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Was Sie über Impfreaktionen wissen sollten

Nach dem Pikser schmerzt der Oberarm. War die Impfung schuld? Impfexperte Dr. Dirk Mentzer erklärt, welche Nebenwirkungen normal sind und warum sie auftreten


Eine Impfung schützt – je nach Impfstoff – vor Infektionskrankheiten wie der Grippe

Egal ob Grippe- oder Tetanusimpfung, den Pikser auf der Haut empfinden viele Menschen als unangenehm. Schwillt die Stelle danach auch noch an oder tut weh, wird schnell der Impfstoff dafür verantwortlich gemacht. Dr. Dirk Mentzer, der das Referat Arzneimittelsicherheit im Paul-Ehrlich-Institut (dem Bundesinstitut für Sera und Impfstoffe) leitet, beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Impfnebenwirkungen.

Herr Mentzer, wenn der Arm nach der Impfung schmerzt, war dann der Impfstoff schuld?

Das ist gut möglich. Ein Druckschmerz an der Einstichstelle zählt zu den typischen Impfreaktionen.


Wie kann der Körper sonst noch auf die Impfung reagieren?

Die Stelle kann sich röten und leicht anschwellen. Recht häufig berichten Menschen auch über die Symptome eines grippalen Infekts. Sie bekommen also leichtes Fieber, leiden unter Kopf- und Gliederschmerzen oder fühlen sich matt.

Kommen solche Beschwerden oft vor?

Ja. Laut Statistiken reagieren etwa 10 Prozent der Menschen auf eine Impfung und präsentieren die genannten Reaktionen. Wir gehen jedoch davon aus, dass in Wirklichkeit weitaus mehr Menschen diese Symptome verspüren. Tut der Arm aber beispielsweise nur leicht weh oder lässt der Schmerz rasch wieder nach, teilt dies nicht jeder automatisch seinem Arzt mit. Zudem muss der Arzt Impfreaktionen, die üblicherweise auftreten, nicht dem Paul-Ehrlich-Institut melden.  

Welche muss er dann melden?

Reaktionen, die nicht mehr als normal gelten. Die also das übliche Ausmaß – etwa eine Rötung oder leichte Schmerzen – übersteigen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Erwachsener nach einer Impfung über 39,5 Grad Celsius Fieber bekommt oder der ganze Arm anschwillt.


Haben Sie schon mal einen "dicken Arm" oder ähnliches nach einer Impfung gehabt?

Sind solche Nebenwirkungen gefährlich?

Fieber ist nicht zwangsläufig gefährlich. Eigentlich bedeutet es nur, dass der Körper Krankheitserreger bekämpft. Ein stark angeschwollener Arm kann auf eine allergische Reaktion hindeuten. Je nach Ausmaß muss der Arzt den Patient unter Umständen sofort behandeln.

Eine gefürchtete Impfreaktion stellt das Guillain-Barré-Syndrom dar. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Rückenmarksnerven, die zu schweren Lähmungserscheinungen führen kann. Dieses Syndrom wird immer mal wieder mit der Grippeimpfung in Verbindung gebracht. Ein ursächlicher Zusammenhang wurde bisher jedoch nicht bestätigt. Normalerweise tritt das Guillain-Barré-Syndrom im Zusammenhang mit Infekten auf, kommt aber insgesamt nur sehr selten vor. Nach einer Masern-Mumps-Röteln-Impfung kann die Zahl der Thrombozyten, also der Blutplättchen, abnehmen, was wiederum die Blutungsneigung erhöht. Doch auch dies stellt eine absolute Rarität dar. Kinder, die geimpft wurden, können manchmal Fieberkrämpfe bekommen. Ob wirklich der Impfstoff daran schuld ist oder ein begleitender Infekt, ist oft nicht abschließend zu beurteilen. Das Kind kann dabei bewusstlos werden, der Körper zuckt unkontrolliert. Lebensbedrohlich ist ein Fieberkrampf normalerweise aber nicht. Zudem verläuft er in der Regel ohne gesundheitliche Folgen für das Kind.  

Ist immer der Impfstoff schuld, wenn Beschwerden auftauchen, oder gibt es auch andere Gründe?

Manchmal schmerzt die Einstichstelle auch deshalb, weil der Patient sich zu sehr angespannt hat oder die Nadel ungünstig in die Haut eingedrungen ist. Dann treten die Schmerzen aber unmittelbar nach dem Pikser auf. Stellt der Impfstoff den Auslöser dar, beginnen die Beschwerden frühestens vier Stunden nach der Impfung, üblicherweise innerhalb des ersten Tages.

Wie lange darf eine Impfreaktion anhalten?

Handelt es sich um einen Totimpfstoff, wie zum Beispiel die Grippe- oder FSME-Impfung, dauern die Beschwerden meist zwei bis drei Tage an. Nach spätestens vier Tagen sollten Fieber oder Unwohlsein wieder verschwinden. Wird ein Lebendimpfstoff verabreicht, etwa die Masern-Mumps-Röteln-Impfung, treten mögliche Impfreaktionen erst verzögert ein. Dabei können drei bis vier Tage vergehen, bis der Geimpfte Beschwerden verspürt.

Warum reagiert der Körper überhaupt mit Begleiterscheinungen?

Der Grund ist das Immunsystem. Wird der Impfstoff verabreicht, erkennt ihn das körpereigene Abwehrsystem als potenziellen Krankheitserreger und will ihn unschädlich machen. In Folge wandern Immunzellen und entzündungsauslösende Botenstoffe zur Einstichstelle. Das wiederum bewirkt, dass sich die Stelle rötet, anschwillt und schmerzt. Auch Fieber und Gliederschmerzen werden durch diese immunologischen Vorgänge hervorgerufen. Eine Impfreaktion ist also eigentlich nichts Negatives. Sie bedeutet, dass die Impfung wirkt.

Deshalb sprechen wir bei den eben genannten Beschwerden auch von einer Impfreaktion und nicht von einer Impfnebenwirkung. Eine unerwünschte Reaktion oder Nebenwirkung wäre zum Beispiel hohes Fieber oder dergleichen.

Heißt das, die Impfung nutzt nichts, wenn eine Impfreaktion ausbleibt?

Nein. Wer eine Impfung problemlos verträgt, dessen Immunsystem reagiert vielleicht einfach anders auf den Impfstoff. Oder er ist weniger schmerzempfindlich.



Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 28.10.2010
Bildnachweis: W&B/Achim Graf

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