Infektionsherd Dusche: Die Ansteckung mit dem Erreger der Legionärskrankheit erfolgt durch das Einatmen von Wasserdampf
Bei der Suche nach der Ansteckungsquelle standen die Ulmer Behörden vor einem Rätsel. Von Dezember 2009 bis Januar 2010 waren in der Stadt an der Donau 64 Menschen an Legionellen erkrankt – fünf von ihnen starben an den Folgen der Infektion.
Legionella pneumophila, der stäbchenförmige Erreger, lebt im Süsswasser und siedelt sich bevorzugt in Wasserrohren an. Daher tritt die durch ihn hervorgerufene Legionärskrankheit häufig dort auf, wo Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen mit infiziertem Wasser in Berührung kommen – zum Beispiel in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Hallenbädern.
Im Ulmer Fall schieden diese jedoch als Infektionsquelle aus. Alles, was die Erkrankten miteinander verband, war die Tatsache, dass sie sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums in der Ulmer Innenstadt aufgehalten hatten. Nach wochenlangem Suchen entdeckten Experten der Gesundheitsbehörden schließlich den Verursacher: Die Erreger wurden durch eine Dampfwolke aus einer Nasskühlanlage in der Innenstadt verbreitet.
Legionellen-Ausbrüche in einer solchen Größenordnung sind eher ungewöhnlich. Die meldepflichtige Infektionskrankheit tritt vergleichsweise selten auf: Im Jahr 2008 wurden dem Robert-Koch-Institut 522 Fälle in Deutschland gemeldet. Allerdings ist davon auszugehen, dass viele Ansteckungen wegen der unspezifischen grippeähnlichen Symptome unerkannt bleiben.
Die Erkrankung trifft öfter Menschen, die ihren Urlaub in südlichen Ländern verbringen. In schwach besuchten Hotels beispielsweise können sich die Keime dort im lauwarmen, teils stehenden Wasser schlecht gewarteter Rohrsysteme rasant vermehren.
Infektiöse Tröpfchen
Die Übertragung der Mikroben erfolgt durch das Einatmen winziger Wassertröpfchen, die zum Beispiel aus den verstopften Düsen schlecht entkalkter Duschköpfe, aus Luftbefeuchtern oder Klimaanlagen kommen.
„Von den infizierten Patienten geht keine Ansteckungsgefahr aus“, betont Professorin Heike von Baum vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Ulm. Legionellen werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen.
Gefährdet sind in erster Linie ältere und immungeschwächte Menschen. Auch chronische Lungenleiden und starkes Rauchen erhöhen das Erkrankungsrisiko. Nach dem Einatmen des Erregers können zwei Verlaufsformen auftreten. Heike von Baum beschreibt eine Variante: „Hier kommt es zum sogenannten Pontiac- Fieber mit grippeähnlichen Symptomen. Meist klingt es nach zwei bis drei Tagen von selbst wieder ab.“
Bei der zweiten Verlaufsform leiden die Patienten an hohem Fieber, Verwirrtheit und Schmerzen beim Atmen; die Erkrankung mündet schließlich in eine Lungenentzündung. Schwere Fälle müssen laut Heike von Baum mit Antibiotika behandelt werden, weil sie andernfalls tödlich enden können.
Wer Infektionen in den eigenen vier Wänden vorbeugen will, sollte den Warmwasserboiler entsprechend den technischen Vorgaben ab und zu einmal auf 60 Grad stellen. Bei mehr als 55 Grad sterben die Keime ab. Auch durch das regelmäßige Warten und Reinigen von Duschköpfen und Klimaanlagen lässt sich das Risiko verringern.
Dr. Luitgard Marschall, Apotheken Umschau;
10.08.2010, aktualisiert am 11.08.2010
Bildnachweis: plainpicture GmbH & Co. KG
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