Der Unterschied zwischen Bakterien und Viren

Bakterien und Viren können krank machen – viel mehr haben sie nicht gemeinsam. Wir erklären den Unterschied zwischen den Erregern von der Größe bis hin zur Bekämpfung mit Medikamenten

von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 04.03.2013

Bakterien (links) können sich im Gegensatz zu Viren (rechts) selbst vermehren. Ein Virus braucht einen Wirt zur Vermehrung

Thinkstock/iStockphoto, Ingram Publishing

Aus dem täglichen Leben kennen wir sie alle: Bakterien und Viren. Wir wissen, dass sie unsichtbar für das menschliche Auge sind, fast überall vorkommen und uns krank machen können. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Arten und viele davon existierten bereits zu Zeiten, als es noch keine größeren Lebewesen auf der Erde gab. Aber was unterscheidet ein Virus von einem Bakterium?

Die Größe: Bakterien sind viel größer als Viren

Bakterien und Viren sind am einfachsten an ihrer Größe zu unterscheiden. "Bakterien sind bis zu hundert mal größer als Viren", erklärt Dr. med. Clemens Fahrig, Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Hubertus in Berlin. Die meisten Bakterien haben einen Durchmesser von etwa 0,6 bis 1,0 Mikrometer (µm). Sie sind noch mit einem normalem Lichtmikroskop zu sehen. Die viel kleineren Viren erkennt man dagegen nur unter dem Elektronenmikroskop.


Der Bauplan: Viren sind einfacher aufgebaut

"Der wesentliche Unterschied ist der Bauplan", sagt Fahrig. Viren und Bakterien unterscheiden sich auch in Ihrer "Anatomie". "Bakterien besitzen zum Beispiel eine richtige Zellwand sowie eine Innenstruktur", erläutert der Facharzt für Innere Medizin. Innerhalb der Wand liegt das Zytoplasma, die Ribosomen und der Erbgut-Faden des Bakteriums.

Das Zytoplasma ist die Grundstruktur der Zelle, in ihm laufen Stoffwechselvorgänge ab. Die Ribosomen helfen bei der Eiweißsynthese und bei der Vermehrung des Bakteriums. Zusätzlich tragen viele Bakterien eine oder mehrere Geißeln, die zur Fortbewegung dienen. Manche Arten besitzen sogenannte Pili, die bei der Anheftung an andere Bakterien, Oberflächen oder Zellen helfen.

Viren sind einfacher aufgebaut. Sie bestehen meistens nur aus ihrem Erbgut, das in einer Hülle aus Proteinen, dem Capsid, eingeschlossen ist.

Vermehrung: Viren brauchen einen Wirt

Bakterienzellen vermehren sich, wie auch menschliche Zellen, in der Regel durch Zellteilung. Bevor sich eine Bakterienzelle teilen kann, kopiert sie ihr Erbgut. Dann schnürt sich das Bakterium in der Mitte durch. Aus einer Mutterzelle werden zwei Tochterzellen, die sich wiederum selbst teilen können.

Viren können sich nicht selbstständig vermehren. Da sie kein Zytoplasma und keine Ribosomen besitzen, können sie weder ihr Erbgut selbst kopieren, noch ihre Hülle selbst herstellen. Viren befallen daher fremde Zellen, die sogenannten Wirtszellen, in die sie ihre eigene Erbinformation einschleusen. Die Erbinformation des Virus "programmiert" das Erbgut der Wirtszelle um, so dass sie viele weitere Viren produziert. Die neuen Viren verlassen die Wirtszelle entweder durch Exocytose, so nennt man das Ausschleusen aus der Zelle, durch Knospung oder durch Lysierung. Bei der Knospung werden Viren mit Teilen der Zelle abgeschnürt, bei der Lyse wird die Membran der Wirtszelle aufgelöst.

Bakterien zählen zu den Lebewesen, Viren nicht

Auch die Lebensweise und somit der Stoffwechsel von Bakterien ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt Bakterien, die für ihren Stoffwechsel Sauerstoff benötigen und solche, für die Sauerstoff Gift ist. Einige Bakterien brauchen Licht um zu existieren, andere bestimmte Chemikalien, wie zum Beispiel Schwefel.

Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel. Daher werden sie, im Gegensatz zu Bakterien, auch nicht zu den Lebewesen gerechnet!

Wie Bakterien und Viren krank machen

Bakterien und Viren machen uns auf unterschiedliche Weise krank. Viren können bei ihrem Vermehrungsprozess zum Beispiel Zellen in unserem Körper zerstören. Oder die körpereigenen Abwehrzellen beseitigen die vom Virus befallene Zelle. Bakterien können beispielsweise durch ihre Stoffwechselprodukte krankmachen. Diese sind zum Teil für den Menschen giftig.

Unterschiedliche Behandlung: Antibiotika helfen nur bei Bakterien

"Antibiotika beeinflussen und greifen Strukturen der Bakterien, wie zum Beispiel die Zellwand, an und können so zum Absterben der Bakterien führen", sagt Fahrig. Weil die Zellwand von Bakterien anders aufgebaut ist als die Zellmembran der Körperzellen, greifen Antibiotika nur Bakterien an und keine Körperzellen. Manche Antibiotika töten die Bakterien gar nicht ab, sondern hindern sie nur an der Vermehrung. "Allerdings sind Bakterien eigenständige Zellen, die sich auch auf andere Umweltbedingungen einstellen können. Daher können Bakterien auch Antibiotikaresistenzen entwickeln", merkt Fahrig an.

Da Viren keinen eigenen Stoffwechsel und auch keine Zellwand besitzen, sind Antibiotika machtlos. Es gibt jedoch auch Mittel, die Viren in Ihrer Vermehrung hemmen. Bei vielen viralen Infekten wie Erkältungen beschränkt sich die Behandlung aber auf eine Therapie, die zwar nicht die Viren selbst bekämpft, aber die Symptome der Krankheit lindert. Den Rest muss die körpereigene Abwehr dann allein erledigen.

Virostatika hemmen die Vermehrung von Viren

Virostatika sind Medikamente, die mit unterschiedlichen Mechanismen die Vermehrung von Viren hemmen. Sie kommen bei bestimmten viralen Erkrankungen zum Einsatz. "Die Ausbreitung der Viren kann im Körper gehindert werden, aber ein Medikament, das nur Viren und nicht körpereigene Zellen abtötet, ist noch nicht gefunden worden", erzählt der Spezialist für innere Medizin.

Virostatika haben unterschiedliche Angriffspunkte in den Vermehrungsstadien eines Virus. Manche Medikamente verhindern das Andocken oder das Eindringen des Virus in die Wirtszelle. Andere wiederum stören die Herstellung und Zusammensetzung des Erbguts oder der Hülle.

Impfungen können vor manchen Bakterien und Viren schützen

Eine Impfung bereitet das Immunsystem auf die Abwehr der Erreger vor. Es gibt Impfstoffe gegen bestimmte bakterielle und virale Erkrankungen. Ein Impfstoff enthält entweder abgeschwächte Krankheitserreger oder nur harmlose Teile des Erreges. Das Immunsystem erkennt die fremden Strukturen und bildet Antikörper dagegen. Wenn nach der Impfung die gleiche Erregerart in den Körper gelangt, kann der Eindringling in der Regel schnell unschädlich gemacht werden. "Dies ist bei vielen viralen Erkrankungen wie zum Beispiel der Kinderlähmung seit Jahrzenten möglich", erklärt Fahrig. "Bei HIV oder Hepatitis C ist dies aber aufgrund der komplizierten Eigenschaften der Viren bisher nicht gelungen."

Zusätzlich verändern manche Viren ihr äußeres Erscheinen sehr schnell. Das macht die Entwicklung eines Impfstoffes schwer. Deshalb muss zum Beispiel für den Grippe-Erreger jedes Jahr ein neues Impfserum entwickelt werden.



Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto, Ingram Publishing

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