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Laufserie Teil 4:
Nicht zuviel auf einmal wagen

Wer seine eigenen Grenzen mutwillig überschreitet, riskiert ernsthaft seine Gesundheit – oder sogar sein Leben

Heute wird es medizinisch. Es dreht sich alles ein bisschen um Überlastung – und um Blut. Keine Angst, auch wenn Sie Blut nicht sehen können, ruhig weiterlesen. Es wird medizinisch, aber nicht ekelig. Es geht um das Herz-Kreislaufsystem und warum man es tunlichst nicht überlasten sollte.


Wir fangen bei den Gelenken an. Was Gelenke mit dem Herz und dem Blut zu tun haben? Wenig – und genau das ist für Jogger (und viele andere Menschen übrigens auch) ein Problem.




Video: Dr. Martin Engelhardt spricht über Überbelastung des Körpers beim Laufen


Einige Bestandteile von Gelenken werden nicht direkt vom Blut mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Das ist bei uns Menschen einfach so. Beim Knorpel zum Beispiel – der Schmiersubstanz, die viele Gelenke von außen überzieht, um einen direkten Knochen-auf-Knochen-Kontakt zwischen zwei Gelenken zu verhindern. Die Nährstoffe, die Knorpelsubstanz für ihren Stoffwechsel braucht, bekommt sie passiv durch Diffusion. Die Substanzen müssen also mehr oder weniger von alleine ihren Weg von einer weiter entfernten Blutbahn in den Knorpel finden. Das funktioniert umso besser, je mehr ein Gelenk sich bewegt.


Bewegung ist für das Knorpelgewebe – und für Gelenke als Ganzes – eine sehr sinnvolle Tätigkeit. Aber es kommt mal wieder auf die Dosis an. Das ganze System der Nährstoffversorgung ist auf eine bestimmte Belastung ausgelegt. Wird diese überschritten, bekommen Knorpel & Co. zuwenig Nährstoffe ab. Die Folge sind dann meist Entzündungen, Abbau und andere Stoffwechselstörungen – begleitet von Schmerzen. Ziehen und Stechen in den Gelenken während oder nach einem Lauf sind also ziemlich sicher Anzeichen für eine Überbelastung, weil zum Beispiel Knorpelgewebe unterversorgt wurde.

 

Meist gehen die Schmerzen nach kurzer Zeit weg. Aber mit Gelenkschäden ist nicht zu Spaßen. Denn wer sein Knie oder Fußgelenk immer wieder überfordert riskiert, dass ein Dauerschaden entsteht – im schlimmsten Fall Arthrose. Hat sich die einmal ausgebreitet, hilft auch kein Pausieren mehr. Selbst Ärzte können dann nicht mehr viel bieten. Gegen Arthrose verfügt die Medizin immer noch nicht über wirklich gute Therapien.


Warum ich das so ausführlich erkläre? Nun, zum einem sind Arthroseschmerzen ziemlich böse. Das will ich jedem ersparen. Zum anderem hat es natürlich wieder einen persönlichen Grund. Weil – ich gestehe – auch ich habe in der Vergangenheit übertrieben. Letztes Jahr, um genau zu sein. Eine Steigerung von bis dahin maximal 13 Kilometer auf 18,5 Kilometer Laufen in gerade einmal einem Monat. Mein Kreislauf und meine Muskeln haben es gut mitgemacht. Die werden aber bei einem gesunden Menschen auch ziemlich gut durchblutet. Das heißt, diese Körperteile können relativ schnell trainiert werden. Bei Gelenken geht das – wie oben beschrieben – nicht so einfach. „Die Anpassungszeit der Gelenke dauert viel länger als die des Herz-Kreislaufs“, erklärt Dr. Martin Engelhardt.


Die Folge meines Übereifers: Sechs Wochen Pause, weil sowohl das linke wie auch das rechte Knie abwechselnd schmerzten. Wobei ein schmerzendes Knie noch vergleichsweise harmlos ist verglichen mit den Folgen, die eine Überbelastung des Herz-Kreislaufsystems verursachen kann. Immer wieder mal bezahlen Marathonläufer ihren übertriebenen Ehrgeiz mit dem Tod. Erlegen an einem zu schwachem Herz, von dem sie vorher nichts wussten. „Bei Extrembelastung überschätzen sich zuweilen auch Profis und brauchen eine notfallmedizinische Behandlung am Pistenrand“, weiß Martin Engelhardt. Deswegen gilt für alle, die mehr als nur ein bisschen „traben“ wollen: Gehen Sie es langsam an. Und gehen Sie zum Arzt und lassen Sie Ihren Körper durchchecken. Nicht, dass ein womöglich verstecktes Herzleiden bei Ihnen sich erst bei Kilometer 18 zum ersten Mal bemerkbar macht. Dann könnte es zu spät sein. Wie formuliert es Martin Engelhardt so schön: „Beim Laufen gilt das Gleiche wie im übrigen Leben: Die eigenen Grenzen kennen und nicht überschreiten.“

 

Lesen Sie in Teil 5: Ohne eine gehörige Portion Motivation kann Laufen schnell frustierend werden



Burkhardr Röper / www.apotheken-umschau.de; 18.06.2009, aktualisiert am 26.06.2010
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Polka Dot Images

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