Japanische Enzephalitis (JE)

Die Japanische Enzephalitis (JE) ist eine Virusinfektion des Gehirns. Der Erreger wird durch die nachtaktive Culexmücke (Reisfeldmücke) auf den Menschen übertragen
von Dr. med. Dagmar Schneck, aktualisiert am 11.02.2014

Besonders häufig ist die Japanische Enzephalitis in Reisanbaugebieten

Thinkstock/iStockphoto

Der Erreger der Japanischen Enzephalitis (JE) gehört zu den Flaviviren. Er ist verwandt mit den Erregern der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder des Dengue-Fiebers.

Das JE-Virus ist in weiten Teilen Asiens verbreitet, im Norden Australiens und auf der Pazifikinsel Guam. Es vermehrt sich vor allem in Wasservögeln und in Schweinen, die die Menschen in diesen Gegenden als Haustiere halten. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch die Culexmücke (die Reisfeldmücke). Eine direkte Übertragung der Erkrankung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Ein besonders hohes Infektionsrisiko besteht in ländlichen Gebieten, zum Beispiel in Gegenden mit Reisanbau und anderen wasser- und sumpfreichen Regionen. Vor allem in Südostasien und auf dem indischen Subkontinent treten immer wieder Epidemien der Erkrankung auf. Jedes Jahr erkranken etwa 50.000 Menschen an einer Japanischen Enzephalitis, ungefähr 15.000 von ihnen versterben daran.

Welche Symptome verursacht die Infektion mit dem JE-Virus?

Zwischen Ansteckung und ersten Krankheitszeichen vergehen meist ein bis zwei Wochen. Sehr häufig läuft die Infektion mit dem Virus der JE völlig unbemerkt ab.

Offenkundige Infektionen zeigen in den meisten Fällen das Bild einer milden grippeartigen Erkrankung mit Fieber und Schüttelfrost. Nach fünf bis sieben Tagen klingen die Symptome wieder ab. In wenigen Fällen kann die Infektion auch zu einer schweren Hirnhautentzündung führen (aseptische Meningitis). Anzeichen dafür sind Fieber, Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit.

Zu einer Entzündung des Gehirns durch das Virus, also zu einer Enzephalitis, kommt es nach Expertenschätzungen bei etwa einer von 500 Infektionen. Kinder und alte Menschen sind häufiger betroffen. Diese schweren Verlaufsformen beginnen schlagartig mit hohem Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen. Weitere Symptome sind Verwirrtheit bis hin zu einer Bewusstseinstrübung, Lähmungen und Krampfanfälle. Nach etwa zehn Tagen beginnt das Fieber wieder zu sinken. Bei etwa einem Drittel der so Erkrankten führt die Infektion zum Tod, bei den übrigen bleiben oft neurologische oder psychiatrische Dauerschäden zurück.

Blutuntersuchungen helfen, verschiedene Formen der Gehirnentzündung zu unterscheiden

PhotoDisc/RYF

Wie stellt der Arzt die Diagnose JE?

Treten Symptome einer Gehirnentzündung auf, weisen ein zeitnaher Aufenthalt in JE-Verbreitungsgebieten und dort erfolgte Insektenstiche auf eine JE hin.

Zur Abgrenzung von einer Infektion des Gehirns durch Bakterien dienen bestimmte Blutuntersuchungen. Der Arzt bestimmt zum Beispiel die Anzahl der weißen Blutkörperchen, das Entzündungseiweiß CRP und Procalcitonin.

Nur gelegentlich gelingt der Nachweis des Erregers selbst oder seiner Erbinformation im Blut oder in der Hirnflüssigkeit. Häufiger lässt sich die Virusinfektion durch spezifische Antikörper im Blut nachweisen.

Bildgebende Verfahren wie MRT und CT geben Hinweise auf entzündungsbedingte Veränderungen oder Schwellungen des Gehirns. Auch ein EEG kann wichtige Informationen liefern.

Die spezifische Diagnose der JE ist wichtig. Denn es gibt andere Gehirnentzündungen durch Viren und Bakterien, für die eine sofortige zielgerichtete Behandlung möglich ist. Hierzu gehören zum Beispiel eine Enzephalitis durch Herpesviren oder bestimmte Formen von bakteriellen Infektionen.

Wie sieht die Behandlung einer JE aus?

Für die JE gibt es keine spezifische Therapie. Bei einer milden Hirnhautentzündung ohne Gehirnbeteiligung sind – nach Rücksprache mit dem Arzt – entzündungshemmende Schmerzmedikamente zur Linderung der Symptome angezeigt. Ist das Gehirn beteiligt, sind eine Überwachung und eine symptomatische Behandlung auf einer Intensivstation erforderlich. Die Behandlungsmaßnahmen sollen die Folgen der Entzündung für das Gehirn möglichst eindämmen. Die Ärzte versuchen, den Druck im Gehirn zu senken und die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen sicherzustellen. Wichtig dafür ist unter anderem die Kontrolle der Körpertemperatur und des Zuckerstoffwechsels.

Wie kann man sich vor einer JE schützen?

Insgesamt ist das Risiko, sich als Reisender mit einer JE zu infizieren, gering. Schätzungen des Robert Koch-Instituts gehen von weniger als zwei Infektionen bei einer Million Reisenden in Verbreitungsgebiete (Endemiegebiete) aus. Wichtigster Faktor ist ein guter Mückenschutz durch geeignete Kleidung, Repellents und Mückennetze. Das senkt gleichzeitig das Risiko für weitere Erkrankungen, die von Mücken übertragen werden – zum Beispiel Dengue-Fieber oder Malaria.

Seit 2009 gibt es in Europa einen Totimpfstoff gegen eine JE. Experten empfehlen eine Impfung vor allem vor längeren Aufenthalten in ländlichen Endemiegebieten. Auch vor kürzeren Reisen kann die Impfung sinnvoll sein – etwa in Zeiten größerer Ausbrüche oder für Menschen, die hauptsächlich Outdoor-Aktivitäten planen, zum Beispiel für Trekkingreisende und Entwicklungshelfer. Ob eine Imfpfung gegen JE im Einzelfall ratsam ist, sollte ausführlich mit dem Arzt besprochen werden.

Prof. Dr. Matthias Niedrig

Professor Matthias Niedrig

W&B/Privat

Beratender Experte: Professor Dr. Matthias Niedrig

Professor Matthias Niedrig arbeitet am Zentrum für Biologische Sicherheit am Robert Koch-Institut in Berlin. Sein Schwerpunkt sind Flaviviren als Krankheitserreger.

Quellen:

Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Erregerbedingte Krankheiten, Virale Meningoenzephaitis, AWMF-Regiestriernummer: 030/100, Stand September 2012. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-100l_S1_Virale_Meningoenzephalitis_2012.pdf (Abgerufen am 15.11.2013)

RKI: Steckbriefe seltener importierter Infektionskrankheiten. Online: http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/Steckbriefe/Steckbriefe_120606.pdf?__blob=publicationFile (Abgerufen am 15.11.2013)

Bossi P, Tegnell A, Baka A et al. Bichat-Leitlinien zur klinischen Behandlung von durch Bioterrorismus verursachter Enzephalitis. In: Eurosurveillance, 2004-Vol 9, Issue 12. Online: http://ec.europa.eu/health/ph_threats/Bioterrorisme/clin_gui_encephalitis_de.pdf (Abgerufen am 15.11.2013)


Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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