Enterobakterien

Zusammenfassung;
Sie sind gramnegative, begeißelte Stäbchenbakterien, die im Boden, im Wasser, in den Pflanzen und vor allem im Darmtrakt von Mensch und Tier vorkommen.
Die Mitglieder der Familie sind mittelgroße (0,3-1 mal 1,0-6 µm) Bakterien, die beweglich oder nicht beweglich sein können und keine Sporen bilden.
Die Familie der Enterobakterien ist die größte, aber auch heterogenste Sammlung von medizinisch bedeutsamen gramnegativen Bakterien.



Einige Mitglieder der Familie, z. B. Shigella, Salmonella und Yersinia pestis, rufen beim Menschen immer eine Erkrankung hervor. Andere, wie Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Proteus mirabilis sind Mitglieder der normalen Flora. Sie lösen nur unter bestimmten Bedingungen, wie Abwehrschwäche, so genannte opportunistische Infektionen aus.

Infektionen können durch eine Übertragung von Tieren (z. B. die meisten Salmonelleninfektionen), von menschlichen Trägern (Shigella und Salmonella typhi) oder beim immungeschwächten Patienten von sich selbst (z.B. Escherichia) auftreten.

Die Enterobakterien sind für 30-35 Prozent aller Blutvergiftungen und über 70 Prozent der Harnwegsinfektionen (z. B. Blasenentzündung, Nierenbeckenentzündung) und für die meisten Magen-Darm-Infektionen verantwortlich.

Alle wachsen sowohl mit als auch ohne Sauerstoff und sind anspruchslos im Labor anzüchtbar. Das Fehlen der sogenannten Cytochromoxidase-Aktivität ist für diese Bakterien charakteristisch und man kann sie dadurch sofort von gramnegativen Bakterien unterscheiden. Die Fähigkeit, Milchzucker (medizinisch: Laktose) umzusetzen, differenziert Escherichia, Klebsiella, Enterobacter, Citrobacter, Serratia von den Enterobakterien, die keine Laktose umsetzen, wie Salmonella, Shigella und Yersinia.


Lokalisation von Infektionen durch Enterobakterien

 
Zentrales Nervernsystem:
Escherichia
Untere Atemwege:
Klebsiella
Enterobacter
Escherichia
Blutbahn:
Escherichia
Enterobacter
Magen-Darm-Trakt:
Salmonella
Shigella
Yersinia
Harnwege:
Escherichia
Proteus
Providenica
Klebsiella
 
 
 
 
 


Übersicht Enterobakterien
Gattung Art Vorkommen und Bedeutung für den Menschen
Escherichia Escherichia coli Darmflora, Eiter- und Entzündungserreger außerhalb des Darmes, Blutvergiftung (medizinisch : Sepsis), Harnwegsinfekte
Citrobacter Citrobacter freundii u. a. Darmflora, gelegentlich Lebensmittelinfektionen und Durchfallserkrankungen sowie Eiter- und Entzündungserreger außerhalb des Darmes
Klebsiella Klebsiella pneumoniae u. a. Darmflora, Eiter- und Entzündungserreger in Harn-,Atem-und Gallenwegen , Sepsis
Enterobacter Enterobacter cloacae Darmflora, gelegentlich Erreger von eitrigen Entzündungen außerhalb des Darmes, Sepsis
Serratia Serratia marcescens gelegentlich Erreger von eitrigen Entzündungen und Sepsis
Proteus Proteus mirabilis
Proteus vulgaris
Darmflora, Fäulniserreger, Eiter- und Entzündungs-erreger außerhalb des Darmes, Sepsis
Providencia Providencia stuartii u. a.
Morganella morganii
Darmflora, Eiter- und Entzündungserreger außerhalb des Darmes, Sepsis wie zuvor
Morganella Hafnia Morganella morganii
Hafnia alvei
wie zuvor
Darmflora, gelegentlich Eiter- und Entzündungserreger außerhalb des Darmes, Sepsis
Edwardsiella Edwardsiella tarda u. a. sehr selten in Darmflora d. Menschen, häufiger bei Tieren, gelegentlich Entzündungserreger
Salmonella Salmonella typhi
Salmonella paratyphi A, B und C
Salmonella enteritidis
Salmonella typhimurium u. a.
Erreger des Typhus abdominalis
Erreger des Paratyphus
Erreger von akuten Magen-Darmentzündungen (medizinisch: Gastroenteritiden)
Shigella Shigella dysenteriae
Shigella flexneri
Shigella sonnei
Shigello boydii
Erreger der bakteriellen Ruhr
Yersinia Yersinia pestis
Yersinia pseudotuberculosis
Yersinia enterocolitica
Erreger der Pest
Erreger der so genannten mesenterialen Lymphadenitis, dies ist schmerzhaftes Anschwellen der Lymphknoten des Dünndarmgekröses, von Darmentzündung und systemischer Infektionen
 
Letzte Aktualisierung:
01.03.2007 (Patricia Herzberger)
Autor:
Prof. Dr. med. Kurt Bauer
Experten für diese Seite:
Univ. Prof. Dr. Meinhard Haltmayer (Labormedizin)
Dr. med. Michael Heins (Labormedizin)

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