann, ob sein Patient tatsächlich an einem Karpaltunnelsyndrom leidet. So untersucht er unter anderem, wie berührungsempfindlich und beweglich Hände und Finger sind.

Ein weiterer Hinweis ergibt sich etwa aus dem Phalen-Test: Der Patient legt seine Hände flach aufeinander und biegt die Handgelenke um. Ein kribbelndes oder elektrisierendes Gefühl in den Fingern deutet auf ein Karpaltunnelsyndrom hin.

Die endgültige Diagnose stellt ein Neurologe. Er misst, wie schnell der Nerv elektrische Impulse zu Daumen und Zeigefinger leitet und wie der Daumenmuskel auf elektrische Reize am Handgelenk reagiert. Ein geschädigter Nerv überträgt die Impulse deutlich langsamer.

Im Anfangsstadium versuchen Ärzte, den gereizten Nerv zunächst wieder zu beruhigen, zum Beispiel mit Kortison als Tablette oder Spritze. „Dadurch klingt die Entzündung ab, und die Schwellung im Karpaltunnel bildet sich zurück“, erklärt Dr. Oliver Kastrup, leitender Oberarzt an der neurologischen Universitätsklinik in Essen.

Doch die Methode eignet sich nicht zur Dauerbehandlung. „Hat der Patient nach zwei Spritzen immer noch Beschwerden, sollte er sich operieren lassen“, rät Kastrup. Häufig verschreiben Ärzte zunächst auch eine Armschiene. Sie hält das Handgelenk nachts in einer Position, in welcher der Nerv geschont wird.

Mithilfe einer solchen Schiene konnte auch Birgit M. zunächst wieder ruhig schlafen. Doch nach drei Monaten kehrte das Kribbeln zurück – samt weiteren Symptomen. „Morgens habe ich manchmal so wenig Kraft in meiner linken Hand, dass ich damit kaum eine Flasche halten kann“, sagt sie. Zudem werden ihre Finger taub, wenn sie Fahrrad fährt oder länger telefoniert. Demnächst wird sie sich operieren lassen.



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Dr. Achim Schneider / Apotheken Umschau; 03.08.2010, aktualisiert am 06.04.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Creatas Images

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