Zika-Virus: Die wichtigsten Fakten

Das gefährliche Zika-Virus hält die Welt in Atem. Vor Reisen nach Mittel- und Südamerika ist es wichtig, Ansteckungswege und Risiken zu kennen – ganz besonders für Schwangere

von Gerlinde Gukelberger-Felix, aktualisiert am 22.08.2016

Schutzmaßnahmen: Am Flughafen von Callao in Peru verteilen Angestellte an Reisende Informationsblätter, wie man sich vor dem Zika-Virus schützen kann

Imago Stock and People/Xinhua

Jetzt besteht Gewissheit: Zika-Viren sind die Auslöser der schweren Schädelfehlbildung Mikrozephalie bei Neugeborenen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC teilte am 13. April 2016 mit, der Zusammenhang sei bewiesen. Die Ergebnisse haben CDC-Forscher in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht. Die Zahl der Kinder, die mit einer derartigen Mikrozephalie geboren wurden, ist seit Oktober in Brasilien rasant gestiegen. Ende Februar waren 583 dieser Fehlbildungen bestätigt. Bei mehr als 4100 besteht ein Verdacht, der noch untersucht wird. Mitte März meldete auch Panama den ersten Fall, bei dem eine Zika-Infektion als Auslöser tödlicher Missbildung bei einem Neugeborenen wahrscheinlich ist.


Menschen weltweit machen sich Sorgen – unter anderem über die Infektionswege. Ende Februar meldet Frankreich die erste durch ungeschützten Sex übertragene Infektion in diesem Land. Wie ist die aktuelle Situation beim Zika-Virus? Ein Überblick:

Risiko Schwangerschaft?

Die Mütter der schwer fehlgebildeten Kinder in Brasilien hatten während der Schwangerschaft Symptome, die für eine Infektion mit dem Zika-Virus typisch sind. Außerdem hatte die Blutuntersuchung bei einem verstorbenen Neugeborenen mit Mikrozephalie eine Infektion mit dem Zika-Virus ergeben. "Wie ernst dies genommen wird, ist auch an der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin zu sehen", sagt die Infektionsepidemiologin Christina Frank vom Robert Koch-Institut (RKI). Die Gesellschaft rät Schwangeren, Reisen in von Zika-Virus-Ausbrüchen betroffene Gebiete möglichst zu vermeiden. Dazu gehören unter anderem Länder wie Brasilien, Mexiko, Kolumbien, aber auch karibische Inseln wie Puerto Rico, Haiti und Barbados.

Insgesamt sind in Mittel- und Südamerika mittlerweile 31 Länder betroffen. In mehreren dieser Länder wird Frauen dazu geraten, derzeit nicht schwanger zu werden – in El Salvador sogar bis 2018. Nach Brasilien steigt die Zahl der Infektionen mit dem Zika-Virus auch in Kolumbien stark an. Es wird für 2016 mit einer halben Million Zika-Virusinfektionen gerechnet. In den USA und Großbritannien sind ebenfalls erste Fälle aufgetreten.


Was ist über das Zika-Virus bekannt? 

Es zählt zur Familie der Flaviviren, zu denen beispielsweise auch das Denguefieber- und das Gelbfieber-Virus gehören. Das Zika-Virus wird laut WHO fast ausschließlich durch Stiche bestimmter Mücken übertragen. Verantwortlich beim Zika-Virus ist vorwiegend die Stechmücke Aedes aegypti, die auch das Dengue-Virus überträgt. Anders als einige andere Mücken, ist Aedes nicht vor allem morgens und abends in der Dämmerung unterwegs, sondern auch tagsüber.


Die Stechmücke Aedes aegypti

F1online/Aedes Aegypti

Welche Symptome treten auf?

