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Pfeiffersches Drüsenfieber – Kuss mit Folgen

Im Erwachsenenalter verläuft eine Infektion mit Epstein-Barr-Viren oft heftiger als bei Kindern. Was Sie beachten sollten


Ein Kuss kann die Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers übertragen

Küssen kann so schön sein… Doch ein Kuss kann Folgen haben – über Speichelkontakt werden zum Beispiel Epstein-Barr Viren (EBV) übertragen. Der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers gehört zu den Herpesviren und verbreitet sich hauptsächlich über Mund-zu-Mund-Kontakt. Deshalb nennt sich die Infektion auch „Kusskrankheit“.

Bis zu 95 Prozent der Menschen tragen das Virus bereits in sich, ohne etwas davon zu wissen. Wer sich als Kind ansteckt, bei dem verläuft die Infektion wie eine normale Erkältung. Wer sich dagegen als Erwachsener infiziert, kann ziemlich unter dem Virus leiden – und es stellen sich viele Fragen. Zehn Wichtige klären wir hier:


1. Wie lange bin ich ansteckend, wenn ich Pfeiffersches Drüsenfieber habe?

„Das Epstein-Barr Virus wird vor allem vor der akuten Erkrankungsphase im Speichel ausgeschieden“, erklärt Dr. Hans Helmut Niller, Mikrobiologe am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsklinik Regensburg. Das heißt, Sie stecken bereits andere Menschen an, bevor Sie selbst Krankheitssymptome verspüren. Auch Wochen bis Monate nach der akuten Infektion kann sich das Virus noch im Speichel befinden. Selbst wenn Sie vor Jahren Pfeiffersches Drüsenfieber hatten, können Sie immer wieder mal die Viren ausscheiden und andere Menschen anstecken. Das ist wohl einer der Gründe, warum ein Großteil der Bevölkerung mit Epstein-Barr Viren infiziert ist.

2. Darf ich meinen Partner küssen, wenn ich eine EBV-Infektion habe?

Das lässt sich nicht pauschalisieren. Machen Sie als Erwachsener die Infektion durch, wird Ihr Partner mit großer Wahrscheinlichkeit schon EB-Viren in sich tragen. Damit wäre Küssen erlaubt, denn der Partner ist immun. Dennoch kann es passieren, dass sich der Partner noch nicht mit den Viren infiziert hat und Sie ihn durch einen Kuss anstecken. Bei Heranwachsenden ist diese Gefahr größer.

3. Wie lange dauert die Infektion normalerweise?

Bei den meisten Menschen verschwinden die Beschwerden nach zwei bis drei Wochen wieder. „Knapp die Hälfte der Patienten ist jedoch auch nach zwei Monaten nicht ganz beschwerdefrei“, sagt Niller, der sich wissenschaftlich mit dem Epstein-Barr Virus beschäftigt. Zirka 10 Prozent der Erkrankten benötigen bis zu einem halben Jahr, bis sie die Infektion überwunden haben.

4. Helfen Antbiotika?

Antibiotika sind Arzneimittel, die Bakterien abtöten. Gegen Viren helfen sie nicht. Leiden Sie akut an einer EBV-Infektion, können Ihnen Antibiotika sogar schaden. Nicht selten wird das Pfeiffersche Drüsenfieber mit einer Mandelentzündung oder einer Nasennebenhöhlenentzündung verwechselt, da die Symptome sehr ähnlich aussehen. Bekommen Sie gegen den vermeintlichen Infekt ein Antibiotikum wie Ampicillin oder Amoxicillin verschrieben, kann es zu einem Hautausschlag am ganzen Körper kommen. Es handelt sich dabei um eine pseudoallergische Reaktion auf das Medikament – ausgelöst durch den eigentlichen Infekt. „Häufig führt dieser Ausschlag dann zur Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber“, erläutert der Mikrobiologe.

5. Wie lange darf ich keinen Sport treiben?

Während der akuten Erkrankungsphase braucht Ihr Körper in erster Linie Ruhe. „Solange die Symptome andauern, sollten Sie keinen Leistungssport machen“, rät Niller. Warten Sie auch nach Abklingen der Beschwerden vorsichtshalber mindestens vier Wochen ab, bevor Sie wieder richtig loslegen. Mäßig anstrengende Bewegung ist während dieser Zeit erlaubt – zum Beispiel ein flotter Spaziergang oder eine kleine Radtour in flachem Gelände. Sollten Sie eine Sportart ausüben, bei der Sie häufig in Kontakt mit anderen Sporttreibenden kommen (wie etwa Kampfsport) dann verzichten Sie vorerst darauf. „Pfeiffersches Drüsenfieber geht häufig mit einer Milzschwellung einher, Kampfsport kann in diesem Fall zu einem Milzriss führen“, warnt der Experte.

6. Bin ich nach der Infektion immun gegen das Virus?

Zwar verbleiben die Viren lebenslang im Körper. Normalerweise bereiten sie jedoch nur einmal Beschwerden. Nach der Erstinfektion sind sie daher in aller Regel immun.

7. Seit ich Pfeiffersches Drüsenfieber hatte, fühle ich mich ständig müde. Habe ich eine chronische EBV-Infektion?

Pfeiffersches Drüsenfieber kann sehr langwierig verlaufen. Der Erkrankte ist oft müde und kann schnell erschöpft sein. „Das bedeutet aber nicht, dass es sich um einen chronischen Verlauf handelt“, meint der Experte. Eine chronische Infektion mit den Viren sei in Deutschland eine Rarität. „In den meisten Fällen hat chronische Müdigkeit andere Ursachen, ein Zusammenhang mit EBV lässt sich nicht feststellen“, merkt Niller an. Nur selten zieht sich die Erholungsphase nach einem Pfeifferschen Drüsenfieber länger hin – bis zu einem Jahr.

8. Bin ich anfälliger für Infekte, wenn ich Pfeiffersches Drüsenfieber hatte?

Niller sagt: „Nein, nachdem die Infektion ausgeheilt ist, bleibt keine dauerhafte Immunschwäche zurück.“

9. Sollte ich mich gegen Pneumokokken impfen lassen, wenn ich Pfeiffersches Drüsenfieber hatte?

Pfeiffersches Drüsenfieber macht Sie im Normalfall nicht anfälliger für Erkältungen oder Infektionen, die von Pneumokokken ausgelöst werden. Das sind Bakterien, die zum Beispiel zu einer Lungenentzündung führen können. Deshalb empfehlen Experten keine speziellen Impfungen. Sind Sie über 60 Jahre alt oder musste Ihnen die Milz entfernt werden, dann rät Niller allerdings zu einer Pneumokokken-Impfung: „Wer ohne Milz lebt, ist unter anderem anfälliger für Infektionen mit Pneumokokken und Meningokokken.“ Auch wenn Sie ein geschwächtes Immunsystem haben, zum Beispiel durch die Einnahme bestimmter Medikamente, sollten Sie spezielle Impfungen vornehmen. Fragen Sie Ihren Arzt dazu.

10. Muss ich Angst vor Krebs haben?

Epstein-Barr Viren können an der Entstehung bestimmter Krebsarten beteiligt sein. „Das Risiko, nach einem Pfeifferschen Drüsenfieber an einem Tumor zu erkranken, ist aber dennoch äußerst gering“, beruhigt Niller.




Bildnachweis: Thinkstock/PhotoDisc

Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; erstellt am 18.12.2012
Bildnachweis: Thinkstock/PhotoDisc

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