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Weshalb frieren wir eigentlich?

Unser Körper stellt sich auf kalte Temperaturen ein. Das klappt aber nicht bei allen gleich gut. Dr. Dieter Conrad im Kälte-Interview


Kluge Eisprinzessinen tragen Norwegerstrick

Einer der drei Wünsche bei der guten Fee wäre bei den meisten Frauen ziemlich wahrscheinlich: nie wieder kalte Füße. Denn Frieren ist ein leidiger Zustand, der vor allem das weibliche Geschlecht besonders oft quält.

Warum, wieso, weshalb wird es uns denn bloß immer so kalt? Dr. Dieter Conrad ist der Vorstandsvorsitzende des Hessischen Hausärzteverbandes. Der Mediziner beantwortet unsere frostigen Fragen.


Wann friert der Mensch, Dr. Conrad?

Uns wird kalt, wenn es einen Unterschied zwischen unser inneren Körpertemperatur und der äußeren Umgebungstemperatur gibt. Also wenn es draußen kalt ist.

Was passiert dabei im Körper?

Der Körper möchte den Temperaturunterschied ausgleichen. Das erste Signal gibt das Gehirn. Es sagt: Hier ist es kalt, ergreife Maßnahmen. Dann ziehen sich die Adern in Füßen und Händen zusammen und werden weniger stark durchblutet. Dadurch bleiben die lebenswichtigen Organe besser durchblutet und so vor der Kälte geschützt. Außerdem beginnen die Muskeln unwillkürlich zu zittern. Durch die Aktivität erzeugen sie Wärme. Der Mediziner nennt das Schüttelfrost.

Frieren Frauen leichter als Männer.

Ja, eindeutig.

Warum?

Das ist nicht wirklich geklärt. Auch wenn beide normalgewichtig sind, leidet die Frau meistens stärker unter tiefen Temperaturen als der Mann. Ansonsten sind dickere Menschen natürlich besser isoliert. Dafür bekommen sie schneller Erfrierungen. Ihre Haut ist schlechter durchblutet.

Was hilft am besten, wenn man völlig durchgefroren ist?

Langsames Aufwärmen. Zum Beispiel in einer lauwarmen Badewanne. Dann kann man immer wärmeres Wasser nachlaufen lassen. Wenn man einen völlig Unterkühlten schlagartig aufwärmt, dann kann er einen Schock erleiden. Unter dem ersten Schrecken ziehen sich die Adern noch enger zusammen. Dann plötzlich weiten sie sich und das gesamte Blut fließt plötzlich überall hin. Die natürliche Verteilung wird gestört.

Wenn wir essen, fließt das Blut verstärkt in den Magen. Wenn wir laufen, in die Beine. Wenn wir denken, ins Gehirn. Wenn sich das ganze Volumen nun unkontrolliert ausbreiten kann, dann kann der Patient einen Kreislaufkollaps erleiden.

Können Menschen aus dem Norden die Kälte besser ertragen?

Es ist möglich, den Körper gegen Kälte zu immunisieren. Das ist eine Gewohnheitssache. Wenn der Mensch oft tiefe Temperaturen ertragen muss, dann lernt der Organismus, sich darauf einzustellen. Die Nerven werden weniger empfindlich, die Durchblutung stellt sich besser auf die äußeren Umstände ein. Der Südländer ist den Frost unter Unständen nicht gewohnt und friert somit leichter.

Kann Frieren auch ein Alarmsignal sein?

Ja, zum Beispiel bei Fieber. Der Körper ist heißer als sonst. Aber er denkt, die Außentemperatur sei tiefer. Also beginnt er zu zittern, um Wärme zu erzeugen. Schüttelfrost kann also ein Anzeichen für Fieber sein.

Haben Sie einen Geheimtrick gegen kalte Füße?
Warm anziehen!



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 18.12.2009, aktualisiert am 30.01.2012
Bildnachweis: iStock/asiseeit

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