Nur etwa jeder fünfte mit dem Zika-Virus infizierte Mensch entwickelt Krankheitssymptome. "Dabei handelt es sich um Hautausschlag, Gelenkschmerzen, Bindehautentzündungen an den Augen und manchmal Fieber", erklärt Frank. Die Beschwerden verschwinden meist nach einer Woche wieder. Bis vor kurzem galten Infektionen mit dem Virus daher als eher unproblematisch. Diese Einschätzung ändert sich, seit es immer mehr Anhaltspunkte für den Zusammenhang zwischen Zikavirus und Mikrozephalie gibt.

Außerdem kann das Zika-Virus Forschern zufolge das Guillain-Barré-Syndrom auslösen – eine schwere Nervenkrankheit. Dabei kommt es beispielsweise zu Muskelschwächen und Gefühlsstörungen in den Beinen, mitunter auch den Armen.

Wie können sich Reisende schützen?

"Das geht nur mit konsequentem und intensivem Mückenschutz", so die Expertin. Dazu gehören chemische Insektenabwehrmittel, sogenannte Repellentien, Moskitonetze und vor allem eine den ganzen Körper bedeckende helle Kleidung. Dennoch ist ein hundertprozentiger Schutz fast nicht möglich. "Es nützt im Gegensatz zu anderen Stechmücken bei Aedes aegypti wenig, stehende Gewässer zu meiden, denn diese Stechmückenart brütet quasi in jedem weggeworfenen Joghurtbecher", warnt Frank.

Wer plant, in ein betroffenes Land zu reisen, solle zuvor abklären, in welchen Monaten es besonders viele Stechmücken gibt. "Wer in ein Land reist, das erst seit kurzem vom Zika-Virus heimgesucht wird, muss bedenken, dass die meisten Menschen in diesen Ländern noch keine Antikörper gegen das Virus entwickelt haben", sagt die Infektionsepidemiologin. Seien zugleich viele Stechmücken vorhanden, die das Virus von einem Menschen auf den anderen übertragen können, könne es zu einer Epidemie kommen.

Inzwischen scheint ziemlich klar, dass sich die Infektion nicht ausschließlich durch Mückenstiche überträgt – sondern in seltenen Fällen auch durch Bluttransfusionen oder durch ungeschützten Sex mit infizierten Menschen. Aus den USA wurde Anfang Februar der erste entsprechende Fall gemeldet. Ende Februar wurde von einer Übertragung in Frankreich berichtet: Eine Frau aus dem Ballungsraum Paris hat sich bei ihrem aus Brasilien zurückgekehrten Lebensgefährten angesteckt. 

Das Auswärtige Amt in Deutschland empfiehlt männlichen Reisenden nach ihrer Rückkehr aus Zika-Ausbruchsgebieten ein halbes Jahr lang Kondome zu benutzen, wenn sie mit einer Frau schlafen, die schwanger ist oder schwanger werden könnte. Weiter sei zu überlegen, generell jeden Sexualpartner innerhalb dieses Zeitraums durch Kondomgebrauch zu schützen. Allerings ist noch nicht eindeutig geklärt, wie lange das Virus im Blut und im Sperma verweilen kann. Der angegebene Zeitraum ist daher mit einer Unsicherheit behaftet.

Noch gibt es keine Impfung gegen das Zika-Virus. Die USA und Brasilien wollen einen Impfstoff entwickeln. Experten schätzen aber, dass noch Jahre vergehen könnten, bis er zum Einsatz kommt.

Können die Olympischen Sommerspiele im Sommer 2016 zu einer Ausbreitung des Virus nach Europa führen?

"Eine Virusausbreitung ist in einer globalisierten Welt wie der unsrigen kaum zu verhindern. Aedes aegypti kann samt Zika-Virus beispielsweise auch als blinder Passagier im Gepäck nach Deutschland einreisen", sagt Frank. Die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro finden allerdings während des Südwinters statt und in dieser Jahreszeit ist die Zahl der Stechmücken offenbar eher klein. Ein Grund zur Entwarnung ist das dennoch nicht.



Bildnachweis: F1online/Aedes Aegypti, Imago Stock and People/Xinhua

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