Fuchsbandwurm auch in der Stadt ein Problem

Eine Fuchsbandwurmerkrankung kommt sehr selten vor, ist aber potenziell lebensgefährlich. Experten entdecken die Wurmeier vermehrt in Städten. Wie Sie sich schützen können

von Bastian Fersch, aktualisiert am 10.11.2015

Neben Füchsen können auch Hunde oder Katzen den Fuchsbandwurm übertragen

Jupiter Images GmbH/Photos.com

Früher steckten sich vor allem Landwirte und Jäger mit dem Fuchsbandwurm an. Heute trifft es auch Menschen in der Stadt. Der Grund: Füchse, die den Parasiten in sich tragen, wandern in die Städte. In ihrem Kot finden sich die Eier des Wurms, der beim Menschen die potenziell lebensgefährliche Echinokokokkose, zu deutsch: Fuchsbandwurmerkrankung, auslösen kann. Unbehandelt zerstört der Parasit die Leber.

Bis August 2015 wurden dem Robert Koch-Institut 96 Fälle gemeldet, bei denen die Fuchsbandwurmerkrankung aufgetreten ist. 22 davon stammen aus Baden-Württemberg, 18 aus Nordrhein-Westfalen. Laut einer Mitteilung der Universitätsklinik Ulm gilt Ulm und Umgebung als Epizentrum des Fuchsbandwurms. Rund 70 Prozent der dort lebenden Füchse würden den Erreger in sich tragen. Dennoch beruhigt Professor Klaus Brehm, Biologe am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg: "Die Infektion mit dem Fuchsbandwurm zählt zu den seltensten Parasitosen Europas."

Infektion mit dem Fuchsbandwurm

Als Zwischenwirt für den Fuchsbandwurm dienen hauptsächlich Mäuse, Ratten und andere Nagetiere. Bei der Übertragung auf den Menschen spielen sie jedoch kaum eine Rolle. Wird eine infizierte Maus von einem Fuchs oder einem Hund gefressen, findet der Parasit in ihnen einen genetisch idealen Endwirt. Über die Ausscheidungen der infizierten Füchse oder Hunde gelangen Wurmeier in die Umwelt. Diese sind widerstandsfähig genug, um einen langen, eisigen Winter zu überdauern. Eine Übertragung der Wurmeier auf den Menschen findet ausschließlich über den Kontakt zum Mund statt. Aber nur in zehn bis 20 Prozent aller positiven Bluttests erkranken die Betroffenen wirklich an der alveolären Echinokokkose. Die ersten Symptome wie Oberbauchschmerzen oder Gelbsucht zeigen sich frühestens nach fünf bis zehn Jahren.


Die Übertragungswege des Fuchsbandwurms

W&B/Swen Sallwey

Kaum Ansteckung durch Waldbeeren

Entgegen der vielen Gerüchte ist von keinem Fuchsbandwurm-Patienten bekannt, dass er oder sie sich durch Waldbeeren angesteckt hätte. "Beeren, die hoch am Strauch hängen, scheiden als Infektionsweg aus", stellt Experte Brehm klar. "Es ist schwer vorstellbar, wie etwa Fuchskot an hoch hängende Beeren gelangen soll." Die weit verbreitete Angst vor Waldfrüchten ist daher fast immer unbegründet. Erdbeerfelder in Waldnähe könnten ein kleines Risiko darstellen, da Füchse und Mäuse in Berührung mit den nahe am Boden wachsenden Früchten gekommen sein können. Fleißige Pflücker sollten die Erdbeeren nicht direkt vom Feld naschen. Auch in Sandkästen oder dem heimischen Gemüsebeet können sich Bandwurmeier finden. Deshalb gilt: Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich abwaschen und ebenso die Hände waschen, nachdem sie mit Erde in Kontakt gekommen sind. Keine Gefahr ist bei selbstgekochter Erdbeermarmelade zu befürchten: Die Eier des Fuchsbandwurms sterben ab Temperaturen über 60 Grad Celsius zuverlässig ab.

Übertragung vom Haustier zum Menschen

Wenn man von einer Gefahr durch den Fuchsbandwurm sprechen kann, so geht diese am ehesten von Haustieren aus. "In China spielen vor allem Hunde, die Mäuse fressen, eine große Rolle bei der Übertragung auf den Menschen", sagt Klaus Brehm. In Deutschland geraten Hunde seltener in Kontakt mit Mäusen, wobei Haustiere auf dem Land häufiger auf Erreger treffen als in der Stadt. Ob der Haushund im Wald einen toten Fuchs entdeckt oder das apportierte Stöckchen zuvor an einer infizierten Stelle gelegen hat: Die Weitergabe des Fuchsbandwurms durch den Hund an den Menschen ist zwar extrem selten, aber möglich. Wer also weiß, dass bei seinem Hund oder seiner Katze des Öfteren Mäuse auf dem Speiseplan stehen, sollte sein Tier unbedingt alle sechs bis zwölf Wochen entwurmen, es nicht ins Bett lassen und den Kontakt generell auf ein hygienisches Maß reduzieren.


Unser Experte: Professor Klaus Brehm, Institut für Hygiene und Mikrobiologie an der Universtität Würzburg

W&B/Privat

Wer gefährdet ist

Zu den sogenannten Endemie-Gebieten des Fuchsbandwurms gehört der gesamte süddeutsche Raum, vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Stark betroffen sind die ländlichen Gebiete der Schwäbischen Alb. Landwirte, Jäger und Waldarbeiter gelten immer noch als besonders gefährdet, weil sie direkt in Kontakt mit Wurmeiern kommen können. Die Infektion ist bei ihnen als Berufskrankheit anerkannt, in einigen Bundesländern sind routinemäßige Bluttests vorgeschrieben. "Rund zwei Monate nach dem Kontakt, zum Beispiel mit einem toten Tier, ist im Blut feststellbar, ob die Person Wurmeier aufgenommen hat", erklärt Biologe Brehm. Vorsichtig sollten aber auch Menschen sein, die nahe am Wald wohnen oder im heimischen Garten schon einen Fuchs gesehen haben – beispielsweise am Komposthaufen. Wer Fuchskot im Garten findet, sollte ihn mit einer Schaufel entfernen und die Stelle mit heißem Wasser übergießen, um mögliche Erreger abzutöten. Kinder sollten von Fuchswelpen die Finger lassen – auch wenn sie noch so süß sind. Brehm mahnt: "Eine Familie kam mit Wurmeiern in Kontakt, weil sie junge Füchse mit Hundewelpen verwechselte und mit nach Hause nahm."



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