Tropenkrankheit Melioidose breitet sich aus

An Melioidose sterben weltweit jedes Jahr ähnlich viele Menschen wie an Masern. Das ganze Ausmaß des Risikos kam erst jetzt ans Licht. Was Reisende wissen sollten

von Gerlinde Gukelberger-Felix, aktualisiert am 25.02.2016

Boot mit Urlaubern in Südostasien: Im tropischen Schlamm leben Melioidose-Keime

F1online

Bis vor wenigen Wochen hatten hierzulande nur wenige Menschen je von Melioidose gehört. Doch dann rüttelte eine Studie im Fachmagazin Nature Microbiology viele Menschen auf – vor allem Fans von Fernreisen. Denn die Studienergebnisse belegen, dass die Tropenkrankheit Melioidose jährlich weltweit ähnlich viele Todesfälle wie Masern verursacht und etwa zehnmal so viele wie das Denguefieber. "Die Melioidose ist keine neue Infektionskrankheit, wurde aber bislang ziemlich unterschätzt", bestätigt der Tropenmediziner Professor Emil Reisinger, Dekan, Wissenschaftlicher Vorstand und Geschäftsführender Direktor der Klinik für Innere Medizin II der Universitätsmedizin Rostock.

Erreger weiter verbreitet, als angenommen

Experten bewerten die neuen Erkenntnisse als alarmierend. Insgesamt erkranken pro Jahr etwa 165.000 Menschen an Melioidose, gut 89.000 Betroffene, also mehr als die Hälfte, sterben daran. Allein im Nordosten Thailands treten jährlich 2000 Melioidose-Fälle auf.


Die zweite schlechte Nachricht: Das verursachende Bakterium Burkholderia pseudomallei breitet sich aus. Das belegen die Daten der aktuellen Studie von Direk Limmathurotsakul und seinen Kollegen. Bis dahin war die Pseudo-Rotz genannte Infektionskrankheit aus 45 Ländern bekannt. Die neue Auswertung von Falldaten aus aller Welt weist nun aber darauf hin, dass Melioidose bereits in 34 weiteren Ländern heimisch ist.

Angaben der Forscher zufolge ist das Infektionsrisiko zurzeit in Südost- und Südasien, im tropischen Teil Australiens, im Westen Afrikas und in Südamerika am größten. Kleinere Risikozonen existieren in Südafrika, Mittelamerika sowie im Nahen Osten.

Erreger, Symptome und Therapie

Das krankmachende Bakterium Burkholderia pseudomallei lebt im Boden, im Schlamm und in Gewässern. Über Hautverletzungen, verunreinigtes Trinkwasser und durchs Einatmen gelangt es in den Körper und infiziert Menschen.

Einen Impfstoff gibt es nicht. Der Erreger ist von Natur aus gegen eine Vielzahl von Antibiotika unempfindlich. Eine Infektion zu behanden, ist daher nicht einfach – ein Grund für die weltweit hohe Sterberate. Weitere Ursachen sind die mitunter unzureichenden Diagnosemöglichkeiten in Ländern, in denen der Keim heimisch ist, sowie die Tatsache, dass dort viele Erkrankte zu spät zum Arzt gelangen.

"Je nachdem, ob das Bakterium über die Atemwege oder über die Haut aufgenommen wird, treten nach bis zu drei Wochen Husten mit Auswurf und Fieber auf. Die Symptome reichen bis hin zur Lungenentzündung oder Entzündungen und Abszesse in der Haut", schildert Tropenmediziner Reisinger. "Im fortgeschrittenen Stadium finden sich dann infolge der Lungenentzündung auch Abszesse in den Lungen." Das sind mit Eiter gefüllte Hohlräume im Lungengewebe, die gegenüber dem gesunden Gewebe abgekapselt sind. Gelangen die Bakterien beispielweise aus einem solchen Abszess ins Blut, überschwemmen sie den ganzen Organismus. Es kommt zur Sepsis mit Multiorganversagen, die nur etwa jeder fünfte Betroffene überlebt.

Früher Behandlungsbeginn entscheidend

"Es ist ganz wichtig, dass eine Therapie möglichst im Anfangsstadium beginnt. Deshalb müssen die Patienten beim Arztbesuch unbedingt erwähnen, dass sie wenige Wochen zuvor einen Urlaub in einem tropischen Land wie etwa Thailand gemacht haben", fordert Reisinger. Dann könne sofort eine gezielte Antibiotikatherapie beispielweise mit Ceftazidim beginnen. "Das Antibiotikum wird 14 Tage lang intravenös verabreicht. Anschließend nimmt der Patiente ein zweites Antibiotikum bis zu sechs Monate lang als Tablette", erzählt der Mediziner.

Risikoabschätzung für Reisende

"Für gesunde Menschen ist das Risiko nicht so hoch", beruhigt Reisinger. "Das gilt sowohl für Reisende, die in Luxushotels übernachten und vor allem in städtischen Gebieten unterwegs sind, wie auch für Rucksacktouristen." Wer dagegen mit einer Immunschwäche lebt  – beispielweise bei Diabetes, AIDS oder einer Niereninsuffizienz – oder als Rheumatiker das Immunsystem bremsende Medikamente einnehmen müsse, habe ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko. "Die Zahl der infizierten Tropenheimkehrer war bislang aber klein", berichtet der Experte.

Besteht eine Gefahr in den USA und Europa?

Der Erreger liebt es warm und feucht. "Die Winter in Europa sind glücklicherweise noch kalt, aber im Süden der USA, beispielweise in Louisiana und New Orleans, und in manchen Regionen Japans muss man damit rechnen, dass das Bakterium in naher Zukunft Fuß fasst", sagt Reisinger. Mit der Klimaerwärmung sei zu befürchten, dass der Erreger langfristig zumindest auch in Südeuropa Einzug halte.


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