Würmer: Ekelig, aber nicht immer gefährlich

Der Gedanke an Würmer als Parasiten im menschlichen Darm jagt vielen einen Schauer über den Rücken. Informationen zu verschiedenen Würmerarten
von Katharina Bauer, aktualisiert am 03.09.2015

Igitt, es krabbelt im Töpfchen: Kinder können manchmal Madenwürmer haben

W&B/Forster und Martin

Für Mamas und Papas ist schon allein die Vorstellung ein Albtraum: Kinder können manchmal Madenwürmer haben. Die weißlichen Würmer sind etwa einen halben bis etwas mehr als einen Zentimeter lang und siedeln im Darm. Nachts kriechen die Weibchen aus dem Anus und legen ihre Eier rund um den Ausgang ab. Madenwürmer verursachen häufig starken Juckreiz in der Analgegend.

Neben den Madenwürmern kommt in Deutschland zum Beispiel auch ein Befall mit Spul- und Bandwürmern vor. Spulwürmer können bis zu 40 Zentimeter lang werden. "Dennoch wird ein Befall von manchen Betroffenen gar nicht bemerkt", erklärt Parasitologe Dr. Thomas Romig von der Universität in Hohenheim. Auch der Rinderbandwurm kommt manchmal noch vor. "Bandwürmer können mit bis zu 10 Meter Länge sehr groß werden", sagt der Experte.


Wie groß ist die Gefahr eines Wurmbefalls?

"Die meisten Würmer sind durch unsere hohen Standards bei Hygiene und Lebensmittelverarbeitung so gut wie verschwunden", sagt Romig. Trotzdem sei es nicht ausgeschlossen, dass Urlauber den einen oder anderen Parasiten aus dem Urlaubsland mitbringen. Andere Wurminfektionen, wie die mit Madenwürmern, kann man sich auch in Deutschland einfangen. Die Übertragungswege sind unterschiedlich: Bei manchen Wurmarten, wie den Madenwürmern, infizieren Menschen sich, indem sie die Eier schlucken.

Rinderbandwurm: Infektion unwahrscheinlich

Larven von Rinder- und Fischbandwurm gelangen durch den Verzehr von rohem Fleisch, in den Verdauungstrakt. "Eine Infektion mit einem Rinderbandwurm ist bei uns aber unwahrscheinlich, da nach solchen Wurmlarven schon im Schlachthof geschaut wird", beruhigt der Experte. Auch Sushi sei kaum ein Problem. Oft wird es aus tiefgefrorenem Meeresfisch zubereitet. Unter bestimmten Bedingungen - unter anderem entsprechende Temperaturen und Tiefkühlzeiten - sind eventuell vorhanden Wurmlarven dadurch bereits abgetötet. "Das Problem ist eher der Trend der letzten Jahre, frischen Süßwasserfisch roh zu sich zu nehmen, zum Beispiel als Carpaccio", so Romig.

Fuchsbandwurm: Infektion ist gefährlich und meldepflichtig

Weil es bei Wurmbefällen unter anderem keine generelle Meldepflicht gibt, lässt sich keine sichere Aussage zum Wurmvorkommen machen. "Spricht man aber mit Laboren, dann tritt ein Befall mit Madenwürmern doch noch relativ häufig auf", sagt Romig. Dieser kann unbemerkt bleiben, da er außer dem Jucken meist symptomlos verläuft und von selbst abklingt. "Die meisten haben das in ihrer Kindheit bestimmt schon einmal gehabt", glaubt der Parasitologe.

Ein Befall mit Spul- und Bandwürmern ist dagegen eher eine Seltenheit. Meldepflichtig sind in Deutschland Infektionen mit Echinokokken, dem Erreger von Fuchs- oder Hundebandwurm. 2014 infizierten sich laut Robert Koch-Institut 112 Menschen in Deutschland mit diesem Erreger.

Spulwürmer machen Magen-Darm-Probleme

Über Jahrtausende existierten Parasiten ebenso wie Bakterien im Verdauungstrakt des Menschen. Daher sei unser Körper in gesundem Zustand auch sehr gut in der Lage, den Wurmbefall selbst bei unhygienischen Umständen unter Kontrolle zu halten, sagt Romig. Insbesondere Madenwürmer sind so gut wie unschädlich. "Da sie im Dickdarm leben, können sie unserer Nahrung nicht einmal mehr etwas Wertvolles entziehen", erklärt der Experte.

Bei Spulwürmern kann ein Befall zu Störungen im Magendarm-Trakt führen und Allergien auslösen. "An sich stellt aber auch dieser Wurm keine große Gefahr dar", sagt Romig. Gefährlich seien allerdings Würmer, die nicht im Magendarmtrakt vorkommen, sondern im Larvenstadium innere Organe des Menschen besiedeln. Dazu gehören zum Beispiel Fuchs- und Hundebandwurm. Wird der Mensch nicht vom Wurm selbst befallen, sondern von Wurmlarven, kann es – wie im Falle des Fuchsbandwurms – zum Beispiel zu Gelbsucht und Oberbauchschmerzen kommen.


Woran erkennt man einen Wurmbefall?

Viele Menschen reagieren gar nicht auf einen Wurmbefall, nicht einmal mit Gewichtsverlust. Selbst ausgewachsene Bandwürmer mit mehreren Metern bräuchten nicht auffällig viel von unserer Nahrung, so der Parasitologe. Manche Wurmarten entziehen dem Körper aber wichtige Stoffe. So kann der Fischbandwurm für einen Mangel an Vitamin B12 sorgen.

Die Diagnose eines Wurmbefalls sichert der Arzt je nach Wurmart auf unterschiedliche Weise. Manchmal hilft zum Beispiel ein Stuhltest weiter, um die Wurmeier oder Wurmteile unter dem Mikroskop nachzuweisen. In anderen Fällen führen eventuell Blutuntersuchungen oder bildgebende Verfahren wie Ultraschall weiter. Antihelminthika können gegen zahlreiche Wurmarten helfen. Diese Medikamente, von denen es verschiedene gibt, greifen zum Beispiel in den Stoffwechsel der Parasiten ein und töten sie.

Wichtig: Hunde und Katzen regelmäßig entwurmen

Katzen und Hunde können den Fuchs- oder den Hundebandwurm auf Menschen übertragen – beides sind gefährliche Krankheitserreger. Aber auch andere Wurmarten können von ihnen übertragen werden. Eine regelmäßige Entwurmung von Haustieren ist deshalb wichtig. "Entwurmt" heißt aber nicht immer auch "wurmfrei". Die Wurmeier können zum Beispiel auch am Fell des Tieres haften. Thomas Romig warnt: "Hunde wälzen sich in allem, was schlecht riecht, unter anderem sehr gerne in Fuchskot. Da Füchse mittlerweile auch in Städten immer häufiger vorkommen, besteht hier durchaus die Gefahr einer Infektion."



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