Keime im Büro: Wie schützt man sich?

Kommen Kollegen mit einer Erkältung zur Arbeit, können sich Krankheitserreger rasch im gesamten Büro verteilen. So können Sie sich davor schützen

von Martin Neutard, 21.01.2016

Laptop, Smartphone, Stift: Darüber können Erkältete potenziell Keime übertragen

Getty Images/BJI/Blue Jean Images

Mit müden Augen und triefender Nase schleppt sich der Kollege an seinen Schreibtisch, auf dem sich bereits ein Berg von Taschentüchern angesammelt hat. Arbeitnehmer, die sich trotz einer Erkältung oder gar Grippe in die Arbeit begeben, vergessen häufig, dass sie nicht nur sich selbst keinen Gefallen damit tun. Sie setzen auch alle anderen in ihrem Umfeld dem Risiko aus, sich anzustecken. Denn Krankheitserreger können sich an Orten mit vielen Menschen in Windeseile ausbreiten.

Bei Erkältung zu Hause bleiben

"Wenn jemand merkt, dass er krank wird, sollte er telefonisch Bescheid geben und zu Hause bleiben", rät Dr. Ernst Tabori, ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg. Denn bereits auf dem Weg zur Arbeit verbreitet der Kranke seine Keime. Wer also mit einer Erkältung rechnet, weil er schon ein Kratzen im Hals verspürt oder mit Kopfschmerzen zu kämpfen hat, schont sich besser eine Zeit lang. "Meist sind die schlimmsten Symptome schon nach drei Tagen überstanden", sagt Tabori, der unter anderem Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin ist.


Unser Experte: Dr. Ernst Tabori, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

W&B/Privat

Dennoch gehen viele trotz Husten und Schnupfen zur Arbeit, um zu zeigen, dass sie auch wirklich krank sind. Das Problem dabei: "Dieses Verhalten wird von anderen kopiert, wodurch sich noch mehr Mitarbeiter anstecken und ausfallen", sagt der Infektiologe. Laut Tabori geht es hier auch um einen Wandel in der Unternehmenskultur. Bei Krankheit zu Hause zu bleiben müsse als verantwortungsbewusstes Handeln eingestuft und gefördert werden. "Denn unterm Strich erspart es dem Unternehmen viele krankheitsbedingte Fehltage."

Wo befinden sich besonders viele Keime?

Keime können überall sein, wo sich Menschen aufhalten, zum Beispiel auf Gegenständen, die sie berühren: die Haltestangen in der U-Bahn, Türklinken, Computer, Telefone. "Gerade auf Gegenständen, die von mehreren benutzt werden, sammeln sich viele Keime", sagt Tabori. Besitzt das Büro eine Küche, sind besonders auch Spülschwamm und Geschirrtücher aufgrund des feuchten Milieus beliebte Aufenthaltsorte für Mikroorganismen.

Wie lange Krankheitserreger auf jenen Gegenständen überleben, ist schwer zu sagen. Der Begriff "Keime" umfasst alle möglichen Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder auch Pilze. Diese weisen verschiedene Eigenschaften auf: So können Noroviren unter geeigneten Bedingungen bis zu 14 Tage überdauern – manche Sporen von Bakterien sogar Jahre. "Bei Influenza-Viren, den Erregern der echten Grippe, gilt: Je kühler es ist, desto länger bleiben sie infektiös", sagt Tabori. Bei einer Raumtemperatur von 20 Grad Celsius werden sie innerhalb von zwei bis maximal acht Stunden inaktiviert.     

Verschiedene Infektionswege

Die Übertragung von Keimen kann über mehrere Wege stattfinden: Zum einen werden Krankheitserreger direkt von Mensch zu Mensch weitergegeben, beispielsweise beim Händeschütteln. Auch eine indirekte Infektion über Gegenstände ist möglich, wenn man mit den Händen Keime aufnimmt und sich dann an die Nase oder die Augen fasst.

Zum anderen gibt es die sogenannte Tröpfcheninfektion. Dabei werden Viren und Co. in einer Feuchtigkeitswolke ausgestoßen, wie das beim Niesen der Fall ist. "Der Streuradius solcher Tropfen kann bis zu anderthalb Meter betragen", sagt Tabori. Allerdings ist es nicht so, dass anschließend die ganze Luft von Krankheitserregern erfüllt wäre: "Die Raumluft spielt als Übertragungsmedium für die meisten Infektionen eine untergeordnete Rolle."

Händewaschen wichtigste Maßnahme

Um die Ansteckungsgefahr für sich selbst und andere zu verringern, gibt es ein einfaches, aber effektives Mittel: Händewaschen. Das Säubern der Hände kann die meisten Krankheitserreger beseitigen. "Die Hände sollten mit Wasser und Seife 20 Sekunden lang gründlich gereinigt werden", sagt Tabori. Dabei gehe es jedoch nicht darum, einen Waschzwang zu entwickeln: "Sinnvoll ist das Händewaschen immer bei der Heimkehr, zum Beispiel aus der Stadt – und natürlich vor dem Essen und nach der Toilette", so der Hygienespezialist. Und das gelte nicht nur während der Erkältungsmonate. Der Einsatz von Desinfektionsmitteln ist im Normalfall nicht nötig: "Desinfektionsmittel gehören in Krankenhäuser, nicht ins Büro", sagt Tabori.

Wichtig ist es auch, regelmäßig zu lüften. Denn gerade im Winter trocknet die Heizungsluft die Schleimhäute schnell aus. Dadurch können Krankheitserreger leichter in den menschlichen Körper gelangen. "Mehrmals täglich sollte man ein paar Minuten Stoßlüften, um frische Luft reinzulassen", rät der Experte. Zudem sei es gelegentlich sinnvoll, die Luft zu befeuchten. Allerdings sollte man sich vorher gut über geeignete Methoden informieren.

Und auch was die Büroausstattung betrifft, können einfache Maßnahmen die Verbreitung von Keimen begrenzen. Beispiel Computer-Tastatur: Vor allem, wenn am Arbeitsplatz gegessen wird, kann sich auf den Tasten ein leichter Fettfilm bilden – ideale Bedingungen für Bakterien. "Hier hilft es, die Tastatur regelmäßig vor dem Einschalten des PCs abzuwischen – ein Reinigungstuch reicht dazu aus", sagt Tabori. Das entzieht den Bakterien die Nahrung, wodurch sie normalerweise innerhalb weniger Stunden absterben. Spülschwämme und Geschirrtücher in der Küche sollten regelmäßig gereinigt und ersetzt werden: "Allerspätestens sobald sie Verfärbungen annehmen oder beginnen zu riechen, müssen Schwämme und Tücher erneuert werden", so Tabori.


Grippe und Erkältung: Wo treten aktuell Atemwegsinfekte auf?


Bildnachweis: Getty Images/BJI/Blue Jean Images, W&B/Privat

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