Infektionen im Intimbereich therapieren

Scheidenpilz oder bakterielle Vaginose? Viele Frauen sind unsicher, wie sie die Symptome deuten und behandeln sollen

Vorsicht mit Synthetikunterwäsche: Hier bildet sich leicht ein Feuchtigkeitsstau

Fast jede Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben eine Pilzinfektion in der Scheide oder eine bakterielle Vaginose – manche sogar deutlich öfter, schätzen -Experten. Doch die häufigsten Symptome – Jucken und Brennen – sind unspezifisch, die Betroffenen verunsichert. Gleich zum Arzt? Oder lieber mit einem Anti-Pilz-Mittel auf Verdacht behandeln? Und wenn es gar keine Pilzinfektion ist? So unterscheiden Sie Pilz und Vaginose:


Bei einer Pilzinfektion (Mykose) juckt und brennt die Vagina, etwa beim Wasserlassen, sie ist gerötet und geschwollen. Den Hefepilz Candida albicans erkennt man gut am typischen Ausfluss (Fluor): Er ist weiß, fest und bröckelig, fast wie Quark. Frauenärzte begutachten außerdem einen Abstrich aus der Scheide unter dem Mikroskop. Pilze oder Keime können sie dort gut sehen.

Die bakterielle Vaginose äußert sich weniger deutlich, Juckreiz und Brennen sind schwächer ausgeprägt. Häufig treten Schmerzen nach dem Sex auf sowie flüssiger, weißer oder gelblicher Ausfluss. „Vor allem klagen die Patientinnen über einen unangenehmen, fischigen Geruch aus der Scheide“, erklärt Dr. Manfred Stumpfe vom Berufsverband der Frauenärzte. Hauptverursacher ist der Keim Gardnerella vaginalis. Er verändert den pH-Wert in der Scheide. Dieser liegt normalerweise bei 4 bis 4,6 und steigt durch die Infektion auf 6 bis 6,5. Die bakterielle Vaginose kann beim Sex übertragen werden, aber auch ohne Geschlechtsverkehr auftreten.


„Grundsätzlich sind beide Erkrankungen harmlos“, sagt Professor Klaus Friese, Direktor der Frauenklinik in München-Großhadern. Nur sehr selten breitet sich eine Vaginose aus und führt zu einer Entzündung von Gebärmutter, Eileitern oder Eierstöcken. „Manchmal tritt sie auch zusammen mit einer Chlamydien-Infektion auf. Diese zählt zu den Hauptursachen für Unfruchtbarkeit, wird aber kaum bemerkt“, sagt der Gynäkologe. Besonders häufig kommt eine Infektion während der Schwangerschaft vor: Jede dritte Frau hat dann einen Pilz, etwa jede fünfte eine Vaginose. Weil diese eine Frühgeburt auslösen kann, sollten werdende Mütter bei den ersten Symptomen sofort zum Arzt gehen. Mit einem speziellen Handschuh können sie zudem den pH-Wert der Scheide selbst messen und erkennen, ob eine Vaginose vorliegt.


Pilze und Bakterien gehören zum gesunden Scheidenmilieu. Gerät es aus dem Gleichgewicht, etwa wenn die Abwehr geschwächt ist, vermehren sie sich. Das kann während einer Stressphase am Arbeitsplatz passieren, in der Schwangerschaft – die hormonellen Veränderungen begünstigen Infektionen – oder nach der Einnahme von Antibiotika: Diese töten nicht nur krank machende Bakterien ab, sondern auch gesunde Laktobazillen (Döderlein-Stäbchen). Ähnlich wirkt gechlortes Wasser im Schwimmbad. Während oder nach der Periode kann eine Pilzinfektion entstehen, weil das alkalische Menstruationsblut das Scheidenmilieu vorübergehend verändert.


Weitere mögliche Auslöser sind übertriebene Intimpflege, Scheidenspülungen, Slipeinlagen und synthetische, eng anliegende Unterwäsche. „Stringtangas gehören zu den Hauptursachen für ständige Scheiden- und Harnwegsinfektionen. Sie bilden eine Keimbrücke vom Anus zur Vagina“, erklärt Gynäkologe Stumpfe. Pilze und Bakterien aus dem Darm können sich dann schnell an der falschen Stelle vermehren. Baumwollunterwäsche und die richtige Wischtechnik auf der Toilette – ausschließlich von vorne nach hinten – verhindern dies.


Nach der Diagnose beim Frauenarzt lassen sich sowohl Pilzinfektion als auch bakterielle Vaginose schnell behandeln. Den Hefepilz bekämpfen Anti-Pilz-Mittel (Antimykotika), gegen die Infektion mit Gardnerella vaginalis helfen Antibiotika. Schwangere erhalten besondere Medikamente. Bei den Präparaten zur Pilzbekämpfung handelt es sich meist um Vaginalzäpfchen und eine Creme. Es gibt sie rezeptfrei in der Apotheke.


Frauenärzte raten jedoch von der Selbstbehandlung ab. Juckt und brennt es ausgerechnet am Wochenende oder hat die Gynäkologin so schnell keinen Termin frei, „kann man es mit einem Antimykotikum versuchen“, sagt Manfred Stumpfe. „Auf jeden Fall aber sollten die Betroffenen die Beschwerden vom Arzt abklären lassen.“


Tritt häufiger als viermal im Jahr eine Infektion auf, ist eine längere Therapie nötig, eventuell muss auch der Partner behandelt werden. Darmsanierungen oder eine zuckerfreie „Pilz-Diät“ dagegen helfen weder, noch beugen sie vor. „Auch ob eine Impfung gegen Vaginose hilft, ist nicht belegt“, berichtet Klaus Friese. Die betroffenen Frauen können ihr Scheidenmilieu mit Milchsäurekapseln und Cremes verbessern, sagt Gynäkologe Stumpfe. „Ich rate dazu nach jeder Scheideninfektion.“

So beugen Sie vor:

 

  • Beschränken Sie sich bei der Intimhygiene auf Wasser, verzichten Sie auf Seife und Spülungen.

 

  • Tragen Sie Baumwollunterwäsche, und waschen Sie sie bei mindestens 60 Grad.

 

  • Binden und Slipeinlagen sollten Sie nicht zu häufig verwenden, denn sie schaffen ein feuchtes Mileu, das Keime und Pilze mögen.

 


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