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Karies: Wann ist welche Füllung am besten?

Stichwort Plombe: Ein Loch im Zahn lässt sich mit unterschiedlichen Materialien füllen. Ist Kunststoff, Gold oder Keramik besser?

Eine „Plombe“ zählt zur Grund­ausstattung fast jedes Deutschen: 70 Prozent der über 14-Jährigen haben mindestens eine Zahnfüllung, ergab eine Umfrage der GfK im Auftrag der Apotheken Umschau im Jahr 2010. Wenn Karies-Bakterien – meist wegen mangelnder Pflege – gesunde Zahnsubstanz zerstören, wird eine Reparatur nötig.

Früher wurde dafür meist Amalgam verwendet, eine Quecksilber-Legierung, die als einer der sichersten Werkstoffe in der Zahnmedizin gilt. Für immer wieder angeführte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Allergien gibt es keine seriösen wissenschaftlichen Belege.


Trotzdem haben nur noch wenige Menschen Amalgam im Mund, obwohl die Krankenkassen die Kosten voll übernehmen. „Die Nachfrage hat stark abgenommen – weniger aus Angst vor Quecksilber, sondern weil die Patienten Füllungen wollen, die man nicht sieht“, sagt Professor Roland Frankenberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn­erhaltung. Reparierte Zähne sollen sich von den gesunden nicht unterscheiden. Kein Problem mit den heute gängigen Kunststofffüllungen und Inlays. Doch wann ist welche Variante sinnvoll? „Die beste Füllung ist die, die gesunde Zahnsubstanz am wenigsten schädigt“, sagt Dr. Uwe Niekusch von der Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit in Heidelberg.

Vor allem für kleine bis mittlere Löcher: Kunststofffüllungen

Diese Vorgabe erfüllen Komposite, umgangssprachlich Kunststofffüllung genannt, in idealer Weise. Mit dem Bohrer muss der Zahnarzt nur das kariöse Material entfernen. In den entstandenen Hohlraum füllt er schichtweise das Komposit-Material. Es besteht meist aus Kunststoff und fein gemahlener Glaskeramik. Jede Schicht wird mit einem speziellen Blaulicht gehärtet. Diese „Schmelz-Klebe-Technik“ soll verhindern, dass das Material schrumpft und Randspalten entstehen – Lücken zwischen Füllung und Zahn, in denen sich wieder Bakterien sammeln und zu neuer Karies führen können.

„Randspalten kommen bei jeder Art von Füllung vor, hundertprozentig dichte Restaurationen gibt es nicht“, sagt Frankenberger. Ziel sei es, die von solchen Spalten betroffenen Zahnbereiche möglichst klein zu halten. „Dann ist das klinisch kein Problem für die Lebensdauer einer Füllung oder eines Inlays.“

Allgemein gilt Kunststoff als gut verträglich, Experten beobachten jedoch eine leichte Tendenz zu Reizungen der Mundschleimhaut, Schwellungen oder Kontaktallergien. In den meisten Fällen lässt sich aber nur schwer nachweisen, ob die Zahnfüllung die Probleme verursacht.

Komposite eignen sich am besten für die vorderen Zähne und kleine bis mittlere Löcher an den Backenzähnen. „Bei großen Kauflächen reibt sich das Material ab, die Füllung verliert an Höhe“, erklärt Niekusch.

Langlebig: Keramik- und Goldinlays

Für große Reparaturen an den Kauflächen eignen sich indirekte Füllungen (Inlays) am besten. Sie gelten als langlebig und sind zahnfarben – aber teuer: Die Kos­ten betragen pro Füllung mehrere Hundert Euro. Der Preis unterscheidet sich oft von Arzt zu Arzt; es kann sich also lohnen, ein Zweitangebot einzuholen.

Der Aufwand für Inlays ist hoch: Der Zahnarzt muss viel von der gesunden Zahnsubstanz wegbohren und nimmt dann einen Abdruck, nach dem ein Zahntechniker das Inlay anfertigt. Es wird in einer zweiten Sitzung eingesetzt – bis dahin trägt der Patient ein Provisorium. In manchen Praxen kann das Inlay auch vor Ort gefräst werden.

Grundsätzlich hält Keramik länger als Kunststoff, doch Uwe Niekusch wendet ein: „Auch andere Faktoren wie die Verarbeitung oder die Zahnpflege spielen eine große Rolle. Bei guter Pflege kann eine Kunststofffüllung bis zu acht Jahre halten.“ Unverträglichkeiten treten bei Keramikfüllungen selten auf. Da diese aber meist mit Kunststoff ­­verklebt  werden, kann es zu Reaktio­nen kommen.

Eine Alternative stellen Goldinlays dar. Bei guter Mundhygiene halten sie 15 Jahre oder länger; Allergien sind kaum bekannt. Aufwand und Preis sind ähnlich hoch wie bei Keramik. Ästheti­sche Gründe sprechen oft gegen die Legierung aus Gold und anderen Metallen wie Kupfer und Palladium. Wer will, dass sich die Füllung optisch nicht von den gesunden Zähnen unter­schei­det, hat nur die Wahl zwischen Keramik und Kunststoff.

Die Kostenfrage: Was zahlt die Kasse?

Amalgamfüllungen bezahlen die Krankenkassen komplett, aber auch Kunststofffüllungen, wenn die ­Defekte im Frontzahn- oder Zahnhalsbereich liegen. Da diese Technik sehr aufwendig ist, können Zahnärzte dann Mehrkosten abrechnen. Dies muss vor der Behandlung schriftlich vereinbart werden.

Keramik- und Goldfüllungen sind Privatleis­tungen. Bei behandlungs­­bedürftigen Zähnen kann der Arzt die Kosten für eine Amalgamfüllung (zirka 35 Euro) mit der Kasse abrechnen, den Rest zahlt der Patient. Die Kosten eines Goldinlays sind auch abhängig vom aktuellen Goldpreis.


Die Füllungen im Überblick

  • Kunststofffüllung

    Kunststoff

    Schichtweise bringt der Zahnarzt das Material auf und härtet es mit Blaulicht, damit es sich gut mit dem Zahn verbindet. Schwach­stelle aller Füllungen, hier ­beispielhaft gezeigt: der Randspalt.

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  • Keramikinlay

    Keramik

    Damit das Keramikinlay perfekt passt, muss viel gesunde Zahnsubstanz ­­entfernt werden. Es wird mit Kunststoff verklebt und mit Blaulicht gehärtet. ­­Geeignet für große Kauflächen.

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  • Goldinlay

    Gold

    Aufwand ähnlich wie bei Keramik, das Inlay wird mit Zement im Zahn befestigt. Sehr lange Haltbarkeit, gut verträglich. Nachteile: nicht zahnfarben und teuer.

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Bildnachweis: W&B/Szczesny

Nadja Katzenberger / Apotheken Umschau; aktualisiert am 31.08.2012, erstellt am 31.08.2012
Bildnachweis: W&B/Szczesny

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