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Laufserie Teil 5:
Nicht übers Ziel hinausschießen!

Wer sich zu viel vornimmt, riskiert viel – vor allem Motivation. Ohne die geht es aber nicht


Erster sein? Wenn es klappt, prima. Aber sich das als oberstes Ziel zu setzen ist nicht unbedingt ratsam

Dass ich einen Halbmarathon laufen will, wissen Sie ja schon. Hiermit verkünde ich jetzt offiziell meine Zielzeit: Unter zwei Stunden. Mit 1 Stunde 59 Minuten und 30 Sekunden wäre ich zufrieden. „Lachhaft!“, wird der ein oder andere jetzt denken. In der Tat: 21,0975 Kilometer in solch einer Zeit ist wahrhaftig keine Meisterleistung. Aber es ist erstmal ein realistisches Ziel.


Solch ein Ziel ist wichtig beim Joggen. Wenn ich mir zuviel vornehme, stehen die Chancen, dass ich das jemals erreiche, eher schlecht. Jeder Lauf endet im Frust, es macht keinen Spaß mehr, die Motivation sinkt. Aber ohne Motivation kein Halbmarathon. Motivation ist alles – da bin ich mir ziemlich sicher. Denn, erhlich gesagt, Laufen ist nicht immer angenehm. Es gibt Tage, da merke ich schon beim Aufstehen: „Heute wird es zäh.“ Wenn ich es mir vorher vorgenommen habe, quäle ich mich dann trotzdem in meine Schuhe und laufe los. Die Leistung ist dann nicht der Rede wert – dennoch habe ich immer mein Ziel vor Augen, von dem ich weiß: Das schaffe ich, auch wenn es heute schlecht läuft. „Lernen mit Negativerlebnissen umzugehen ist wichtig“, sagt Dr. Martin Engelhardt. Aber stellen Sie sich vor, sie haben einen schlechten Tag und müssen dann ständig noch die Last mit sich rumtragen, dass Ihre Ziele sowieso kaum zu erreichen sind.




Video: Martin Engelhardt über realistische Ziele im Sport

 

Also, setzen Sie sich realistische Ziele. Das muss nicht unbedingt mit einem Wettbewerb verknüpft sein. Nur weil ich zum Beispiel einen Halbmarathon laufen will, müssen Sie das nicht. „Ein erfolgreicher Wettbewerb ist ein nettes Beibrot, aber nicht ein Muss“, so Martin Engelhardt.


Ich laufe jetzt seit drei Jahren wieder einigermaßen regelmäßig. Angefangen habe ich mit 30 bis 40 Minuten – einmal die Woche. Sowohl das Tempo als auch die Länge der Strecke haben mich erstmal überhaupt nicht interessiert. Ich wollte einfach nur etwas für meinen Körper tun. Wenn ich brav war (das heißt, nicht übertrieb), hat sich mein Körper dafür bedankt – mit guter Laune. So ging es langsam weiter. 50 Minuten, eine Stunde, dann mal ein bisschen schneller ... wie sich das wohl anfühlt? Ich begann mich langsam zu steigern – nach dem Motto „geht noch ein bisschen mehr?“ – begleitet von teilweise schmerzhaften Rückschlägen. Darüber habe ich ja schon berichtet.

 

„Menschen wollen immer ihre Grenzen ausloten“, weiß Martin Engelhardt. Dagegen spricht nichts. Auch beim Laufen nicht, solange mein Ehrgeiz die Grenzen nicht überschreitet. Wo diese Grenzen liegen, muss jeder – mit entsprechender Vorsicht – für sich selbst herausfinden. Das kann ungemein befriedigend sein. Ich habe vor kurzem zum Beispiel einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt: 18,5 Kilometer in 1 Stunde 44 Minuten und 11 Sekunden. Mein Ziel für den Halbmarathon scheint also in greifbarer Nähe zu sein. Ein schönes Erfolgserlebnis. „Wir Menschen brauchen Erfolgserlebnisse“, sagt Martin Engelhardt, „überall im Leben“.

 

Lesen Sie in Teil 6: Beim Laufen verbraucht der Körper weniger Kalorien, als es sich so mancher wünschen würde



Burkhardr Röper / www.apotheken-umschau.de; 18.06.2009, aktualisiert am 26.06.2010
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Thinkstock LLC

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